Mittwoch, 5. März 2014 von Jasmin Alber

Fasnet, die zweite

Die närrische Zeit ist für dieses Jahr nun mit dem heutigen Aschermittwoch endgültig beendet – zur Freude der einen, zum Leid der anderen. Was viele Fasnetsmuffel nicht nachvollziehen können, ist das einzigartige und nicht zu beschreibende Gefühl während der fünften Jahreszeit. Dieses Phänomen hat jetzt auch ein Psychologe analysiert. Er attestiert den Mäschgerle jeden Alters nämlich eins: Verkleiden, für einige Zeit jemand anders sein und die damit verbundenen, kleinen Ausflüge in die Kinderzeit tun der Seele gut, das alles habe sogar eine stabilisierende Auswirkung auf Körper und Geist. Und wer von diesem „Fasnetseffekt“ bald wieder profitieren möchte, muss sich dieses Mal gar nicht lang gedulden. Denn, so der Psychologe, es zeigen sich deutliche Parallelen des Karnevals in all seinen regionalen Variationen auch in Sportveranstaltungen – Stichwort: Fußball-WM. Zu diesem Anlass wird in jüngster Zeit ebenfalls gemeinsam beim Public Viewing ausgelassen gefeiert; mitsamt Irokesenhaarteil in den jeweiligen Nationalfarben, trötendem Plastikinstrument und schwarz-rot-goldenen Streifen mitten im Gesicht. Und mal ehrlich, erinnern die Autokorsos mit Fahnen, lauter Musik und vielen begeisterten Zuschauern am Straßenrand nicht zumindest ein kleines bisschen an einen Fasnetsumzug?

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 8. Januar 2014 von Jasmin Alber

Cäsar und China gegen Gregor

„Zwischen den Jahren“ ist nun, nach Dreikönig, vorbei. Ganz genau betrachtet könnte man meinen, dieser Begriff stehe für die minimale Zeitspanne, die den 31. Dezember und den 1. Januar trennt. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit aber bekanntlich die Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar gemeint. Aber warum? Dieses Jahr hat mich die Neugier gepackt. Die Recherche brachte erst Verwirrung, bei genauerer Betrachtung aber Klarheit über den schwammigen Begriff. „Schuld“ an der übrigens jahrhundertealten Redewendung sind verschiedene Kalender. Die ersten Christen feierten Jesu Geburt noch am 6. Januar. Etwas später wurde dieser Festtag auf den 25. Dezember – den Tag der Wintersonnwende des damals gültigen und von Julius Cäsar initiierten Julianischen Kalenders – verschoben. Etwa 400 Jahre später verlegte die katholische Kirche den Jahresanfang vom 6. Januar ebenfalls auf das Weihnachtsdatum. Deutlich davor, aber noch verwirrender, ist der Neujahrstag der alten Römer. Dieser war zuerst am 1. März, schließlich am 1. Januar. Legt man den heute geltenden Gregorianischen Kalender als Maßstab zugrunde, begann das neue Jahr – je nach Kalender und Jahrhundert – also irgendwann in der zwölf Tage langen Zeitspanne zwischen Weihnachten und Dreikönig. Diesem Wirrwarr entstammt vermutlich die Bezeichnung „zwischen den Jahren“. Wer jetzt aber denkt, dass seit dem 6. Januar auf jeden Fall das neue Jahr begonnen hat, hat die Rechnung ohne die Chinesen gemacht. Diese begehen bis heute ihr Neujahrsfest unabhängig vom kalendarischen Jahresbeginn, aber abhängig von der Sternenkonstellation; dieses Jahr am 31. Januar. In diesem Sinne: Ein mehrfaches Prosit, Neujahr!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 13. Dezember 2013 von Jasmin Alber

Gugelhupfgesetz

Es war einmal ein Inhaber eines Cafés, der eine Dame engagierte, um Kuchen zu backen. Sie buk nämlich die besten Kuchen der Stadt. Die Nachfrage war groß, der Frau wurde die Arbeit zu viel und sie hörte auf. Auf das Drängen des Chefs hinterließ sie das Rezept, genauer gesagt, nur die Zutatenliste.

Wie so oft, kommt es dabei aber nicht nur auf das Was, sondern auch aufs Wieviel und Wie an. Das merkte auch der Cafébetreiber, der monatelang herumprobierte – und stets krümelige, matschige oder ungenießbare Gugelhupfe produzierte. Das Geheimnis lag aber, wie er herausfand, nicht nur in den Mengenangaben, sondern auch in der Art der Verarbeitung. Ein traditionelles Rezept, anderthalb Jahrhunderte alt, verlange auch die damaligen Mittel. Sprich: Kein 1000-Watt-Handrührgerät, keine Silikonbackformen und kein aufplusterndes Universalbackpulver.

Im übertragenen Sinne kann die Erkenntnis aus dieser Geschichte – übrigens eine wahre, die eine Nachrichtenagentur neulich veröffentlichte – in den Alltag übertragen werden. Deshalb habe ich mir auch vorgenommen, mich in der Vorweihnachtszeit auf das Wesentliche zu besinnen. Was genau? Man wird sehen. Ein guter Einstieg ist schon einmal, die Weihnachtsgeschenke vor Ort und nicht wie sonst über das Internet oder den Versandhandel zu kaufen. Diese Idee hatten aber offenbar noch weitere, geht doch derzeit ein regelrechter Werbeflyer durch die sozialen Netzwerke. Der Aufruf: Kauf für Weihnachten vor Ort. Und mal ehrlich, eigentlich spricht, mit Ausnahme der eigenen Bequemlichkeit, überhaupt nichts dagegen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 27. November 2013 von Jasmin Alber

Wer ist hier der Babo?

Kennen Sie „Babo“? Ich zumindest bis vor kurzem nicht. Vielleicht ein Kosename oder gar ein Tier, so die ersten Vermutungen. Was es damit auf sich hat? Dieser Begriff, der für Anführer oder Chef steht, stammt aus dem Türkischen und ist das Jugendwort des Jahres. Auffällig ist der Trend: Das jährlich gewählte Wort in Jugendsprech stammt immer weniger aus dem Deutschen. Haben es in den ersten Jahren der Langenscheidt-Prämierung die durchaus kreativen und zeitgeistbedingten Begriffe à la „Niveaulimbo“ oder „Gammelfleischparty“ auf Platz eins geschafft, ist dieses Mal eine Vokabel das Top-Jugendwort. „Nur“ der Drittplatzierte ist ein deutscher Begriff: „gediegen“. Natürlich, im weltweiten Netz und in den Texten sämtlicher Musikrichtungen ist die Umgangssprache Englisch. Auch das (wahrscheinlich schon gar nicht mehr angesagte) „cool“ ist ja ein englischer Begriff. Ich stelle mich selbstverständlich nicht gegen kulturellen und sprachlichen Austausch. Aber muss für jedes Wort (zwanghaft) ein – mittlerweile teils eingedeutschtes – Pendant gefunden werden? Etwas anderes kommt noch hinzu: Wenn ein Verlag diese Initiative ins Leben ruft und eines der selbst auferlegten Kriterien sprachliche Kreativität und Originalität ist, hätte eigentlich ein anderes Wort den obersten Treppchenplatz verdient. Meine Favoriten wären daher „Pimpfstation“ (Kindergarten) oder „Menschen mit Immatrikulationshintergrund“ (Leute, die vermeintlich überstudiert sind und nicht anpacken können oder wollen) gewesen. . .

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 13. November 2013 von Jasmin Alber

Unkäuflich

Dass man Glück nicht kaufen kann, ist nun wirklich keine Neuigkeit. Mihály Csíkszentmihályi untersuchte das Phänomen deshalb bereits vor Jahren empirisch und fand heraus, dass Glück nichts Passives oder Zufälliges ist. Vielmehr bestätigte er, dass wir selbst unseres Glückes Schmied sind. Seiner These nach – er sieht den Glücksprozess als „Flow“, also als „Fließen“ – erreichen wir das geliebte Glücksgefühl durch „freiwilliges Bemühen, etwas Schwieriges oder Wertvolles zu erreichen“. Per Zufall kam ich über den Blogeintrag eines Psychologiestudenten auf dieses Thema und blieb daran hängen. Offensichtlich war Paul Maars Sams sehr weise: „Will man was ganz stark und fest, geht's auch ohne Wunschmaschine“, weiß der Kinderbuchprotagonist. Die Studie des ungarisch-stämmigen Wissenschaftlers besagt zudem, dass wir im „Flow“, also während des Strebens nach Glück, oft unterbewusst störende Einflüsse ausblenden. Können wir also im Umkehrschluss glücklicher sein, wenn wir bewusst einige persönliche Störfaktoren ausblenden? Sich einfach einmal nicht über den anstehenden Winter beschweren, wie man es im Normalfall getan hätte, fragwürdige Kommentare ohne Gram hinnehmen oder nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen bestimmter Mitmenschen einfach ignorieren und stattdessen auf ein konkretes, persönliches Ziel hinarbeiten? Einen Versuch wäre es meiner Meinung nach auf jeden Fall wert. Ein bisschen (mehr) Glück schadet schließlich nie.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.