Samstag, 16. August 2014 von Jasmin Alber

Trash-TV vor der Haustüre

Es ist im Freundes- und Bekanntenkreis schon lange kein Geheimnis mehr, dass ich ein Anhänger von Dokusoaps bin. Darunter können Sie sich nichts vorstellen? Laut Wörterbuch handelt es sich bei der – durchaus als abwertend zu deutenden – Bezeichnung Trash-TV um Formate mit „bewusst banal, trivial oder primitiv wirkenden Inhalten“, also nicht nur „Müllfernsehen“, wie in der 1:1-Übersetzung. Ganz konkret heißt das in meinem Fall, dass ich auf seichte Unterhaltung durch heiratswillige Bauern, Mütter, die öffentlich nach einer besseren Hilfe für ihre (schwer vermittelbaren?) Söhne suchen, Bachelors und Bacheloretten oder, sozusagen als donnerstagabendliches Pflichtprogramm, auf Frauentausch stehe – Diskussionen sind zwecklos. Letzterer Sendung schenke ich gerne ungeteilte Aufmerksamkeit. Vor zwei Tagen gab es dann sogar eine Überraschung, dachte ich doch schon im Vorspann: „Diese Gegend kennst du doch.“ Und tatsächlich: Eine der Tauschmuttis der jüngsten Folge war Albstädterin. Das gezeigte Wohnhaus liegt direkt an der Tailfinger Ortsdurchfahrt. Ihr Gegenpart, eine Großstadtpflanze aus Hamburg, meinte, sie hoffe, dass Albstadt für sie nicht zum Albtraum werde. Wie sie den Besuch auf der Zollernalb letztendlich bewertete, haben die Zuschauer eindrücklich erfahren. Unabhängig davon, hat mich an dieser Folge besonders der regionale Bezug einer deutschlandweit ausgestrahlten Fernsehsendung gefreut. Wer sieht nicht gerne Bilder aus der Heimat im Fernsehen? Und bald schon ist es wieder so weit: In der kommenden Staffel der Landwirtschaftspartnerbörse macht ein Kolbinger mit. Man darf gespannt sein, ob er ein gutes Bild des Heubergs abgibt. Bei der Kandidatenvorstellung vor wenigen Wochen hat er sich, zumindest bei mir, schon viele Sympathiepunkte eingehandelt.

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Mittwoch, 6. August 2014 von Jasmin Alber

Sticken auf dem Tippschein

Heute vor einer Woche standen sie fest und zeigten mathematische Wahrscheinlichkeit in ihrer Reinform: die Lottozahlen. Die Zahlen neun bis 13 plus die 37. Zum zweiten Mal erst in der Geschichte der Lotterie wurde eine Fünferreihe gezogen. Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben hat nun Lottospieler gebeten, ihre Tippgewohnheiten auf überdimensionierten 1-bis-49-Feldern zu veranschaulichen. Wie manche Menschen tippen, erinnert weniger an Lotto, sondern vielmehr an eine Stickanleitung aus dem Handarbeitskurs. Wenn sie Fortuna herausfordern, entstehen bei vielen waagrechte und senkrechte Reihen, Blitze oder Herzen – sehr zur meiner Verwunderung, da ich als Gelegenheitszocker entweder Geburtstagsdaten setze oder intuitiv die Kreuzchen querbeet mache. Einziger Trost bei dieser Ziehung, bei der ich nicht mal eine Zahl richtig getippt habe, und – zugegeben – vielleicht ein bisschen gehässig: Millionengewinne heimsten die Gewinner für die berühmten „sechs Richtigen“ nicht ein. Gleich auf drei Scheinen standen die richtigen Zahlen, und allesamt ohne richtige Zusatzzahl. Wie viele Lottospieler werde ich mich von dieser Ziehung nicht im Tippverhalten beeinflussen lassen. Denn wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass solche Zahlenreihen in naher Zukunft erneut gezogen werden . . . ?

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Samstag, 19. Juli 2014 von Jasmin Alber

Spielerisch zu den Wurzeln

Monatelang konnte man sich vor „Quizduell“-Herausforderungen kaum retten, konnte sogar (hätte die Technik funktioniert) in TV-Shows sein Wissen unter Beweis stellen. In den sozialen Netzwerken wurden Traktoren verschickt und bunte Diamanten hin- und hergeschoben. In letzter Zeit sucht der Smartphonenutzer aber wohl andere Abwechslung bei der spielerischen Beschäftigung. Ohne Gegner, Interaktion und schnelles Antworten auf Spieleanfragen, gleich auf welchem digitalen Kanal. Denn blickt man jüngst in die Hitliste der meistgeladenen Apps, erstaunte mich vor allem die Art der Spiele. Stadt-Land-Fluss, Kreuzworträtsel, eine Scrabbleversion und – auf Platz eins – das fast schon antike Microsoft-Kartenspiel Solitär. Zurück zu den Wurzeln, also? Offenbar braucht es für Unterhaltung auf den kleinen Geräten nebenbei nicht unbedingt die neueste Grafik oder Spiele mit realistischen und/oder detailgetreuen Figuren. Mir stellt sich nun die Frage – ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mich selbst davon auszunehmen – warum man die ganzen Spieleklassiker, die es nun quasi in zweiter Instanz digital gibt, nicht einfach mal wieder „in echt“ spielt . . .

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Samstag, 10. Mai 2014 von Jasmin Alber

Kopf hoch!

Im Internet kursiert derzeit ein Video, in dem ein junger Brite seine Meinung zur aktuellen Entwicklung der Gesellschaft kundtut. Zunächst tat sich mir die Frage auf, ob es nicht widersprüchlich ist, ein Filmchen über zu wenige echte soziale Kontakte gerade im Internet und über die angeprangerten (pseudo-)sozialen Netzwerke zu verbreiten. Wenn man den knapp fünfminütigen Clip aber anschaut, wird klar, dass dies der einzige Weg ist, die Zielgruppe zu erreichen. Denn der Film stimmt mehr als nachdenklich. In Gedichtform erzählt der Autor, dass man im Zeitalter von Smartphones, Tablets, Facebook und Co. trotz hunderter „Freunde“ allein ist. Und durch den ständig nach unten gerichteten Blick auf den Touchscreen in der Öffentlichkeit wichtige Begegnungen schlichtweg verpasst. Was mich aber am meisten beschäftigt, ist die Tatsache, dass ich mich in einigen Szenen wiedererkannt habe. An der Fußgängerampel auf Grün warten? Zeit für einen kurzen Blick auf neue Nachrichten. Abends wird in Onlinegruppen über den Tag und Neuigkeiten gesprochen, anstatt sich nach Feierabend einfach zu verabreden, um zu quatschen. Auf der Suche nach einer Adresse fragt man der Einfachheit halber nicht einen Passanten, sondern schaltet die Navigation im Handy ein. Ebenso wird „kurz gegoogelt“, wenn etwas unklar ist. Diese Entwicklung ist Fluch und Segen zugleich, das wird durch den Film mehr als deutlich. Ich habe mir deshalb vorgenommen, mich an der eigenen Nase zu fassen und dem Appell des Briten zu folgen: Kopf hoch. Und wer weiß, welche spannenden Begegnungen auf diejenigen warten, die sich die Botschaft des Videos zu Herzen nehmen.

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Freitag, 11. April 2014 von Jasmin Alber

Werbespot(t)

Er liegt inmitten des Spielfelds, schmerzverkrümmt. Die Sanitäter rennen herbei, um erste Hilfe zu leisten – nicht etwa mit Eisspray und Verbandsmaterial, sondern mit einem Shampoo für die juckende Kopfhaut von Mats Hummels. Doch er ist nicht der einzige Fußballprofi, der für Werbung „fremdgeht“. Beckenbauer hat es in den 60ern suppeschlürfend vorgemacht, die Nationalmannschaft propagierte vor einigen Jahren den Konsum von Nuss-Nougat-Creme, Prinz Poldi ließ sich Schokokekse schmecken, Oliver Kahn Bratwürste – bevor er ein bekanntes Abnehmkonzept beworben hat. Was bei allen auffällt: ihre Leistung auf dem Rasen ist/war – und das ist sogar für Laien zu erkennen – deutlich besser als die vor der Kamera. Schuster, bleib bei deinen Leisten. In diesem Falle: Fußballer, bleibt bei euren Kickschuhen. Auch wenn man Image und Portemonnaie aufpolstern möchte. Denn, wie einige hervorragend umgesetzte Werbespots zeigen, können die Profikicker durchaus seriöse Werbung machen. Eben für alles, was im weitesten Sinne mit „ihrer“ Sportart zu tun hat. Wenn Thomas Müller nicht mit Namensvetter Gerd um Buttermilch zankt, sondern sich ein heißes Duell mit Neymar liefert, passt das im richtigen Kontext zum sportlichen „Image“ des Autoherstellers. Und wenn Letzterer als brasilianischer Nationalspieler, ebenso wie Portugals Cristiano Ronaldo und der Engländer Wayne Rooney, für eine Sportbekleidungsmarke die Emotionen vor einem wichtigen Spiel zeigen, hat das Stil und ist vor allem eins: glaubhaft.

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