Samstag, 21. März 2015 von Jasmin Alber

Is' das Kunst?

. Oder kann das weg? – In manchen Fällen ist Kunst, meist hochpreisige, zumindest für Laien wie mich nicht auf Anhieb als solche zu erkennen. Blöd und vor allem teuer, wenn es auch dem Reinigungspersonal so geht, das wie im Fall zweier Installationen von Joseph Beuys – „Fettecke“ und „Badewanne“ – erstere von Butterschmiere befreite und letztere, ganz absichtlich verschmutzt, reinigte. Dass es aber auch andersherum geht, zeigte ein skandinavischer Künstler. Er stellte ein Bild der großen schwedischen Möbelkette aus. Kaufpreis: zehn Euro, das „Fachpublikum“: begeistert. Die Reaktionen auf das vermeintlich einzigartige Kunstobjekt reichten von interessant über modern bis schockierend. Einig waren sich die Betrachter über den Wert. Sie würden den Kunstdruck mal eben für ein Vielfaches des eigentlichen Verkaufspreises anbieten oder kaufen. Die Schätzungen lagen zwischen 600 000 und 2,5 Millionen Euro. Wie leicht man sich doch täuschen kann und wie nachhaltig gemein es ist, wenn der Künstler die Bloßstellung auch noch als Video veröffentlicht. Man erinnere sich an Hape Kerkelings „Hurz!“. Manchmal ist es eben doch gut, Dinge zu hinterfragen, so das Fazit der Aktion, die wohl nicht nur gute Werbung für die Möbelkette ist. Und manchmal sind drastische und weitreichende Maßnahmen einfach nötig, um sich, anderen oder gleich der ganzen Gesellschaft von Zeit zu Zeit den Spiegel vorzuhalten – oder wie im dänischen Fall eben einen Billigkunstdruck.

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Dienstag, 24. Februar 2015 von Jasmin Alber

Miss-Wahl der besonderen Art

Die amtierende Miss Universe ist Paulina Vega, als schönste Deutsche wurde zuletzt Elena Schmidt gekürt. Die Kartoffel des Jahres 2015 hingegen heißt „Heideniere“, kommt aus dem niederländischen Soltau, setzte sich ebenfalls gegen viele Konkurrentinnen durch und löste die Vorjahressiegerin „Granola“ ab. Sachen gibt's, dachte ich, als ich zum ersten Mal von dieser Miss-Wahl der besonderen Art gehört habe. Der vermeintlich sinnlose Wettbewerb wurde aber für einen guten Zweck, nämlich für den Erhalt und zur Rettung der Kartoffelvielfalt, vor elf Jahren ins Leben gerufen. „Ein Kriterium für die Wahl ist, dass die Sorte schon etwas geleistet haben muss“, lautet eine Richtlinie des auslobenden Verbands Bioland. Das beginnt bei besonderen, natürlichen Resistenzen gegen Schädlinge und endet bei einem herausragenden Geschmackserlebnis. Und anders als bei den Wahlen der schönsten Frauen und Männer, zählen bei der Kartoffel andere Werte. Vorrangig gehe es um alte, regionale Sorten der Knolle. Die heißen dann „Rosa Tannenzapfen“ oder „Mecklenburger Schecke“. Ginge es rein um den Namen eines Gemüses, stünde der Sieger dieses Wettbewerbs für mich aber ohne zu zögern fest, gibt es doch eine Rosenkohlkreuzung – Achtung, Wortwitz – namens „Vorfahrt beachten“.

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Donnerstag, 22. Januar 2015 von Jasmin Alber

Renaissance für die Bouillon

Kaiserin Elisabeth soll wie viele Mitglieder des Habsburger Hofstaats ein regelrechter Fan gewesen sein und, zugegeben, sie schmeckt einfach. Doch es handelt sich nicht um aufwendige Haute-Cuisine, sondern um klare Fleischbrühe – extravaganter auch Bouillon oder Consommé genannt. Und eben jene Brühe erlebt derzeit in New York eine „trendy“ Renaissance als „weltweit erstes Komfortessen“. An sich ist das nicht verwerflich, denn die klare Fleischsuppe wird schließlich nicht umsonst als Kraftbrühe betitelt und ist für ihre vitalisierende Wirkung bekannt. Der Clou für die hippen Großstädter: Natürlich gibt's die Bouillon für umgerechnet knapp acht Euro ausschließlich zum Mitnehmen im schicken Pappbecher. Selbst bei hochwertigen Zutaten, die zurecht nicht günstig sind, ist das Wucher. Was mich außer dem horrenden Preis an dem Konzept aber am meisten stört, ist das Widersinnige – abgesehen davon, dass der Erfinder der Mitnehmbouillon (ernsthaft?) plant, im Sommer Klare-Brühe-Eiswürfel zur Erfrischung anzubieten. Denn hinter dem propagierten Konzept des LOHAS und den Unterformen stehen unter anderem Entschleunigung, bewusste Nahrungsaufnahme und das Zurückkehren zu den Wurzeln – Stichwort: bekömmliche Steinzeiternährung – im hektischen, stressigen Alltag. Und das „to go“-Prinzip ist hier dann definitiv fehl am Platz.

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Mittwoch, 17. Dezember 2014 von Jasmin Alber

Anleitung zum Glücklichsein

Um es gleich vorweg zu nehmen: Hier gibt es keine allgemeingültige Anleitung, um glücklich zu sein. Auch die „Happiness-Studie“ schafft das nicht auf über 70 Seiten. Dennoch stellen deren Macher interessante Thesen auf. Die meiner Ansicht nach einschneidendste: Die Ambient Awareness, also die Umgebungswahrnehmung, ist Internet und Social Media sei Dank eine andere. Fluch und Segen, gleichermaßen. Denn gerade weil man über die Plattformen mit seinem persönlichen Netzwerk aus Freunden, Bekannten, Familie und Kollegen einfacher als früher in Kontakt bleiben und Erlebnisse mit ihnen teilen kann, gibt es daran eine Kehrseite. „Die Erwartungen, was in der Freizeit zu erleben ist, steigen“, heißt es in der Studie. „Mit ihnen wächst auch die Angst, etwas zu verpassen.“ Die Jagd nach Zustimmungs-, sprich „Gefällt mir“-Bekundungen und Aufmerksamkeit kann also beginnen. Was auch mir regelmäßig auffällt, ist, dass offenbar bei einigen gänzlich alles festgehalten und veröffentlicht werden muss – nicht nur bedeutende Ereignisse. Das beginnt meist schon mit einem Foto des Frühstücks, das Phänomen des sogenannten „Food Porn“. Ist heute ein Konzert, sieht man vor der Bühne oftmals keine mitsingenden und tanzenden Fans, sondern hunderte Handydisplays, die das Geschehen auf der Bühne dokumentieren. Und es soll kein Rat mit erhobenem Zeigefinger sein – jeder muss das schließlich für sich selbst entscheiden –, aber ich frage mich, ob der Kuchen nicht genauso gut schmeckt, wenn ich kein Foto davon veröffentliche, und der Auftritt des Lieblingsstars nicht schöner im Gedächtnis bleibt, wenn ich ihn aufmerksam verfolge und stattdessen eben keine verwackelten Handyvideos davon habe. Dafür habe ich dann echte, kleine Glücksmomente – nur für mich.

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Den Menschen soll neue Lebensfreude vermittelt werden.


In Südkorea kann man seinen eigenen Tod vorwegnehmen. "Happy dying" heißen solche Seminare zum Beispiel. Sie sollen die Menschen glücklicher machen.

Die Liste der Teilnehmer reicht vom Oberschüler bis zum Rentner. Viele Unternehmen und Verbände meldeten ihre Beschäftigten oder Mitglieder an. Die Teilnehmer zahlen dafür 50 000 Won (etwa 36 Euro).

Lothar Gerstenecker am 17.12.2014 14:52:42

Freitag, 14. November 2014 von Jasmin Alber

Backen statt Pulerei

Die anstehende Weihnachtszeit bedeutet auch wieder Hochsaison für Schleckermäuler. Was ansonsten in Hefekranz oder Käsekuchen ob der meist geringen Menge relativ unauffällig entfernt werden kann, gestaltet sich bei Christstollen und Bratäpfeln jedoch für Rosinengegner durchaus schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Zwei Dinge habe ich auf der Suche nach einem rosinenfreien Weihnachtsstollen aber gelernt: zum einen, dass der dick mit Puderzucker bestäubte Laib an das gewickelte Christkind erinnern soll, zum anderen, dass als Christstollen angebotene Teigwaren immer Rosinen und das von mir ebenso verschmähte Citronat/Orangeat enthalten müssen. Laut Deutschem Lebensmittelbuch in der Regel sogar ganze 60 Prozent. Schlechte Nachrichten für die Rosinenpulerfraktion, denn machte man sich die Mühe, ein Stück Stollen von den ungeliebten Dörrtrauben und kandierten Zitrusfrüchten zu „bereinigen“, bliebe, abgesehen von der Sauerei auf dem Teller, wohl kaum mehr etwas vom Gebäck übrig. Da gibt es wohl nur eine Lösung für Schleckige wie mich . . . selber backen.

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