Dienstag, 1. September 2015 von Jasmin Alber

Neues Genre für Magerwahn?

Die superschlanken Models – manche benutzen den Begriff Magermodels –, werden kritisch beäugt. Heidi Klum sieht sich bei der öffentlichkeitswirksamen Suche nach Laufstegschönheiten mit möglichst flachem Bauch und dünnen Beinchen mit dem Vorwurf konfrontiert, Mädchen vor dem Fernseher in eine Essstörung zu treiben. Natürlich ist zu viel genauso schädlich wie zu wenig auf den Rippen. Aber ein gesunder Körper, entfernt von Size-zero, aber auch von XXXL, sollte nicht als verabscheuungswürdig deklariert werden. Während Mode in normalen Kleidergrößen absurderweise mit „Übergrößen“-Models beworben wird, machen sich jedoch immer mehr Bekleidungs- und Kosmetikhersteller stark für starke Frauen – diese Art Kampagnen haben bereits einen langen Weg hinter sich, um in den Köpfen der Konsumenten verankert zu werden. Doch vermeintlich findige Produzenten machen diese Bemühungen mit einem Schlag zunichte, hat doch nun neben der neuen Biene Maja mit Wespentaille und einer deutlich zierlicheren Zeichentrick-Heidi auch ein männlicher Kinderliebling, der einst knuffige Pumuckl, für die neu aufgelegte Buchreihe eine Schlankheitskur verordnet bekommen. Über das Warum drucksen die Macher der beliebten Serien und Bücher herum. Ich bin der Meinung, dass diese „Anpassungen an die heutige Zeit“ – so argumentierte der Sprecher eines Fernsehsenders –, als Rollenvorbild kontraproduktiv sind und ein falsches Bild des Sollzustands vermitteln. Das dachte auch die Tochter der Kobold-Erfinderin, die dafür sorgte, dass Pumuckl in den folgenden Büchern sein Bäuchle zurück bekommt. Bleibt zu hoffen, dass Obelix, Benjamin Blümchen und der pausbackige Max von diesem Magertrend ebenfalls verschont bleiben.

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Donnerstag, 30. Juli 2015 von Jasmin Alber

K(l)eine Oase in der Servicewüste

Sogenannte Trolle gibt es online zur Genüge. Meist wollen sie mit ihren Pöbeleien einfach nur provozieren, andere nerven und zur Weißglut bringen. Jüngst machte den großen Unternehmen, vom Joghurthersteller bis zur Verkehrsgesellschaft, vor allem ein vermeintlicher Kundendienst zu schaffen. Unter diesem simplen Namen beantworten die (noch) anonymen „Servicemitarbeiter“ öffentliche Kundenanfragen – frech, unflätig, provokant und immer auf Kosten des Unternehmens beziehungsweise, um die Fragesteller ins Lächerliche zu ziehen. All das natürlich sehr zum Leidwesen der echten Mitarbeiter der jeweiligen Unternehmen, die sich wirklich und ernsthaft um die Beschwerden der Kunden und Konsumenten kümmern oder es zumindest tun sollten. Nun aber stellte sich heraus, dass es nicht um sinnlose Pöbelei, sondern um Satire geht. Die Initiatoren wollen mit den Kommentaren unter falschem Decknamen auf mangelnden Service und fehlende Kundenfreundlichkeit in Deutschland hinweisen. Natürlich muss der Kunde nicht immer bedingungslos zum König gekrönt und hofiert werden; ganz nach dem Motto: Wie man in den Wald hinein ruft . . . Doch ein Mindestmaß an Freundlichkeit setze ich voraus. Wenn sich Verkäuferinnen nämlich nicht einmal zu einem erwiderten Hallo herunterlassen und sich lieber weiterhin ihrem Gespräch über Zahnersatz widmen, wandern mehrere, bereits anprobebereit und in Kaufabsicht herausgesuchte Klamotten wieder zurück an die Stange. Mit diesen Umgangsformen erreicht man beim Kunden nämlich nur eins, wie ich jüngst aufgrund dieser eigenen Erfahrung beschlossen habe: Der Laden wird kurzerhand verlassen und künftig gemieden. Schön, dass aber auch noch das genaue Gegenteil zu finden ist – und das nur wenige Meter entfernt.

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Donnerstag, 9. Juli 2015 von Jasmin Alber

Schinken mit Ananas ist Käse

Schon seit 60 Jahren hält sich der Toast Hawaii als Klassiker in deutschen Privat- und Restaurantküchen, Fernsehkoch Clemens Wilmenrod sei Dank. Seine Ableger nehmen mitunter kuriose Züge an – alles kann offenbar Hawaii-isiert werden. Pizza, Burger, Geschnetzeltes, Leberkäs, Nudelauflauf, (Karotten-)Salat und vieles mehr. Die Nachfrage ist ungebrochen, über das Warum wundere ich mich schon lange. Ananas scheint erfolgreich zu jedem erdenklichen, eigentlich deftigen Rezept beliebig hinzufügbar zu sein. Wenigstens hier, denn ich wage zu behaupten: Kein Mensch jenseits der deutschen Grenzen verbindet die Kombination von Schinken, Käse und Ananas mit Hawaii. Zumal die Heimat der Ananas nicht die Südseeinselgruppe, sondern Südamerika ist. Um genau zu sein, war die Ananasfrucht erst in Europa bekannt, bevor sie einige Jahrhunderte später auf Hawaii kommerziell kultiviert wurde. Auf vielen, vielen Seiten haben sich Experten mit dem Phänomen beschäftigt, gerade anlässlich des „runden Geburtstags“. Ihre Theorie: In den 1950er-Jahren war der Toast Hawaii eine Möglichkeit, einen Hauch Exotik ins heimische Esszimmer zu bekommen, eine Abwechslung zum tristen, einfachen Essen der Nachkriegszeit. Deshalb habe sich der Ananastoast etabliert und durch die enorme Präsenz bis heute gehalten. Schön und gut, klingt plausibel. Ich frage mich nur: Warum hätte das nicht auch mit einem Obstsalat funktionieren können?

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Samstag, 6. Juni 2015 von Jasmin Alber

Königskuchen

Es scheint zur Zeit ein großer Trend bei den namhaften Auktionshäusern zu sein, ganz besondere Gegenstände zu versteigern. Medienmogul Murdoch bietet seine Möbel zum Verkauf an, unter den Hammer ist erst kürzlich auch eine handgeschriebene Gästeliste der Hochzeit von Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood gekommen; das höchste Gebot lag bei 576 Dollar. Auch wer seinen royalen Idolen ganz nah sein möchte, kann – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – ein Stück von ihnen kaufen. Und Stück ist hier sogar ganz wörtlich gemeint. Es geht um Kuchen. Dabei ist es nicht etwa ein Rezept wie das der königlich-kaiserlichen Sachertorte, sondern echte, richtige Tortenstücke. Zum Verkauf stellt sie der frühere Chauffeur der Queen, der die Backwaren jahrelang aufbewahrt hat. Genau genommen sogar seit Jahrzehnten. Das älteste Auktionsgut ist nämlich von der Hochzeitstorte der Prinzessin Anne von 1973. Außerdem gibt es ein Stück von Charles' und Dianas Hochzeitstorte und – noch ziemlich frisch – ein Stück der Torte von Prinz William und Catherine, die sich 2011 das Ja-Wort gegeben haben. Aber ganz egal, ob 42 oder „erst“ vier Jahre alt, wirklich appetitlich sehen die zu Quadern geschnittenen, in fettgetränktes Pergamentpapier eingeschlagenen Backwerke nicht aus. Da helfen auch die Ornamente und die hübschen Schachteln mit Monogramm nicht. Immerhin sorgen sich die Verkäufer nicht nur um den eigenen Profit, sondern auch um die Gesundheit der Käufer, wurde doch in der Beschreibung extra vermerkt, dass die Kuchenstücke nicht mehr zum Verzehr geeignet sind.

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Freitag, 24. April 2015 von Jasmin Alber

Von Blinkern und Rindvieh

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker und Deutsch die wahrscheinlich schönste und vielseitigste Sprache der Welt. Kleinod, Labsal und blümerant, Fingerspitzengefühl, Fernweh, Fremdschämen oder die Schnapsidee – manchmal lassen sich die Wortschöpfungen nicht einmal übersetzen. Mehrere Initiativen kämpfen, meiner Meinung nach nicht ohne Grund, dafür, aussterbende Wörter zu retten. Bei einigen Kreationen oder eher Auswüchsen des Deutschen würden sich Goethe, Fontane und Schiller aber im Grabe umdrehen. Denn wer gibt im echten Leben eine Kostenzusageübernahmeerklärung ab? Viel verständlicher und eindeutiger ist doch: „Ich bezahle das.“ Als Autofahrer setzt man den Blinker und betätigt im normalen Sprachgebrauch nicht den Fahrtrichtungsanzeiger. Statt in die Lebensberechtigungsbescheinigung werden Familienangehörige doch besser in ein Stammbuch eingetragen und zu unerwünschten Pflanzen im Garten passt doch das Wort Unkraut sowieso viel besser als „ausufernde Spontanvegetation“. Abgesehen vom unschönen Klang gibt es noch regelrechte Wortungetüme mit bis zu 67 Buchstaben (so zum Beispiel die Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung, die allerdings – vielleicht wegen des ellenlangen Begriffs? – überhaupt nicht mehr in Kraft ist). Thaddäus Troll hat bereits Rotkäppchen in Amtsdeutsch umgeschrieben – hier ist Lachen garantiert. Für Heiterkeit sorgte auch das Fundstück, auf das ich bei der Recherche für ein Landwirtschaftsthema gestoßen bin: die raufutterverzehrende Großvieheinheit, die eigentlich nichts anderes bedeutet als 500 Kilogramm Kuh.

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