Freitag, 13. Mai 2016 von Jasmin Alber

Flusen statt Reinheit

Deutschland ist eine Biernation. Jeder Bundesbürger konsumiert jährlich im Schnitt 107,4 Liter des Hopfen- und Malzgebräus. Für beste Qualität sorgt hierzulande das strenge Reinheitsgebot, das es immerhin schon seit 500 Jahren gibt. In Australien hingegen nimmt man es da nicht so genau. Eine kleine Privatbrauerei hat dort nämlich ein Bier mit einem ganz besonderen Inhaltsstoff gebraut: Bauchnabelflusen. Kein Scherz! Genauer gesagt wurde das Craft-Beer mit der Hefe gebraut, die aus den Ablagerungen in den Bauchnabeln der Brauer erzeugt worden ist. Die Hersteller wollen eigenen Angaben zufolge auf diese Weise dem Hopfenerzeugnis eine ganz persönliche Note gebe – im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann ja die Pingeligkeit der Deutschen bei der Herstellung des traditionsreichen Getränks belächeln, Bierliebhaber sein oder nicht, aber dieser ganz spezielle Zusatz erzeugt meiner Meinung nach keinen Kauf-, sondern eher einen Würgereflex. Was allerdings auffällt: Bier und Bauchnabel scheinen weltweit eine ganz eigene Verbindung zu haben. In einem Werbespot erinnerte sich schließlich schon vor etlichen Jahren eine Dame mit französischem Akzent an schöne Momente der Zweisamkeit und an das „Bier, das so schön 'at geprickelt in mein' Bauchnabeeel“.

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Freitag, 12. Februar 2016 von Jasmin Alber

Amerikas neues Topmodel

Castingshows liegen im Trend, und das nicht erst seit heute. Öffentlichkeitswirksam wurde in den vergangenen Jahren mehr als einmal nach Sängern und ganzen Bands, Tänzern und Artisten jeglicher Art, Kabarettisten, Topmodels oder einfach nach dem Teilnehmer mit dem abgefahrensten Talent gesucht. Viele haben sich vor laufenden Kameras lächerlich gemacht, vergleichsweise wenige hatten tatsächlich Erfolg und haben den Sprung in das angestrebte Leben als Star geschafft. Nun aber haben die Amis, quasi die Erfinder der medialen Talentsuche und Schönheitswettbewerbe, ein neues Gesicht gesucht. Für das neue Erscheinungsbild einer dort sehr bekannten Müslimarke sollte das Comicmaskottchen durch ein echtes Häschen ersetzt werden. Dem Aufruf zur Suche nach „America's next Topbunny“ kamen sage und schreibe 7500 Haseneltern, wie das Unternehmen die Einsender betitelte, nach. In diesem großen Teilnehmerfeld hat sich der – zugegebenermaßen sehr niedliche – Cinnabun durchgesetzt. Über die besonderen Talente oder Merkmale, warum sich das weiße Zwergwidder-Häschen letztendlich gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat, hüllt sich der Hersteller in Schweigen. Die Besitzerin indes äußerte sich in Interviews euphorisch, dass der ganze Wettbewerb, der mehrere Wochen gedauert hatte, „wahnsinnig spannend und irgendwie total verrückt“ gewesen sei. Offen bleibt, worüber sich der strahlende Sieger Cinnabun mehr freut: die neuerlangte Bekanntheit oder die vom Frauchen versprochene Extraration Hasenleckerlis.

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Dienstag, 22. Dezember 2015 von Jasmin Alber

Paranormale Panne

Der Dezember ist auch immer die Zeit für Rückblicke. Die besten Filme, die größten Musikhits, die außergewöhnlichsten Rekorde werden medienwirksam aufbereitet und verbreitet. Doch es gibt auch einen Rückblick, der eher ein Schattendasein fristet: Gerichtsurteile. Und das Beste kam hier meiner Meinung nach zum Schluss. Dieser Tage befasste sich das Oberlandesgericht München mit einem besonders kuriosen Fall, den sich die Macher nachmittäglicher Pseudo-Dokusoaps nicht besser hätten ausdenken können. Dort wurde nämlich ein Herr zur Rückzahlung eines Betrags in Höhe von mehr als 100 000 Euro an ein befreundetes Ehepaar verurteilt. An sich nichts Spektakuläres, die Vorgeschichte ist jedoch mehr als kurios. Denn es handelt sich dabei nicht um Steuerhinterziehung, Unterschlagung oder eine gängige Betrugsmasche. Fünf Jahre lang hatten die Kläger einen großen Teil ihres Einkommens an den selbsterklärten spirituellen Meister abgetreten. Doch nicht etwa für eine Ausbildung oder ähnliches, sondern – kein Witz – zur realen Übermittlung an verstorbene Unsterbliche. Das Geld sollten diese dann „zum Wohle der Menschheit“ verwenden. Obwohl die Kammer die Kläger offenbar für zu leichtgläubig hält, so liest sich jedenfalls die Urteilsbegründung zwischen den Zeilen, muss der spirituelle Meister Schadenersatz leisten: Der Berater habe nicht schlüssig darlegen können, inwiefern der soziale Zweck erreicht wurde. Dabei lagen bei der Aufdeckung des Betrugs keineswegs paranormale Aktivitäten zu Grunde. „Schuld“ daran, dass alles ans Licht kam, war eine rachsüchtige Ex-Partnerin, die die Betroffenen über die Machenschaften des Mannes informierte. Ganz weltlich also . . .

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Samstag, 5. Dezember 2015 von Jasmin Alber

Weihnachten zum Mitnehmen

Ein Koffeinkick für unterwegs? Auf dem Nachhauseweg noch etwas Leckeres vom Lieblingsitaliener holen? Oder im Sommer ein leichtes Gericht für die Mittagspause im Freien? Essen und Trinken zum Mitnehmen – welch' praktische Erfindung. Wie bei jedem Trend gibt es ab einem gewissen Punkt keine Luft mehr nach oben, die Nachfrage scheint gedeckt zu sein. Sollte man meinen, denn das to-go-Phänomen treibt mitunter kuriose Blüten. Findigen Geschäftsleuten kommt die Adventszeit dabei gerade recht. Zu den üblichen Verdächtigen – zugegeben, mit teils fragwürdigen Kreationen wie Lebkuchen-Chai-Latte mit Kürbisnote, die zu horrenden Preisen und natürlich im Pappbecher unters Volk gebracht werden – gesellt sich gleich noch ein passendes Gericht; natürlich ebenfalls zum Mitnehmen. Das Festmenü mit Ente, Blaukraut und Knödeln gibt es im Vorbeigehen. Getoppt wird das Weihnachtsgeschäft in diesem Bereich allerdings von einem Drive in-Glühweinschalter nach dem Prinzip der großen Fast-Food-Ketten. Und ich dachte immer, die besinnliche Vorweihnachtszeit sollte dazu genutzt werden, einen Gang herunter zu schalten und zu entschleunigen. Und dazu gehört für mich, dass Glühwein und Punsch in Gesellschaft und idealerweise auf dem Weihnachtsmarkt getrunken und auch wirklich genossen werden; nicht mal eben nebenbei im ohnehin schon meist hektischen Alltag.

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Mittwoch, 18. November 2015 von Jasmin Alber

Besohlter Korkenzieher

Sie schimpfen sich „Life Hacks“ und zeigen Tricks und Kniffe, um das Leben zu erleichtern oder kleine Alltagsprobleme mit einfachen Mitteln zu lösen. Ob als Video oder bebilderte Schritt-für-Schritt-Erklärungen, finden sich diese Tipps online zuhauf. Wer braucht denn so was?, lautete meine Einstellung zu diesem Internettrend, dessen Auswüchse bisweilen an MacGyver'sche Lebensrettungsaktionen unter Zuhilfenahme einer Büroklammer erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man – ohne in Besitz eines Korkenziehers zu sein – eine Weinflasche öffnen möchte. Samstagabends, nach Ladenschluss und bestenfalls ohne die Wohnung verlassen zu müssen. Die große Onlinesuchmaschine spuckte gleich mehrere Varianten aus, wie dem Korkenproblem begegnet werden kann. Der erlösende Tipp kam schließlich – woher auch sonst – aus dem Heimatland des Weines: Frankreich. Der Trick, der in einem Internetfilmchen anschaulich erläutert wird, erschien auf den ersten Blick fast schon zu simpel. Man nehme einen Damenschuh mit Absatz, positioniere den Boden der Weinflasche darin an dem Punkt, der für die Ferse vorgesehen ist, und klopfe den Schuh, selbstverständlich Sohle voraus, mehrmals ordentlich gegen die Wand. Das Erstaunliche: Es funktioniert. Ohne Sauerei, ohne Splitter und in nur wenigen Sekunden. Der Korken schlüpft ganz einfach Millimeter für Millimeter aus dem Flaschenhals. Und nach dieser spektakulären Öffnungszeremonie mundete der tiefrote Spanier gleich noch ein bisschen besser.

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