Donnerstag, 1. Juli 2010 von Helen Weible

Von Geografie und Märchen

Die Natur zu Fuß erkunden ist etwas Schönes. Gerade jetzt während der lauen Abendstunden unternehme ich kleine Ausflüge. Am liebsten zu Aussichtspunkten mit Blick auf die umliegenden Türme, Gipfel und Plateaus. Im Idealfall begleitet mich jemand, der mir zu dem umliegenden Bergpanorama etwas erzählen kann. Leider habe ich ein Problem, wenn es darum geht, mir Namen von Bergen und Gipfeln zu merken. Aufschreiben nützt da nichts. Ich sollte den Berg ja ohne Karte von jedem Aussichtspunkt aus erkennen und bestimmen können. Mein Vater, ein Bergliebhaber, hat mir bei allen Ausflügen ein paar Namen mitgegeben. Und am besten sind mir die Namen im Gedächtnis hängen geblieben, wenn er eine Geschichte dazu erzählt hat. Zum Mädchenfelsen bei Reutlingen gibt es beispielsweise eine Sage. Die überlieferte Erzählung handelt von einer versagten Liebe. Schön romantisch! Im Tailfinger Heimatbuch hat Dr. Hermann Bizer auch Sagen zu hiesigen Orten notiert. Weniger romantische, aber dafür umso kurioser in ihrer Art. Eine besagt, dass einst eine lederne Brücke vom Braunhartsberg bis zum Schlossfelsen gespannt war. So konnten sich die befreundeten Ritter auf der jeweils anderen Burg des Tailfinger Tales auf schnellstem Wege besuchen. Da die Brücke aber ein Werk des Teufels war, riss sie eines Tages und die Männer stürzten hinab ins Tal.

Auch wenn die Geschichte keinen Funken an Wahrheit besitzt (auf einer Seite gab es nie eine Burg) – der Braunhartsberg und der Schlossfelsen sind mir nun ein Begriff.

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Samstag, 19. Juni 2010 von Helen Weible

WM geht durch den Magen

Die Begeisterung für die Weltmeisterschaft ist überall zu spüren. Schwarz-Rot-Gold wohin man schaut – das Geschäft mit den Fähnchen, Trikots und Tröten boomt. Deutschland ist im Fußballfieber. Auch die Lebensmittelindustrie reagiert auf dieses ausgeprägte Interesse an der WM in Afrika. Sie gibt sich redlich Mühe, um die WM-Hungrigen satt zu kriegen. Die Werbeprospekte sind voll mit Angeboten, die alle irgendwie mit dem Fußballereignis in 9000 Kilometer Entfernung zu tun haben. Wir lernen jetzt Spezialitäten aus Afrika kennen. Joghurt mit exotischen afrikanischen Früchten, Eistorte mit Amarulageschmack, Wein und Erfrischungsgetränke aus besagtem Land. Auch der Grillabend kann ganz an die WM angepasst werden. Echte Fans können sich mit „Stulpenspießen“, „Eckfahnen“ und „Fankurven“ eindecken – kreative Namen für ganz normale Grillleckereien aus Schweinefleisch. Lyoner gibt's zuweilen auch als schwarz-weiß gefleckte runde Fußballkugel. Oliven und Senf finden sich in Fußballgläsern wieder. Wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist und das Glas gespült, steht ein WM-Erinnerungsstück im Schrank. Dass man sogar aus einem Fußballschuh nippen kann, selbst das ist jetzt möglich. Dazu hat ein Getränkehersteller einen Fußballschuh aus Glas gegossen und mit güldenen Scotch-Whiskey befüllt ... Prost auf die Weltmeisterschaft! Der Konjunktur schadet sie jedenfalls nicht.

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Mittwoch, 2. Juni 2010 von Helen Weible

Dämpfer für die Hochgefühle

Mit Lena Meyer-Landruts überraschenden Sieg beim Eurovision Songcontest ist Geschichte geschrieben worden. Die 19-Jährige konnte ihren Sieg selbst kaum fassen. Nach fast dreißig Jahren holte sie endlich die Trophäe der „Europameisterschaft im Singen“ nach Deutschland. Nicht nur für die Fans wurde ein Märchen Wirklichkeit – dank Deutschlands Schneewittchen, unserer Lena.

Und so unerwartet wie ihr Sieg, traf uns die Nachricht zum Rücktritt unseres Bundespräsidenten. Horst Köhler, Deutschlands Staatsoberhaupt, tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Eine traurige Nachricht. Sondersendungen wurden geschaltet. Die Nation diskutierte. Auf der einen Seite Lenas grandioser Sieg. In den Kneipen und auf den Straßen fanden Partys statt als wäre es ein Vorgriff auf die Fußballweltmeisterschaft. Lena als Symbol der Hoffnung in Krisenzeiten. Und kaum war ein Tag vergangen: die Nachricht von einem Abschied, einem Amtsverzicht. Erschütterung machte sich breit, da mit Horst Köhler einer ging, der bei vielen Menschen beliebt war. Horst Köhler verkörperte das Symbol der Bürgernähe, der Freundlichkeit. Hoffnung und Beständigkeit adieu. Heutzutage scheint kein Glück von langer Dauer.

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Freitag, 28. Mai 2010 von Helen Weible

Deutschlands Schneewittchen

Jetzt wird es dann ernst für unsere süße Lena Meyer-Landrut. Der Eurovision Songcontest steht vor der Tür. Am 29. Mai ist es soweit. Seit meinem letzten Tagebuch zu Lena sind schon einige Wochen vergangen. Und es hat sich Einiges getan. Meine Befürchtungen von damals haben sich Gott sei Dank dank nicht bestätigt. Lena hat sich bisher von den Medien in keiner Weise verpuffen lassen. Sie hat sich durchgeschlagen durch den Medienrummel, sie macht weiter ihr Ding.

Ihre Sprüche sind noch so frech und gerade heraus wie am Anfang. Widerstandsfähig hat sie sich gegen schlimmste Klatschpresse behauptet und sich auf der großen Medienbühne etabliert. Lässig tritt sie in allen möglichen Fernsehshows auf, im Internet wächst ihre Fangemeinde und je näher der Songcontest rückt, desto aufgeregter werden die Fans - sie bleibt natürlich ganz cool. Ihr Album „My Cassette Player“ verkauft sich für das Downloadzeitalter hervorragend. Diese Erfolge seien ihr gegönnt. Oft hat Papa Raab seinen Sprössling zu sich in die Show geholt. Sie hat ihre neuen Songs performt. Ja, die meisten passen sogar ganz gut zu ihr. In der jüngsten Show haben sie zusammen improvisiert. Selbst den Papa Raab überrascht sie immer mal wieder. Sie behauptet ja von sich, sie besäße kein Talent. Showpotenzial besitzt sie aber zu genüge. Kommt es darauf nicht im Songcontest an?

Der Countdown läuft. Das TV Total Studio ist schon nach Oslo umgezogen und sendet nun live vom Austragungsort. Wenn es dann soweit ist, drücken wir Lena ganz fest die Daumen. Doch egal, wie sie letztendlich beim Contest abschneiden wird. Mit ihrem Charme hat sie es national schon sehr weit gebracht.

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Freitag, 21. Mai 2010 von Helen Weible

Wann wird's mal wieder...

...richtig Sommer? Ja, danach sehnen wir uns alle. Und was wir alle zurzeit vermissen, das ist ein richtig schöner, sonniger Vorgeschmack darauf: Frühling. Ihn übergeht das Wetter zurzeit vollständig. Das blaue Band hat natürlich seine Spuren hinterlassen. Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass es blüht. Rosige und weiße Baumkronen zieren die Straßenränder, Pfingsttulpen schmücken die Gärten, saftiges Grün sprießt auf den Wiesen...das ja. Doch was gar nicht dazu passt, ist die Kälte. Es herrschen kalte Lüfte, ganz und gar nicht süße, wohlbekannte Düfte! Der Mai ist alles andere als ein Frühlingsbote, dieser Mai, den wir bisher erlebten, brachte die Eisheiligen zurück. Wir frieren, kramen missmutig die Wintersachen heraus, sogar Schal und Handschuhe kommen bei mir wieder zum Einsatz. Wir wachen morgens auf und sehen hoffend aus dem Fenster - Enttäuschung. Wieder alles grau in grau, das klassische Novembergrau inklusive Nebel. Und in uns kehrt die Melancholie der Herbsttage zurück. Auf Jahreszeiten ist kein Verlass mehr. Wir müssen uns bei solch einem Wetter selbst Frühlingsgefühle verschaffen. Oder besser gleich das Sommerfeeling? Etwa so: Heizung voll aufdrehen, T-Shirt und Hawaiishorts an und „Sun is shining“ von Bob Marley anhören.

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