Mittwoch, 13. Oktober 2010 von Helen Weible

Das Geheimnis der Kastanien

Herbstzeit ist Kastanienzeit. Sowohl draußen im Park, als auch drinnen im Kochtopf finden sich die braunen Samenfrüchte. Außer ihrer ähnlichen Erscheinung haben Rosskastanien aber mit den essbaren Kastanien, die geröstet so herrlich duften, gar nichts zu tun. Woher rührt jedoch die Namensgebung?

Die gewöhnliche Rosskastanie, wie wir sie in Deutschland häufig vorfinden, zählt zu den sogenannten Seifenbaumgewächsen. Mit diesem Begriff fängt der Laie hierzulande wenig an. Seifenbaumgewächse sind aber auf der ganzen Welt verbreitet. Den Namen „Kastanie“ erhielten die „rossigen“ Kastanien und die Edelkastanien nur, weil sie sich äußerlich ähneln. Die Osmanen hatten die Rosskastanien als Pferdefutter und Heilmittel gegen Pferdehusten nach Europa gebracht.

Ohne es zu wissen, ist uns Nichtbiologen die Familie der Edelkastanie schon eher geläufig. So gehört die Edelkastanie nämlich zu der Familie der Buchengewächse und steht der Rotbuche sehr nahe. An deren Früchten, den Bucheckern, kann sich der Spaziergänger im Herbst gleichermaßen erfreuen. Als Kind habe ich die Samen gerne aufgelesen und mir schmecken lassen. In diesem Sinne runde ich diesen kleinen Exkurs zum Thema Kastanie mit einer nussig-feinen Note ab.

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Mittwoch, 29. September 2010 von Helen Weible

La Dolce Vita in den Straßen

Italien liebe ich für seine Kultur, die Landschaft und seine Hauptstadt. Bella Roma ist immer einen Besuch wert. Auf einen Spaziergang durch das Forum Romanum, auf uralten Straßen des römischen Reichs, bin ich jüngst umhergetappt, habe Bilder von Tempelsäulen und Pinienbäumen gemacht. Selbst im September brennt die Sonne noch heiß vom Himmel. Kulinarisch ist Italien sowieso unschlagbar. Pasta und Pizza, Gemüse und Fleischspezialitäten schmecken dank echten Olivenöls hier einfach am besten. Das Eis ist das Köstlichste der Welt. Darin sind die Italiener wahre Meister.

Eines ist mir während meines Urlaubes außerdem aufgefallen. Italiener sind hervorragende Einparker. Enge Sträßchen und wenig Platz zwingen den südländischen Autofahrer täglich zur Millimeterarbeit. Picobello parken die Cinquecentos und zuweilen auch häufig verbreitete andere Automodelle hintereinander an der Bordsteinkante. Nur so passen auch große, deutsch geführte Geländewagen durch eine enge Via di Oliva. Im Straßenverkehr muss sich der auswärtige Autofahrer jedoch an den temperamentvollen Fahrstil gewöhnen. Sonst heißt es bangen ums teure Heilige Blechle. So eitel sind die Italiener nicht: Sie zeigen gerne ihre Beulen und Macken auf dem Schutzblech. Bei ihren Fahrkünsten frage ich mich, woher diese überhaupt stammen!

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Dienstag, 7. September 2010 von Helen Weible

Oh du schöne Urlaubszeit!

Alle brauchen ihn, sehnen ihn herbei, und wenn er endlich einmal angefangen hat, dann ist er ebenso schnell wieder vorbei: der Urlaub. Diese freie Zeit im Jahr ist ein gutes Beispiel dafür, wie relativ die Zeit doch ist. Reines Empfinden. Egal, wie ich meinen Urlaub verbringe. Ob ich am Strand liege, die Sonne auf mich niederbrutzeln lasse, vielleicht ein paar Runden Schwimmen gehe und im Grunde nicht mehr mache, als die Phase zwischen spätem Frühstück und frühem Abendessen zu überbrücken. . . Oder ob ich einen Aktivurlaub unternehme und bereits morgens um fünf Uhr aus den Federn hüpfe, um rechtzeitig für die große Wandertour in den Dolomiten auf den Beinen zu sein und abends wegen der Höhenluft nicht schlafen kann und noch lang wach bleibe. . .In jedem Fall vergehen die Stunden, Tage und Wochen während der Urlaubszeit wie im Flug.

Es sollte eine Art Zeitmanager speziell für den Urlaub geben. Der verlangsamt den Lebensrhythmus, macht aus einem Tag zwei Tage. Eine Wiederholungstaste gibt es, um einen besonders schönen Tag gleich zweimal zu erleben. Natürlich verläuft dieses Zeiterlebnis ganz unabhängig von dem der Daheimgebliebenen. Und der Urlauber genießt seine einzig für ihn reservierte Zeit.

Aber genug geträumt. Vielleicht hat der Rhythmus der Zeit seinen Sinn. Wenn es einmal kühle, regnerische Tage im Urlaub gibt, muss jeder zwangsläufig das Beste daraus machen.

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Dienstag, 17. August 2010 von Helen Weible

Bettler im grauen Anzug

In der Mittagspause mache ich mir es auf einem der roten Textilbeton-Ufos gemütlich, mümmle mein Pausenvesper aus der Tüte und beobachte, was um mich herum passiert. Der Springbrunnen sorgt für eine angenehme Geräuschkulisse, ein paar kleine Piraten fordern die Wasserfontänen zum Kampf heraus – verlieren diesen meistens und ziehen nass von dannen. Neben mir werfen zwei Mädels mit Brezel-Krümeln. Rings herum bekommen wir immer mehr tierische Gesellschaft. Tauben haschen nach den Stückchen, zanken um die zu großen Bissen. Mir scheint, als ob die Spezies „Columba“ zu einer der frechsten, gierigsten im Tierreich zählt. Vermutlich hat die Zivilisation und die Stadt sie so geformt. Ihre Bettelei nimmt wenigstens kurz ein Ende, wenn sie sich erschrecken. Die Gurrer reagieren auf jede schnelle Bewegung. Kaum wendet sich die Futterquelle Mensch wieder ab, nähern sich die grau gefiederten Vögel, stets in der Hoffnung auf eine nahrhafte Gabe. Ihre typische Gangart mit dem nach vorne wippenden Kopf wirkt seltsam. Ich spiele für einen Moment mit dem Gedanken, auch einen Brotkrümel zu werfen. Doch dann überlege ich es mir anders. Verhungern müssen die Tiere beileibe nicht! Als ich klein war, hatte ich genauso viel Freude am Taubenfüttern wie die Mädels neben mir. Doch meine Mutter ermahnte mich damals, ich solle es lassen, das habe die Stadt verboten. Verbot hin oder her. Einer armen Kirchenmaus würde ich eher noch etwas abgeben – allein aus Gründen der Niedlichkeit.

 

 

 

 

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Samstag, 10. Juli 2010 von Helen Weible

Die Kunst der Überwindung

Während meines jüngsten Aufenthalts am Bodensee suchte ich einmal mehr die Nähe zum Wasser. Das Tollste ist doch, sich kopfüber in die kühlenden Fluten zu stürzen. Besonders willkommen an heißen Tagen wie diesen. Und so machte ich mich mit Freunden auf ans Konstanzer Rheinufer. Eine Fahrradbrücke parallel zur Rheinbrücke fordert viele Wasserratten zu Sprüngen aus fünf bis acht Metern heraus. Viele klettern über auf das Geländer und bekommen erst einmal weiche Knie. Denn das leichte Schwindelgefühl, das einen überkommt, ist etwas ganz Natürliches. Das Auge kann die Entfernung bis zum Wasseroberfläche nicht mehr richtig abschätzen. Plötzlich tut sich ein Abgrund auf. Außerdem gerät das Gleichgewicht durch instabiles Stehen auf dem Geländer ins Wanken. Der erste Sprung kostet Überwindung.

Ich persönlich habe zwar keine Probleme mit der Höhe, kann aber die Angst, unten falsch anzukommen, sehr gut nachvollziehen. Gerne hätte ich mich mit dem Kopf voraus von der Brücke gestürzt und dafür lauter staunende Blicke von Touristen und Badenden am Ufer geerntet. Doch eine Stimme sagte mir: Überschätze dich nicht und versuch erst einmal deinen Startsprung vom Ein- und Dreimeterbrett zu optimieren. Und so warf ich mich schreiend und Arme rudernd in die Tiefe und klatschte klassisch mit den Fußsohlen voraus in das erfrischende Nass. Hoffentlich hält das Badewetter noch eine Weile an – dann bekommt vielleicht ein filmender Tourist einen tollkühnen Kopfsprung von mir vor seine Linse.

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