Samstag, 14. Mai 2016 von Klaus Irion

Boris Palmer weiß, wie's geht

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Zollernälbler zu Ministerehren kommt. Mit der neuen baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut aus Balingen ist dieses seltene Ereignis wieder einmal Realität geworden. Für den ZAK Anlass genug, vergangenen Donnerstag zwei Berichterstatter zur Vereidigung in den Stuttgarter Landtag zu entsenden. Und was sie als Erstes sahen, ließ sie nicht schlecht staunen. Die Ministerin ins Gespräch vertieft mit dem Oberbürgermeister. Nein, nicht mit Helmut Reitemann aus Balingen, auch nicht mit dem Albstädter Klaus Konzelmann. Boris Palmer war's, das umtriebige Stadtoberhaupt von Tübingen. Immerhin, Landrat Günther-Martin Pauli, der bis vor wenigen Tagen noch selbst diesem Parlament angehört hatte, hielt die Fahnen der Zollernalb hoch und nutzte sofort die Gelegenheit zum politischen Smalltalk. Auch Joachim Walter, der Tübinger Landrat und Präsident des baden-württembergischen Landkreistages, der bis zum heutigen Tag mit seiner Familie in Balingen lebt, war vor Ort. Ansonsten aber glänzten die kommunalpolitisch Verantwortlichen des Wahlkreises Balingen, allen voran die (Ober-)Bürgermeister mit Abwesenheit. Auch die heimischen CDU-Granden ließen sich – abgesehen von Landrat Pauli – nicht blicken. Eine Chance vertan, die Zollernalb auf großer Landesbühne ins Rampenlicht zu stellen. Boris Palmer hat's für Tübingen vorgemacht.

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Freitag, 29. April 2016 von Klaus Irion

Zurück zur Reißfestigkeit

Ich bekenne, mein Umgang mit Kunststoffverpackungen entspricht häufig nicht der ökologisch gebotenen Zurückhaltung. Zu viele Produkte in zu vielen – häufig sinnlosen – Verpackungen. Mehr Verzicht, weniger Bequemlichkeit beim Einkauf wäre angesagt. Zumal ich doch ganz genau weiß, dass auch der Inhalt der gelben Säcke zu einem großen Teil dort landet, wo auch der Restmüll endet. Apropos gelbe Säcke: Sollte es noch ein weiteres Argument geben, auf Verpackungen so gut wie es eben geht zu verzichten, dann sind sie es. Es gab einmal eine Zeit, da konnte man ziehen und zerren, die Säcke hielten dicht. Klar, scharfkantigen Konservendeckeln waren auch die gelben Säcke der ersten Generation nicht gewachsen. Heute aber genügt schon der eigentlich stumpfe Rand eines Joghurtbechers, um dem gelben Mantel den Garaus zu machen. Die Lösung: Einfach einen zweiten gelben Sack drüberstülpen. Aber das kann es ja nicht wirklich sein. Mein Appell an die gelbe Säcke produzierende Industrie: Zurück zu den Wurzeln, zurück zur reißfestem Material. Ich werde mich derweil an die eigene Nase fassen und mich beim Einkauf künftig auch mehr um das Zuviel am Drumherum kümmern.

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Freitag, 15. April 2016 von Klaus Irion

Wahlkreis ohne Abgeordneten?

Der Bundestagswahlkreis Balingen-Sigmaringen ist von je her eine CDU-Hochburg. Bei der Wahl im Jahr 2013 kam Thomas Bareiß auf satte 60 Prozent und holte sich damit unangefochten das Direktmandat. Auch wenn ihn die offizielle Bundestags-Homepage fälschlicherweise als Kandidat führt, der über die CDU-Landesliste in den Bundestag gekommen sein soll. Die hohe Zustimmung für die Christdemokraten auf der Zollernalb führt auch regelmäßig dazu, dass die hiesigen Kandidaten der übrigen Parteien häufig aussichtslose Plätze auf deren Landeslisten einnehmen. Und ihnen der Einzug ins Parlament damit quasi von vorne herein verbaut ist. Folgerichtig ist Bareiß derzeit der einzige Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis 295. Anders sieht es für die Zollernäbler in den Hohenzollerischen Landen aus. Sie gehören – mit Ausnahme von Haigerloch – zum Wahlkreis Tübingen. Und da jener Wahlkreis politisch wesentlich bunter daherkommt, sitzen im Moment vier „Tübinger“ Abgeordnete in Berlin. Nun könnte sich dieses politische Ungleichgewicht eventuell noch verstärken. Denn sollte Thomas Bareiß tatsächlich in die künftige Landesregierung wechseln, wie seit Tagen spekuliert wird, würde ein anderer CDU-Politiker nachrücken. Aber nicht wie bei baden-württembergischen Landtagswahlen ein Zweitkandidat aus dem Zollernalbkreis, sondern derjenige, der auf der CDU-Landesliste unter den nicht gewählten Kandidaten am weitesten oben steht. Das hieße, dass der Wahlkreis Balingen-Sigmaringen bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2017 ohne eigenen Abgeordneten dastünde.

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Mittwoch, 6. April 2016 von Klaus Irion

Geiz an der Zapfsäule

Niedriger Rohölpreis, günstiger Sprit an den Tankstellen. Seit vielen Wochen ist dies nun schon so. Für Vielfahrer ein freudiger Dauerzustand. Ich gehöre zwar nicht zu Letzteren, ertappe mich aber gleichwohl immer häufiger dabei, darauf zu schielen, ob der Preis für den Liter Diesel gerade über oder unter einem Euro liegt. Liegt er darüber, bin ich fast schon enttäuscht und lasse die Tankstelle trotz mahnender Worte meines „Bordcomputers“ häufig links liegen. Lieber ein völlig leerer Dieseltank, mit all seinen möglichen Folgen, als fünf Cent mehr berappen? Völlig irrational, weswegen ich mich, kaum dass die Tankstelle passiert wurde, über mich selbst ärgere. Ist Geiz etwa doch geil? Apropos Irrationalität und Tankstelle. Für die Tankenden, aber auch die Tankstellenpächter- und deren Mitarbeiter ist längst nicht mehr immer verständlich, warum der Preis wann steigt und fällt. Jüngst ließ mir der Tank tatsächlich keine andere Wahl mehr, als ihn aufzufüllen. Allerdings zwei Stunden zu spät. Denn in diesem Zeitraum war der Spritpreis um sage und schreibe 20 Cent gestiegen. Selbst der Mitarbeiter hinter der Kasse schüttelte auf den rapiden Preisanstieg angesprochen nur noch den Kopf. „Drei Erhöhungen in zwei Stunden, warum weiß ich auch nicht“, ließ er mich wissen. Beide blieben wir etwas ratlos zurück.

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Mittwoch, 16. März 2016 von Klaus Irion

Stimmen und Stimmungen

Den baden-württembergischen Wählern das hiesige Landtagswahlsystem zu erklären, ist eines der letzten Abenteuer dieser Erde. Das größte Unverständnis, so meine persönliche Erfahrung, ruft dabei die Tatsache hervor, dass die Wähler keine zwei Stimmen haben, ein Splitting zwischen Partei und Wahlkreiskandidat – wie bei der Bundestagswahl der Fall – also ausgeschlossen ist. Jahrelang hat vor allem die CDU im Land eine entsprechende Reform verhindert. Aus ihrer Sicht nachzuvollziehen, schließlich profitierte sie ja selbst am meisten hiervon. Grün-Rot hatte sich das Zwei-Stimmen-Wahlrecht bereits für die nun auslaufende Wahlperiode auf die Fahnen geschrieben. Geschehen ist bislang aber nichts. Im Nachhinein wird der eine oder andere neue Grünen-Abgeordnete tief durchgeatmet haben. Der Kretschmann-Bonus sorgte für viele Grünen-Direktmandate in Wahlkreisen, die eigentlich immer noch und vermutlich auch weiterhin mehrheitlich bürgerlich-konservativ geprägt sind. Soll heißen, auf vielen Wahlzetteln wäre sicherlich Grün-Schwarz bereits vorweggenommen worden, wenn das Zwei-Stimmen-System Anwendung gefunden hätte. Sogar der schwarze Zollernalbkreis wackelte, die kleineren Kommunen aber retteten die CDU-Mandate gerade noch so. Sollte es tatsächlich zu einer grün-schwarzen Koalition kommen, wäre wieder fünf Jahre Zeit, das Wahlsystem zu reformieren. Wer weiß: Vielleicht kommt nun ein Vorstoß der CDU.

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