Dienstag, 13. September 2016 von Klaus Irion

Schlechtes Gewissen?

Für städtische Bauhofmitarbeiter sind Montage häufig undankbar. Gilt es doch nicht selten, auf öffentlichen Grillplätzen die Spuren der Verwüstung zu entfernen, die wochenends hemmungslos grillende, saufende und grölende Trupps hinterlassen haben. Da bildet der kleine Grillplatz in Balingen-Heselwangen leider keine Ausnahme, auch wenn die Verantwortlichen im Rathaus jüngst die vor nicht allzu zu langer Zeit beschlossene Grillplatzverordnung für Gesamt-Balingen als Erfolgsmodell präsentierten. Auch am vergangenen Wochenende wurde in Heselwangen wohl wieder grillend gefeiert. Und doch war gestern morgen etwas anders als nach solchen Festen. Die zugegebenermaßen große Müllmenge war tatsächlich zum Abfalleimer gebracht und dort aufgetürmt worden. Die beiden Grillstellen „zierten“ ebenfalls fein säuberlich aufgetürmte Altholzberge, über die sich die nächsten Grillplatzbesucher freuen werden. Hatte da womöglich jemand aufgeräumt, weil ihn insgeheim doch ein schlechtes Gewissen plagte? Schließlich wartete neben dem überfüllten Mülleimer ein wahrscheinlich beim Feiern zu Bruch gegangener Klappstuhl gerade so auf seine hier nicht vorgesehene städtische Entsorgung wie ein umgeworfener, dreibeiniger Kohlegrill, den sein Besitzer neben der Grillstelle wohl „vergessen“ hatte.

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Donnerstag, 11. August 2016 von Klaus Irion

Biologischer Fluch

Ja, es stimmt, es war eine spezielle Biomülltüte, die auf dem Bild zum Artikel um den Biotonnenstreit in unserer Dienstagausgabe zu sehen war. Und ja, ich weiß um die Problematik, dass dieses Gemisch aus biologisch abbaubarem Polyester, Maisstärke, Zellulose und Polymilchsäure den Sortiermaschinen wohl Probleme bereitet, weil es zum Zeitpunkt der Müllverarbeitung noch nicht vollständig verrottet ist. Die Biomülltütenlobbyisten dagegen verweisen darauf, dass der Anteil des Biomülls seit Einführung der „hygienischen“ Tüten angestiegen sei. Sprich mehr Biomüll eben nicht mehr via siffsicheren Plastiktüten in den Restmüll gewandert ist. Nun kann man natürlich sagen, lasst doch der Biomülltüte einfach mehr Zeit, zu verrotten. Und wer hätte es gedacht, dafür gibt es natürlich bereits eine eigene EU-Norm. Darin ist eine Zersetzung von 90 Prozent der Tüte in Bestandteile, die kleiner als zwei Millimeter sind, gefordert – und das binnen zwölf Wochen. Vorschlag zur Güte: Vielleicht könnte man ja in den Sommermonaten die Biomüllabholungsintervalle von 14 Tage auf eine Woche reduzieren. Das würde den hitzebedingten Ekelfaktor in der Tonne und damit auch den Griff zur Biopapiertüte beziehungsweise zum den Biomüll ummantelnden Zeitungspapier allemal erleichtern.

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Freitag, 5. August 2016 von Klaus Irion

Die AfD geht offline

Wo steckt die AfD im Zollernalbkreis? Die Frage stellt sich manch ein politisch Interessierter dieser Tage. Schließlich repräsentiert sie doch 18,1 Prozent des hiesigen Wahlkreisvolks. Der Landtagsabgeordnete Stefan Herre scheint voll auf ausgelastet mit den internen Querelen, die kein Ende zu nehmen scheinen. Der letzte Eintrag auf seiner Facebookseite stammt vom 11. Mai – zumindest für alle die, die nicht mit ihm „befreundet“ sind.

Ein ähnliches Bild beim Facebookauftritt des Kreisverbands Zollernalb. Seit dem 8. Juli Funkstille. Immerhin, auf der Internetseite hat es der Kreisverband geschafft, nach sechswöchiger Abstinenz am 27. Juli eine Mitteilung zu veröffentlichen, auf der davor gewarnt wird, dass der AfD-Kreisverband Reutlingen derzeit mit angeblich gefälschten Internetseiten zu kämpfen habe. Chapeau!

Ähnliche Online-Trostlosigkeit herrscht bei Herres Rottweiler AfD-Abgeordnetenkollegen Emil Sänze. Nun aber sah sich Sänze bemüßigt doch wieder einmal ein Statement abzugeben, als Sprecher des Kreisverbands Rottweil/Tuttlingen. Denn dort sorgt ein Posting auf der Facebookseite des Kreisverbands derzeit für große Bestürzung: Darin heißt es unter anderem: „Frontex sofort beenden. Je mehr Migranten ersaufen, desto eher begreifen selbst afrikanische Ziegenhirten, dass es sich nicht lohnt, nach Europa aufzubrechen. Sollen sie ihren ,Staat' säubern, bis auch sie ein ,normales Leben' führen können.“

Anzeigen wegen Volksverhetzung wurden auf der Facebookseite der AfD Rottweil/Tuttlingen angekündigt. Sänze wie auch sein Tuttlinger AfD-Partei-, aber nicht mehr AfD-Fraktionskollege Jan-Peter Berg haben sich inzwischen von dem Posting distanziert, die Facebookseite wurde vom Netz genommen.

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Freitag, 22. Juli 2016 von Klaus Irion

Sirenengeheul am Automat

Das Geräusch hat etwas von amerikanischen Polizeisirenen – nur viel leiser. Das Geräusch, wenn beim Lebensmittler meines Vertrauens wieder einmal einer der drei Flaschenrückgabeautomaten vorübergehend seinen Geist aufgibt und nicht gleich ein Mitarbeiter zur Stelle ist, der den Apparat wieder in Schwung bringt. Besonders lustig – für die dort Arbeitenden sicherlich besonders nervig – wird es, wenn gleich zwei oder alle drei Maschinen einen Fehler zu signalisieren haben. Und deren haben die Programmierer der Maschinen viele vorgesehen. Ich rede jetzt nicht von den nachvollziehbaren Verfehlungen, wenn ich den Flaschenboden nicht zuerst in den Maschinenschlund schiebe oder die Maschine rücksichtslos mit mehreren Flaschen ganz kurz hintereinander traktiere. Nein, ich rede von den unergründlichen „Fehlern“, wenn ich eine Getränkekiste mit genau den leeren Getränkeflaschen einschiebe, die in eben diese Kiste gehören und der vermaledeite Apparat mich zum Dank per Displayanzeige anweist, ganz bestimmte Flaschen aus der Kiste zu entfernen. Gefordert, getan. Ich will die Maschine nicht unnötig verärgern. Nach der dritten Kistenannahmeverweigerung und erneuten Aufforderung weitere Flaschen aus der Kiste zu nehmen, ahne ich, dass nun gleich ein lustiger Mensch um die Ecke kommt und mir ein Verstehen-Sie-Spaß-Schild vor die Nase hält. Aber nichts dergleichen geschieht. Mit gerade einmal noch vier Flaschen bestückt akzeptiert die Maschine letztendlich meine Kiste. Derweil schreit die Maschine zwei Flaschenschlünde weiter immer noch amerikanisch um Hilfe.

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Mittwoch, 20. Juli 2016 von Klaus Irion

Donald Trumps Schreihälse

Wir leben in modernen Zeiten. Unser Alltag ist durchtechnologisiert. Da tun archaische Momente von Zeit zu Zeit doch ganz gut. Situationen, in denen einem das Handy nicht helfen kann, und sei es nur eines Funklochs wegen. Ein Hoch der Rückbesinnung auf die eigenen Fähigkeiten. Ein lauter Schrei anstelle eines Anrufs kann manchmal auch Wunder bewirken. Dabei muss der Schrei nicht immer mit großem Schrecken verbunden sein, wie uns Edvard Munchs gleichnamiges weltberühmtes Gemälde weis machen will. Schreie gibt es beim Sport oder auch als seelenbefreiendes Happening in der freien Natur. Nicht zu vergessen die derzeitige Präsidentschaftskandidatennominierungsveranstaltung der amerikanischen Republikaner in Cleveland/Ohio. Dass der grässliche Phrasendrescher Donald Trump auf der Zielgeraden nicht doch noch von den eigenen Parteimitgliedern ausgebremst wurde, hat er – kein Scherz – der Schreigewalt seiner Anhänger zu verdanken. Seine republikanischen Gegner überrumpelten die Nominierungsregisseure und erzwangen eine Abstimmung darüber, entgegen ihrem Auftrag aus dem jeweiligen Heimatbundesstaat doch gegen Trump stimmen zu dürfen. Wer nun glaubte, in unserem durchtechnologisierten Alltag würden das die Delegierten per Knopfdruck tun, der irrt. Nein, die Trumpfreunde entschieden das Votum für sich, weil sie „auf Knopfdruck“ lauter geschrien haben als Trumps Gegner. Ich wünsche mir solche Schreiabstimmungen auch im Bundestag und stelle mir gerade vor, wie die nach außen stets so souverän-besonnene Angela Merkel ihren Mund einmal ganz weit aufreißt.

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