Mittwoch, 14. Dezember 2016 von Klaus Irion

Sie ist doch hier zuhause

Duldung. Was für ein schreckliches Wort. Nicht gewollt, aber doch irgendwie noch akzeptiert. Zumindest vorübergehend. Bis aus der nach vielen Jahren des Hoffens, des Bangens, des sich Integrierens, also des sich so Verhaltens, wie es heute in Deutschland lautstark gefordert wird, eine Abschiebung wird. „Papa, warum musste ein Mädchen aus meiner Parallelklasse nach Albanien ausreisen? Sie ist doch hier zuhause, ihr Vater hat hier sein Geld für die Familie verdient. Die Familie ist doch erst vor einiger Zeit in ein eigenes Haus umgezogen.“ Ein paar Sätze nur, morgens am Frühstückstisch. Ein paar Sätze zu einem grauenvollen alltäglichen Amtsvorgang, der das Weltbild meiner zehnjährigen Tochter zum Wanken gebracht hat. Ich versuche ihr zu erklären, was eine Duldung ist. Versuche ihr zu erklären, dass Familien, wie die des Mädchens aus ihrer Parallelklasse über Jahre hinweg Tag und Nacht damit rechnen müssen, in das Heimatland der Eltern, oftmals aber eben nicht mehr in das der Kinder, abgeschoben zu werden. Es bleibt an diesem Morgen beim Erklärungsversuch. Mir fehlen schlicht selbst die Worte. Unser kurzer Dialog endet mit dem Satz meiner Tochter. „Die Familie musste zum Bahnhof und ist dann mit dem Bus nach Albanien gefahren.“ Albanien, eigentlich so nah, aber für das junge Mädchen unendlich weit weg von ihrem Zuhause, ihrer Schule, ihren Freunden, ihrer deutschen Heimat.

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Donnerstag, 10. November 2016 von Klaus Irion

Ein Zweibeiner namens Trump

Gestern morgen hätte ich mir gewünscht, ich könnte für einige Stunden mit unserem Hund die Rollen tauschen. Dreimal hatte ich im Laufe der Nacht den Fernseher eingeschaltet und das Unvermeidliche aus den USA missmutig zur Kenntnis genommen. Beim dritten Mal hat sich unser Vierbeiner dazugesellt und dann augenblicklich wieder selig weitergeschlafen. Wer ist schon dieser Zweibeiner, der derzeit so viele seiner Artgenossen auf die Palme bringt, wird er sich wohl gedacht haben? Ich werde jetzt mitnichten ins große Trump-Bashing einstimmen. Das wäre schon viel zu viel der Ehre für den kommenden Präsidenten der Vereinigten Staaten. Diese Suppe haben sich die Trump-Wähler und alle Nichtwähler selbst eingebrockt. Sollen sie sie also bitteschön auch selbst auslöffeln. Der Gedanke, der mich gestern beim Gassigehen mit besagtem vierbeinigen Familienmitglied aber nicht mehr losgelassen hat, ist die Aussicht auf europäische Trumps. Ach wie haben sich die Rechtspopulisten aller Länder über den Wahlausgang gefreut. Mit Schaudern erwarte ich nun den Ausgang der österreichischen und der französischen Präsidentenwahl. Meinem Hund wird auch dies wieder egal sein. Ob er vielleicht nicht doch einmal mit mir tauschen will? Nur für eine einzige Wahlnacht?

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Freitag, 28. Oktober 2016 von Klaus Irion

Trump will mich wählen sehen

Am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November sind die Amerikaner zur Präsidentenwahl aufgerufen. So wurde es im 19. Jahrhundert im amerikanischen Kongress festgelegt. November, weil hier die Ernte bereits eingefahren war. Dienstag, weil man hier trotz damals noch teils langer Anreise zu den Wahlurnen am ehesten religiösen, wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten anderer Wochentage aus dem Weg gehen konnte. Mit einer Ausnahme: Der 1. November durfte es nicht sein, weil an jenem Tag häufig Gericht gehalten wurde und darüber hinaus Allerheiligen gefeiert wird. Der Wahltag wäre dieses Mal tatsächlich der 1. November. Deswegen greift nun die Regel am ersten Dienstag... – na Sie wissen schon. Gewählt wird also am 8. November. Und ich bin als Wähler dabei. Zumindest wenn ich den E-Mails Glauben schenken darf, die mich seit Wochen erreichen. Es sind Trump-Unterstützungs-E-Mails. Komisch nur, dass ich darin ständig als „James“ angeredet werde. Ich habe gegoogelt. Es gibt in den USA tatsächlich einen James Irion. Eine schlichte Verwechslung? Oder ein aus der schieren Verzweiflung heraus geborenes Angebot des Trump-Teams, mich in letzter Sekunde noch einzubürgern? Ich würde es liebend gern annehmen. Und mit meiner Stimme den unsäglichen Donald Trump verhindern helfen.

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Samstag, 1. Oktober 2016 von Klaus Irion

Auf zu neuen Layout-Ufern

Achteinhalb Jahre ist sie nun schon her, meine Rückkehr in die ZAK-Redaktion, in der ich Anfang der 1990er-Jahre ein Sportvolontariat absolviert hatte. Ich war gerade einige Wochen im Haus, da wurde das Gesicht des ZAK verändert. Ein neues Layout war angesagt. Rasend schnell sind diese achteinhalb Jahre ins Land gezogen. Jahre, in denen die Medienlandschaft regelrecht auf den Kopf gestellt wurde. Twitter, Facebook, WhatsApp bringen uns mehr noch als Fernsehen und Radio in aller (vorgegebenen) Kürze die Welt in die eigenen vier Wände, auf die eigenen Bildschirme. Noch rasanter ist die Welt in diesen Jahren geworden, noch bunter, noch bildlastiger. Mal ehrlich, wer kann sich heute noch eine Zeitung durchgehend in schwarz-weiß vorstellen. Wer eine Zeitung, die ausschließlich Wert auf ausufernde Texte legt. Die neuen Medien haben unsere Wahrnehmung verändert. Der ZAK trägt diesem Umstand nun erneut Rechnung. Größere Bilder, frechere Bildausschnitte, ein frischeres Aussehen, aber keinesfalls weniger Informationen. Kommenden Dienstag ist es soweit. Nach monatelangen Vorbereitungen bin ich gespannt, wie der neue ZAK bei Ihnen, liebe Leser, ankommt. Und so nehme ich heute nun gemeinsam mit Ihnen Abschied vom bisherigen Gesicht unserer Zeitung und hoffe, dass Ihnen auch das neue gefallen wird. Übrigens: Unser „Tagebuch“ wird sie an gewohnter Stelle auch weiterhin begleiten.

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Mittwoch, 28. September 2016 von Klaus Irion

Ebert und Elmi in Hetze vereint

„Die AfD stellt ihren ersten Bürgermeister“, titelte dieFrankfurter Allgemeine Ende Juli dieses Jahres. Es handelt sich um den Schultes einer 1000-Seelen-Gemeinde in Sachsen, die im kommenden Jahr eingemeindet wird. Der Auftritt des AfD-Bürgermeisters ist also von überschaubarer Dauer. Vielleicht aber heißt es ja bald schon: Die AfD im Zollernalbkreis stellt ihren ersten Bürgermeister. Burladingens parteiloser Schultes Harry Ebert sorgte bereits vor einigen Monaten mit bei Facebook öffentlich geteilten AfD-Postings für Schlagzeilen. Und er tut dies noch immer. Zwischendurch zeigt er auf seiner Facebook-Seite aber auch gern einmal ein Pamphlet eines Mitglieds oder Sympathisanten der vom Verfassungsschutz beobachteten Rechtsaußenbewegung „Die Identitären“. Nur um dieses Posting einige Tage später wieder der Öffentlichkeit zu entziehen. Aber auch Bürgermeister Ebert muss doch eigentlich wissen, dass das Internet nichts vergisst. Persönlich betroffen gemacht hat mich ein gestern von Ebert geteiltes Posting, das den Islam im Allgemeinen und nicht ausschließlich dessen radikale, terroristische Zweige in den Dreck zieht. Betroffen, weil Ebert hier das Posting eines Helden meiner Jugend geteilt hat. Unglaublich, aber wahr: Elmar „Elmi“ Hörig, einstiger Kult-Radiomoderator von SWF3 und später SWR3, hat sich als auf Lanzarote lebender Rentner auf die Seite der Hetzer geschlagen. Elmi, warum nur?

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