Freitag, 21. April 2017 von Klaus Irion

Beim nächsten Mal nur schwarz

Eigentlich ist es doch ganz einfach. Man folgt den Anweisungen des Druckers, wechselt die leeren Patronen und hat am Ende wieder eine intakte Maschine. Das Problem aber beginnt schon viel früher. Zumindest, wenn es sich um einen Farbtintenstrahldrucker handelt. Im Fachhandel die richtigen Farbpatronen zu finden, ist durchaus noch machbar. Dann aber stellt sich die Frage, was ist nun die günstigste Variante? Da gibt es zum einen die Kombipackung. Verzeihung, die Kombipackungen. Denn der Hersteller befüllt die gleich großen Patronen mal mit mehr, mal mit weniger Tinte. Und das im Zehntelmilliliterbereich. Und als ob die Kommastellen-Füllmengen beim direkten Vergleich nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten, sind auch die jeweiligen Preise für die verschiedenen Kombipackungen so herrlich unterschiedlich. Wer es noch komplizierter will, der vergleiche die Füllmengen und Preise der Einzelpatronen mit denen ihrer Kombipackung-Pendants. Dann wird es endgültig irrwitzig, und man schwört sich, der nächste Drucker wird kein farbiger mehr sein.

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Dienstag, 4. April 2017 von Klaus Irion

Die Geschichte macht's aus

Vielleicht kennt ja der eine oder andere die wunderbare „Spiegel“-Rubrik „Eine Meldung und ihre Geschichte“. Wie wichtig sie ist, habe ich heute wieder einmal erfahren dürfen. Bei der morgendlichen Zeitungslektüre ist mir eine Meldung aufgefallen. Schlagzeile: Antisemitismus. Überschrift: Junge verlässt Berliner Schule. Viel mehr, als dass ein 14-Jähriger von Mitschülern wiederholt antisemitisch beleidigt worden sei, war daraus nicht zu entnehmen. Dabei gibt es durchaus mehr über diesen Vorfall zu berichten, wie ein ausführlicher Artikel im Berliner „Tagesspiegel“ zeigt. Zum Beispiel darüber, dass sich Juden in Deutschland nicht mehr nur vor Neonazis, sondern auch vor radikalen Muslimen fürchten müssen. Darüber, dass die betroffene Schule längst präventiv die verschiedenen Kulturen und Religionen, die dort täglich zusammenkommen, zum friedlichen Miteinander anzuleiten versucht. Darüber, dass es (nicht nur in Berlin) ermutigende interreligiöse Dialoge gibt. Eine Meldung und ihre Geschichte: Davon brauchen wir noch viel mehr. Denn unsere Problemlagen sind häufig viel zu komplex, als dass man sie stets in Twitter-Kürze deuten könnte.

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Dienstag, 28. Februar 2017 von Klaus Irion

Ein weißes Geschoss

Wrummmm, Sekundenbruchteile nur, dann ist das weiße Geschoss auf vier Rädern wieder einmal an unserem Haus vorbeigebrettert. Ein kleines Sträßchen, Anlieger-frei-Zone. Unübersichtliche Rechts-vor-links-Situation. Ein gern genommener Schulweg ohne Gehwege. Das alles schert den Fahrer nicht. Wofür hat man schließlich die vielen PS unter der Motorhaube? Letzteres dachten vermutlich auch die beiden Raser, die sich in Berlin im vergangenen Jahr ein illegales Autorennen lieferten und dabei einen unbeteiligten 69-jährigen Autofahrer in den Tod rissen. Mal abgesehen von den zivilrechtlichen Erschütterungen konnten rasende Todesfahrer bislang mit relativ milden Strafurteilen rechnen. Gestern nun die Wende in Berlin: Lebenslänglich wegen Mordes hinterm Steuer. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Doch selbst wenn die Verurteilten in nächster Instanz womöglich einen kürzeren Gefängnisaufenthalt erreichen sollten. Die Berliner Richter haben ein Signal gegeben, das hoffentlich bis in meine Nachbarschaft nachhallt, zu dem Fahrer mit dem weißen Geschoss.

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Mittwoch, 15. Februar 2017 von Klaus Irion

Eine Lüge bleibt eine Lüge

Alternative Fakten: Selten hat eine Wortschöpfung in so kurzer Zeit solch eine große Wirkung entfaltet. Es ist wichtiger denn je, dass die ernstzunehmenden Medienschaffenden, gern auch als „Lügenpresse“ beschimpft, zusammenstehen und den Inhalt solcher alternativer Fakten stets auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Und das möglichst zeitnah, ehe sich diese angeblichen anderen Tatsachen in den Köpfen vieler festgesetzt haben.

Aktuelles Beispiel gefällig: Seit Wochen ist nach einer reißerischen Bildzeitungsstory von einem Sexmob die Rede, der in der Silvesternacht Frankfurts berühmte Freßgass' heimgesucht haben soll. Es bedarf keiner näheren Beschreibung, was sich seither vor allem in sozialen Medien abspielt. Gestern nun die Wende. Die Bildzeitung entschuldigt sich in aller Form für die Berichterstattung, nachdem Mitglieder der Frankfurter „Lügenpresse“ seriös recherchiert und herausgefunden hatten, dass eben kein Sexmob durch Frankfurt marodierte. Und die alternativen Fakten der Silvesternacht eben keine Fakten waren.

Allein schon die Tatsache, dass sich die Bildzeitung entschuldigt, lässt aufhorchen. Auch bei Springer scheint man erkannt zu haben, dass veröffentlichte Lügenmärchen heute eine ganz andere Wirkung in der Gesellschaft zur Folge haben als in früheren Zeiten, als die Presse einfach noch die Presse war und eine Lüge eben eine Lüge und kein alternatives Faktum.

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Mittwoch, 11. Januar 2017 von Klaus Irion

Präsidiales auf der Zollernalb

Einen amtierenden Bundespräsidenten bekommt man nicht alle Tage persönlich zu Gesicht. Und wer im Zollernalbkreis wohnt schon zweimal nicht. Denn sieht man einmal von einer Stippvisite Horst Köhlers im Melchinger „Lindenhof“ im April 2009 ab, herrscht nunmehr seit fast 20 Jahren Flaute in Sachen bundespräsidialer Besuche. Der gestern im Alter von 82 Jahren verstorbene Professor Roman Herzog war es, der am 21. Oktober 1997 einen ganzen Tag auf der Zollernalb weilte. Er kam ins Balinger Landratsamt, ehe ihm bei Mayer und Cie in Tailfingen die Höhen und Tiefen der Textilindustrie nahegebracht wurden. Ein Besuch bei der Bundeswehr in Stetten a.k.M und im Kloster Beuron vollendeten seinerzeit die Tagestour auf der Alb und an der Donau. Seinen Amtsvorgängern dagegen war all dies verborgen geblieben, hatten sie doch stets einen Bogen um den Zollernalbkreis gemacht. An der Landschaft kann dies kaum gelegen haben. Von ihrer Schönheit überzeugt sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann mehrmals im Jahr. Und mit dem wandernden Landesvater wehte im Jahr 2013 dann doch zumindest für zwölf Monate ein Hauch von Schloss Bellevue die Traufgänge entlang. Schließlich war Kretschmann in jenem Jahr Bundesratspräsident und damit auch der Stellvertreter des Bundespräsidenten Joachim Gauck.

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