Dienstag, 13. Oktober 2009 von Klaus Irion

Das Eigentor des ZDF

Wie sagte einst Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger: „Das Spiel dauert 90 Minuten.“ Schlichte Fußball-Poesie, die so am vergangenen Samstag nicht ganz richtig war. Das Länderspiel Russland – Deutschland dauerte 93 Minuten. Und da die Partie auch noch etwas verspätet angepfiffen wurde, müssen die Drähte beim übertragenden ZDF heiß gelaufen sein. Dass mit dem Schlusspfiff ein ausgedehnter Werbeblock – in Privatfernseh-Manier – ausgestrahlt wurde, mag man ja noch hinnehmen. Fußballübertragungen sind nun mal nicht ganz billig. Und wenn dann schon zu einer Zeit abgepfiffen wird, zu der die öffentlich-rechtlichen Sender noch Werbung zeigen dürfen, nutzen sie eben die Gunst der Stunde. Was dann aber folgte, war schlicht unverschämt. Statt noch einmal nach Moskau zurückzuschalten, ließen die Helden vom Mainzer Lerchenberg beinahe eine Minute lang die Uhr der Nachrichten-Sendung „heute“ über den Bildschirm flimmern, um dann ihre Anchor-Woman Petra Gerster die Nachrichten verlesen zu lassen. Topmeldung: Die Ratifizierung des EU-Vertrags durch Polens Staatspräsident Lech Kaczynski. Zugeben: europapolitisch ein historischer Moment, aber einer, der auch fünf bis zehn Minuten später noch historisch gewesen wäre. Selten war der Werbeslogan des ZDF – „Mit dem Zweiten sieht man besser“ – so daneben wie an diesem Abend.

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Mittwoch, 7. Oktober 2009 von Klaus Irion

Höllentrip im Megacoaster

Zehn Jahre können eine ganz schön lange Zeit sein. So lange war es her, dass ich zuletzt einen Tag im Europapark in Rust verbracht hatte. Die kreiselnden Gondeln der „Euro-Mir“ gab es damals schon. Angetan habe ich sie mir gleichwohl nicht. Es war vielmehr eine Reise zurück in die Kindheit mit netten (Achter)-Bahnen, Zügen, einer Fahrt auf dem Floß oder im Raddampfer. Vor wenigen Tagen nun war ich wieder einmal dort. Um es vorwegzunehmen: Ich bin alles andere als ein Adrenalin-Junkie. Mein achtjähriger Sohn dagegen war schon früh morgens völlig im Rausch der Geschwindigkeit. Während ich gerade noch erleichtert durchatmete, dass er aus Altersgründen (noch) nicht in Europas höchster und schnellster Achterbahn – dem Silver Star – Platz nehmen durfte, befand ich mich mit ihm schon in der Warteschlange einer – wie mir eine Redakteurskollegin erklärt hatte – „harmloseren Achterbahn“, dem „Blue Fire Megacoaster“. Im Katapultstart von null auf hundert in unglaublichen 2,5 Sekunden. Danach Looping und Drehungen in allen unmöglichen Richtungen. Leicht benommen verließ ich nach dem Höllentrip die Bahn und ließ mich mich erst einmal auf einem Floß durch den kleinen See inmitten des Parks schippern. So wie einst.

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Samstag, 19. September 2009 von Klaus Irion

Entschleunigt

Jede Zeit hat ihre Modewörter. Da macht unsere schnelllebige Epoche keine Ausnahme. Beispiel gefällig: Entschleunigung. Also eben jener Schnelllebigkeit den Kampf ansagen, die tägliche Hektik durchbrechen. Früher nannte man das einfach auch mal Urlaub. Doch fällt das Entschleunigen, respektive das Urlaub machen – und das ist jetzt einmal nicht finanziell gemeint – gar nicht mehr so leicht. Heute noch quasi rund um die Uhr erreichbar per Handy samt SMS, Internet samt E-Mail, morgen aller Medien entschleunigt? Schwierig! Und doch, es funktioniert, wie ich jüngst bei meinem eigenen Urlaub im Ausland feststellen konnte. Kein Fernseher, kein Radio in der Unterkunft. Tagtäglich nahm die Entschleunigung größere Ausmaße an. In 14 Tagen ein einziges Handygespräch, ein einziges Mal kurzzeitig im Internet. Dafür alle paar Tage eine Ausgabe der Süddeutschen Zeitung gemütlich durchgelesen. Fast schon in Vergessenheit geratene Gesellschafts- und Kartenspiele wiederentdeckt. Entschleunigung, eigentlich ein Unwort, aber eines mit ganz viel Erholungscharakter.

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Freitag, 7. August 2009 von Klaus Irion

Wider zu viel Technik im Auto

Ich bin sicherlich kein Technikmuffel, Neuem aufgeschlossen. Bei einer Sache aber wäre ich froh, ich könnte die Zeit um einige Jährchen zurückdrehen. Zu viel Elektronik in Autos ist mir suspekt. Und das nicht erst, seit immer wieder einmal das Airbag-Lämpchen bedrohlich aufleuchtete. Ich rechnete jeden Moment damit, dass mir der Sack bei Tempo 100 um die Ohren fliegt. Was nicht heißen soll, dass die Erfindung des Airbags an sich nicht ein Segen für die Autofahrer darstellt, so er denn im richtigen Moment aufgeht. Ehrlich gesagt, wäre es mir auch wohler, wenn ich die Seitenfenster meines Kleinwagens hoch- und runterkurbeln könnte. Und dann erst die Fernbedienung am Autoschlüssel. Die „Faulheit“ manches Autokonzerns geht soweit, dass am Kofferraum gar kein Schloss mehr angebracht wird. Wer ist auch so dumm und schließt sein Auto noch von Hand auf? Vielleicht der, bei dem gerade die Autoschlüssel-Fernbedienungs-Batterie ihren Dienst quittiert hat. Mich jedenfalls wundert es inzwischen nicht mehr, dass das Geschäft mit Oldtimern floriert.

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Dienstag, 23. Juni 2009 von Klaus Irion

Konstante Tatort

Es gibt sie noch, die gewissen Konstanten im Leben, die einer scheinbar immer hektischer werdenden Medienwelt erfolgreich entgegengestellt werden. Beispiel gefällig? Sonntagabend, 20.15 Uhr, direkt nach der „guten, alten“ Tagesschau. Die meisten werden nun schon wissen, was gemeint ist: „Tatort“. Ich habe im Verlauf der Jahre in unterschiedlichen Redaktionen gearbeitet. Aber alle hatten eines gemein. Montags wurde zunächst einmal die „Tatort“-Folge des Vorabends diskutiert, bewertet, für gut oder schlecht, langweilig oder tierisch aufregend befunden. Und das ist bis zum heutigen Tag so geblieben. In Zeiten, in denen ständig darüber abgestimmt werden darf, welcher Dialekt denn der schönste sei, haben die Kommissare von Kiel bis Wien, von Köln bis Berlin mehr denn je schon aus Sicht der landsmannschaftlichen Vielfalt ihre Daseinsberechtigung. Auch wenn das sprachliche Lokalkolorit inzwischen meistens auf die Kommissars-Zuarbeiter beschränkt ist. Die süddeutschen und österreichischen Hauptakteure derweil bemüht sind, auch noch in Norddeutschland verstanden zu werden – und umgekehrt. Schade eigentlich, dass sich die Schweiz vor einigen Jahren aus der „Tatort“-Familie verabschiedet hat. Schon der Sprache wegen waren die Fälle stets sehenswert. Meine derzeitigen Favoriten? Die Truppe aus Konstanz mit der grandiosen Eva Mattes und das ungleiche Duo im oft düster gezeichneten Berlin.

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