Dienstag, 1. Dezember 2009 von Klaus Irion

Einsamkeit des Heimwerkers

Die meisten werden es kennen, das große Möbelhaus mit den vier Buchstaben. Nächste Ausfahrt Sindelfingen. Und wer kennt sie nicht, die Geschichten aus dem Bekanntenkreis von stundenlangem Schrauben, Hämmern, Aufbauen – und manchmal wieder Abbauen, weil die entscheidende Platte dann doch mit der falschen Seite nach oben in den Schrank oder das Regal gezimmert wurde. Frei nach einem hinlänglich bekannten Sprichwort: Jeder ist seines Glückes Schreiner. Als ich kürzlich nach langer Abstinenz die „heiligen Möbelhallen“ wieder einmal selbst betrat, war ich verblüfft, dass ich den nächsten Schritt auf dem Weg zur einsamen Verheimwerkerung noch gar nicht bemerkt hatte. Zum selber Zusammenschrauben kommt nun auch die Möglichkeit, an einigen Kassen selbst die Produkte abzuscannen und zu bezahlen. Der Mitarbeiter des Unternehmens ist „nur“ noch dazu da, das Schlimmste abzuwenden, sprich Fragen zu erklären, wie „ist das hier ein Barcode-Sanner oder ein anderes Modell?“ Was folgt als Nächstes? Wahrscheinlich ein Workshop in Unternehmens-eigenen Wäldern zum korrekten Holzernten und einer für die Weiterverarbeitung des Gehölzes zum eigenen Möbel. Ich bin gespannt!

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Freitag, 20. November 2009 von Klaus Irion

In Maßen frustriert

Irland ist wunderschön, die Menschen sind rothaarig und immer freundlich. So viel zu den oft gehörten Attributen der Insel im Atlantik. Abgesehen davon, dass höchstens nur jeder zwanzigste Ire rote Haare hat, ist viel Wahres in dieser Kurzbeschreibung. Ich habe es selbst mehrere Male so erlebt. Die Iren fühlen sich aber auch immer etwas benachteiligt, spülen ihren Frust dann auch gern mit dem einen oder anderen Pint im Pub hinunter. Womit wir beim Thema sind. Viele Iren sind sportverrückt. Und das nicht mehr nur in Bezug auf Nationalsportarten wie „Gaelic Football“ oder „Hurling“. Auch der Fußball lässt sie nicht los, dessen Übertragungen gerade in den Pubs unvergessliche Erlebnisse darstellen. So wie bestimmt auch am vergangenen Mittwochabend. Pub, Fußball, 103 Minuten lang Stimmungshoch – und dann kollektiver Frust, der wohl nur mit einem weiteren Pint zu verschmerzen war. Ich hätte sie gern gesehen, die Iren, im kommenden Sommer bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Doch das absichtliche Handspiel des französischen Nationalspielers Thierry Henry, das Frankreich zur WM bringt, und ein schwedischer Schiedsrichter, der dieses übersah, haben es verhindert. Wie ich die Iren kenne, folgte dem Frust die Zufriedenheit mit dem Erreichten der eigenen Mannschaft. Und mit der Gewissheit, dass Fußball bei weitem nicht alles ist im Leben. Wie recht sie damit haben, wurde vielen Deutschen nach dem Tod Robert Enkes auch wieder bewusst.

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Freitag, 23. Oktober 2009 von Klaus Irion

Entspannt auf der Autobahn

Der wievielte Anlauf ist es wohl, den das Umweltbundesamt derzeit wieder unternimmt? Keiner wird es mehr wissen! Die Rede ist vom Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Schnell haben die Gegner einer Geschwindigkeitsbeschränkung wieder die Messer gewetzt. Mal ist es die deutsche Autoindustrie, der man bei Einführung von Tempo 120 oder Tempo 130 Schaden zufügen würde, mal sind es Verkehrsstatistiken, mit denen belegt wird, dass doch die meisten Unfälle gar nicht auf den Autobahnen passieren. Argumente gegen das Limit sind schnell zu finden, neu sind sie zumeist nicht, vielleicht nicht einmal unbedingt von der Hand zu weisen. Es geht mir jetzt auch gar nicht darum, die Argumente zu widerlegen. Nur so viel: Können alle anderen europäischen Länder so falsch liegen, wenn sie die rasante Fahrt auf Autobahnen beschränken? Nehmen wir doch Italien, das Land der Ferrari, der Maserati, der Lamborghini. Ich habe in den vergangenen Jahren selten eine solch entspannte Autobahnfahrt erlebt wie zwischen Mailand und Venedig. Wohlgemerkt: Die Autobahn war gut gefüllt. Wer da was unter der Motorhaube hatte, war völlig egal, gedrängelt und gnadenlos aufgefahren wurde nicht. Auch nicht von meinen miturlaubenden deutschen Landsleuten.

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Dienstag, 13. Oktober 2009 von Klaus Irion

Das Eigentor des ZDF

Wie sagte einst Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger: „Das Spiel dauert 90 Minuten.“ Schlichte Fußball-Poesie, die so am vergangenen Samstag nicht ganz richtig war. Das Länderspiel Russland – Deutschland dauerte 93 Minuten. Und da die Partie auch noch etwas verspätet angepfiffen wurde, müssen die Drähte beim übertragenden ZDF heiß gelaufen sein. Dass mit dem Schlusspfiff ein ausgedehnter Werbeblock – in Privatfernseh-Manier – ausgestrahlt wurde, mag man ja noch hinnehmen. Fußballübertragungen sind nun mal nicht ganz billig. Und wenn dann schon zu einer Zeit abgepfiffen wird, zu der die öffentlich-rechtlichen Sender noch Werbung zeigen dürfen, nutzen sie eben die Gunst der Stunde. Was dann aber folgte, war schlicht unverschämt. Statt noch einmal nach Moskau zurückzuschalten, ließen die Helden vom Mainzer Lerchenberg beinahe eine Minute lang die Uhr der Nachrichten-Sendung „heute“ über den Bildschirm flimmern, um dann ihre Anchor-Woman Petra Gerster die Nachrichten verlesen zu lassen. Topmeldung: Die Ratifizierung des EU-Vertrags durch Polens Staatspräsident Lech Kaczynski. Zugeben: europapolitisch ein historischer Moment, aber einer, der auch fünf bis zehn Minuten später noch historisch gewesen wäre. Selten war der Werbeslogan des ZDF – „Mit dem Zweiten sieht man besser“ – so daneben wie an diesem Abend.

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Mittwoch, 7. Oktober 2009 von Klaus Irion

Höllentrip im Megacoaster

Zehn Jahre können eine ganz schön lange Zeit sein. So lange war es her, dass ich zuletzt einen Tag im Europapark in Rust verbracht hatte. Die kreiselnden Gondeln der „Euro-Mir“ gab es damals schon. Angetan habe ich sie mir gleichwohl nicht. Es war vielmehr eine Reise zurück in die Kindheit mit netten (Achter)-Bahnen, Zügen, einer Fahrt auf dem Floß oder im Raddampfer. Vor wenigen Tagen nun war ich wieder einmal dort. Um es vorwegzunehmen: Ich bin alles andere als ein Adrenalin-Junkie. Mein achtjähriger Sohn dagegen war schon früh morgens völlig im Rausch der Geschwindigkeit. Während ich gerade noch erleichtert durchatmete, dass er aus Altersgründen (noch) nicht in Europas höchster und schnellster Achterbahn – dem Silver Star – Platz nehmen durfte, befand ich mich mit ihm schon in der Warteschlange einer – wie mir eine Redakteurskollegin erklärt hatte – „harmloseren Achterbahn“, dem „Blue Fire Megacoaster“. Im Katapultstart von null auf hundert in unglaublichen 2,5 Sekunden. Danach Looping und Drehungen in allen unmöglichen Richtungen. Leicht benommen verließ ich nach dem Höllentrip die Bahn und ließ mich mich erst einmal auf einem Floß durch den kleinen See inmitten des Parks schippern. So wie einst.

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