Dienstag, 5. Januar 2010 von Klaus Irion

Der, die, das...

Die Engländer haben es gut. Sie haben mit „the“ nur einen einzigen bestimmten Artikel. Dass dieser – je nachdem, ob das dazugehörende Hauptwort mit einem Vokal oder einem Konsonanten beginnt – gesprochen mal auf „e“, mal auf „i“ endet, ist dabei lerntechnisch von weniger Belang. Der Deutsche aber geht gründlich vor, unterscheidet schon im Artikel, männlich, weiblich und sächlich. So wie es auch die „Sesamstraße“ in ihrem zeitlosen Lied die Kleinsten lehrt: „Der, die das...“. Was nicht heißt, dass bei bestimmten Wörtern im Schriftdeutschen der Artikel immer mit demjenigen der Dialekte übereinstimmt. Trinken Sie beispielsweise „die“ Apfelsaftschorle“, wie uns Wikipedia glauben machen will oder doch eher „das“ Apfelsaftschorle? Essen Sie eher „die“ Schokolade oder „den“ Schogglad? Streichen Sie aufs Brot „die“ Butter“ oder „den“ Butter? Sei’s drum! Hauptsache es schmeckt ihnen. Übrigens: Balingens Hausberge sind – und das ist kein Scherz – „die“ Lochen und die „Plaikten“. Letzteres soll – so wird vermutet keltischen Ursprungs sein. Heute ist es schlicht „der“ Plettenberg.

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Donnerstag, 17. Dezember 2009 von Klaus Irion

Lange Namen

Gestern erklärte der Popstar Marius-Müller-Westernhagen (MMW) in einem Radiointerview, warum er seit geraumer Zeit nur noch unter „Westernhagen“ firmiert. Mitnichten sei das so, dass er den Nachnamen „Müller“ für zu banal erachtet, das habe vielmehr Marketing-technische Gründe. Auf CD-Cover oder Plakate sei Kürze angesagt. Nun ist der Name Nikodemus Frischlin zwar nicht so lange wie der des genannten Popstars. Wenn man jedoch auch noch das Wort „Gymnasium“ dahinter hängt, könnte sich das Gesamtwort, zu Ehren des im 16. Jahrhundert in Balingen-Erzingen geborenen Philologen, Dramatikers und Lyrikers mit „MMW“, was die Anzahl der Buchstaben betrifft, durchaus messen. Das Balinger Gymnasium in Nikodemus-Frischlin-Gymnasium umzubenennen, wird derzeit in Schul- und Stadtgremien diskutiert. Ob es letztlich dazu kommt, ist noch völlig offen – und wird aller Voraussicht nach zuallerletzt wegen Marketingfragen entschieden. Dass lange Schulnamen nicht generell abschrecken, haben die Gremien an meinem Heimatgymnasium bewiesen.

Aus Gymnasium St. Georgen wurde im Jahr 2003 das Thomas-Strittmatter-Gymnasium. Der St. Georgener Strittmatter schrieb Romane, Drehbücher und Hörspiele (Der Polenweiher, Viehjud Levi, Raabe Baikal). Er starb 1995 im Alter von nur 33 Jahren.

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Dienstag, 1. Dezember 2009 von Klaus Irion

Einsamkeit des Heimwerkers

Die meisten werden es kennen, das große Möbelhaus mit den vier Buchstaben. Nächste Ausfahrt Sindelfingen. Und wer kennt sie nicht, die Geschichten aus dem Bekanntenkreis von stundenlangem Schrauben, Hämmern, Aufbauen – und manchmal wieder Abbauen, weil die entscheidende Platte dann doch mit der falschen Seite nach oben in den Schrank oder das Regal gezimmert wurde. Frei nach einem hinlänglich bekannten Sprichwort: Jeder ist seines Glückes Schreiner. Als ich kürzlich nach langer Abstinenz die „heiligen Möbelhallen“ wieder einmal selbst betrat, war ich verblüfft, dass ich den nächsten Schritt auf dem Weg zur einsamen Verheimwerkerung noch gar nicht bemerkt hatte. Zum selber Zusammenschrauben kommt nun auch die Möglichkeit, an einigen Kassen selbst die Produkte abzuscannen und zu bezahlen. Der Mitarbeiter des Unternehmens ist „nur“ noch dazu da, das Schlimmste abzuwenden, sprich Fragen zu erklären, wie „ist das hier ein Barcode-Sanner oder ein anderes Modell?“ Was folgt als Nächstes? Wahrscheinlich ein Workshop in Unternehmens-eigenen Wäldern zum korrekten Holzernten und einer für die Weiterverarbeitung des Gehölzes zum eigenen Möbel. Ich bin gespannt!

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Freitag, 20. November 2009 von Klaus Irion

In Maßen frustriert

Irland ist wunderschön, die Menschen sind rothaarig und immer freundlich. So viel zu den oft gehörten Attributen der Insel im Atlantik. Abgesehen davon, dass höchstens nur jeder zwanzigste Ire rote Haare hat, ist viel Wahres in dieser Kurzbeschreibung. Ich habe es selbst mehrere Male so erlebt. Die Iren fühlen sich aber auch immer etwas benachteiligt, spülen ihren Frust dann auch gern mit dem einen oder anderen Pint im Pub hinunter. Womit wir beim Thema sind. Viele Iren sind sportverrückt. Und das nicht mehr nur in Bezug auf Nationalsportarten wie „Gaelic Football“ oder „Hurling“. Auch der Fußball lässt sie nicht los, dessen Übertragungen gerade in den Pubs unvergessliche Erlebnisse darstellen. So wie bestimmt auch am vergangenen Mittwochabend. Pub, Fußball, 103 Minuten lang Stimmungshoch – und dann kollektiver Frust, der wohl nur mit einem weiteren Pint zu verschmerzen war. Ich hätte sie gern gesehen, die Iren, im kommenden Sommer bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Doch das absichtliche Handspiel des französischen Nationalspielers Thierry Henry, das Frankreich zur WM bringt, und ein schwedischer Schiedsrichter, der dieses übersah, haben es verhindert. Wie ich die Iren kenne, folgte dem Frust die Zufriedenheit mit dem Erreichten der eigenen Mannschaft. Und mit der Gewissheit, dass Fußball bei weitem nicht alles ist im Leben. Wie recht sie damit haben, wurde vielen Deutschen nach dem Tod Robert Enkes auch wieder bewusst.

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Freitag, 23. Oktober 2009 von Klaus Irion

Entspannt auf der Autobahn

Der wievielte Anlauf ist es wohl, den das Umweltbundesamt derzeit wieder unternimmt? Keiner wird es mehr wissen! Die Rede ist vom Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Schnell haben die Gegner einer Geschwindigkeitsbeschränkung wieder die Messer gewetzt. Mal ist es die deutsche Autoindustrie, der man bei Einführung von Tempo 120 oder Tempo 130 Schaden zufügen würde, mal sind es Verkehrsstatistiken, mit denen belegt wird, dass doch die meisten Unfälle gar nicht auf den Autobahnen passieren. Argumente gegen das Limit sind schnell zu finden, neu sind sie zumeist nicht, vielleicht nicht einmal unbedingt von der Hand zu weisen. Es geht mir jetzt auch gar nicht darum, die Argumente zu widerlegen. Nur so viel: Können alle anderen europäischen Länder so falsch liegen, wenn sie die rasante Fahrt auf Autobahnen beschränken? Nehmen wir doch Italien, das Land der Ferrari, der Maserati, der Lamborghini. Ich habe in den vergangenen Jahren selten eine solch entspannte Autobahnfahrt erlebt wie zwischen Mailand und Venedig. Wohlgemerkt: Die Autobahn war gut gefüllt. Wer da was unter der Motorhaube hatte, war völlig egal, gedrängelt und gnadenlos aufgefahren wurde nicht. Auch nicht von meinen miturlaubenden deutschen Landsleuten.

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