Dienstag, 9. Februar 2010 von Klaus Irion

Aller guten Dinge sind drei

In den siebziger Jahren gab es eine Fernsehserie mit dem schönen Titel: „Drei sind einer zuviel“ Inhalt der Serie war eine klassische Dreiecksgeschichte. Natürlich gibt es sie sicherlich auch heute noch, die Dreiecksgeschichten. Im Deutschland unserer Tage hat „Drei sind einer zuviel“ aber bisweilen auch eine ganz andere Bedeutung. Stichwort: Kinder pro Familie . Zuletzt waren es hierzulande im Durchschnitt gerade noch 1,37 Kinder. Kein Wunder also, dass man mit drei Kindern nach statistischen Maßgaben schon an der „Großfamilie“ kratzt. Etwas anrüchig ist das in mancher Augen ja schon, wenn man heutzutage – (Geld-)Adel ausgenommen) – drei Kinder in die Welt setzt. Oder wie anders ist es zu erklären, dass eine Fastfood-Kette bei kindgerechten Plätzen fast ausschließlich unverrückbare Vierertische aufgestellt hat. Oder ein Last-Minute-Reiseunternehmen bei den persönlichen Angaben nur zwei Kinder pro Familie vorsieht. Getreu dem Motto: Wer drei Kinder hat, der kann sich Urlaub sowieso nicht mehr leisten. Wenn man aber auf den letzten Drücker partout zu Fünft verreisen möchte? Dann wird man dezent auf die Familienhotline des Unternehmens verwiesen. Trotz alledem halte ich es mit dem alten Sprichwort: „Aller guten Dinge sind Drei!“ Und wer es nicht glaubt, dem sei das gleichnamige Lied von Reinhard Mey empfohlen.

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Donnerstag, 28. Januar 2010 von Klaus Irion

Es ist Winter!

Gibt es etwas Schöneres, als Jahreszeiten zu erleben? Mir geht das ganze Gestöhne ob des immer noch anhaltenden Winters unglaublich auf die Nerven. Es ist nun einmal Januar. Punkt aus. Die vollkommene Jahreszeiten-Glückseligkeit will sich bei mir dennoch nicht einstellen. Die erreiche ich gemeinhin erst bei – in Balingen leider selten vorkommenden – 50 Zentimeter Schnee vor der Haustür, strahlend blauem Himmel und Minus 5 Grad Celsius. Und so warte ich nun weiter und hoffe darauf, dass die für heute und die kommenden Tage wieder einmal angekündigten Schneefälle nicht erneut einen weiten Bogen um Balingen machen. Achten Sie einmal darauf, wenn sie von der B 27 auf Höhe Dotternhausen hinunter in die Kreisstadt blicken. Wie oft wechselt das Dotternhausener Winter-Weiß spätestens in Endingen in ein Grün-Grau. Wie oft hört man im Radio von einer Schneefallgrenze um die 500 Meter . Fehlt nur noch das der Radio-Moderator anfügt: „Für Balingen wird es also wieder nichts.“ Alle Winterliebhaber sollten mit mir die Daumen drücken. Und allen Winter-Genervten sei gesagt. Nur ein echter Winter macht im März dann Lust auf einen echten Frühling.

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Dienstag, 5. Januar 2010 von Klaus Irion

Der, die, das...

Die Engländer haben es gut. Sie haben mit „the“ nur einen einzigen bestimmten Artikel. Dass dieser – je nachdem, ob das dazugehörende Hauptwort mit einem Vokal oder einem Konsonanten beginnt – gesprochen mal auf „e“, mal auf „i“ endet, ist dabei lerntechnisch von weniger Belang. Der Deutsche aber geht gründlich vor, unterscheidet schon im Artikel, männlich, weiblich und sächlich. So wie es auch die „Sesamstraße“ in ihrem zeitlosen Lied die Kleinsten lehrt: „Der, die das...“. Was nicht heißt, dass bei bestimmten Wörtern im Schriftdeutschen der Artikel immer mit demjenigen der Dialekte übereinstimmt. Trinken Sie beispielsweise „die“ Apfelsaftschorle“, wie uns Wikipedia glauben machen will oder doch eher „das“ Apfelsaftschorle? Essen Sie eher „die“ Schokolade oder „den“ Schogglad? Streichen Sie aufs Brot „die“ Butter“ oder „den“ Butter? Sei’s drum! Hauptsache es schmeckt ihnen. Übrigens: Balingens Hausberge sind – und das ist kein Scherz – „die“ Lochen und die „Plaikten“. Letzteres soll – so wird vermutet keltischen Ursprungs sein. Heute ist es schlicht „der“ Plettenberg.

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Donnerstag, 17. Dezember 2009 von Klaus Irion

Lange Namen

Gestern erklärte der Popstar Marius-Müller-Westernhagen (MMW) in einem Radiointerview, warum er seit geraumer Zeit nur noch unter „Westernhagen“ firmiert. Mitnichten sei das so, dass er den Nachnamen „Müller“ für zu banal erachtet, das habe vielmehr Marketing-technische Gründe. Auf CD-Cover oder Plakate sei Kürze angesagt. Nun ist der Name Nikodemus Frischlin zwar nicht so lange wie der des genannten Popstars. Wenn man jedoch auch noch das Wort „Gymnasium“ dahinter hängt, könnte sich das Gesamtwort, zu Ehren des im 16. Jahrhundert in Balingen-Erzingen geborenen Philologen, Dramatikers und Lyrikers mit „MMW“, was die Anzahl der Buchstaben betrifft, durchaus messen. Das Balinger Gymnasium in Nikodemus-Frischlin-Gymnasium umzubenennen, wird derzeit in Schul- und Stadtgremien diskutiert. Ob es letztlich dazu kommt, ist noch völlig offen – und wird aller Voraussicht nach zuallerletzt wegen Marketingfragen entschieden. Dass lange Schulnamen nicht generell abschrecken, haben die Gremien an meinem Heimatgymnasium bewiesen.

Aus Gymnasium St. Georgen wurde im Jahr 2003 das Thomas-Strittmatter-Gymnasium. Der St. Georgener Strittmatter schrieb Romane, Drehbücher und Hörspiele (Der Polenweiher, Viehjud Levi, Raabe Baikal). Er starb 1995 im Alter von nur 33 Jahren.

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Dienstag, 1. Dezember 2009 von Klaus Irion

Einsamkeit des Heimwerkers

Die meisten werden es kennen, das große Möbelhaus mit den vier Buchstaben. Nächste Ausfahrt Sindelfingen. Und wer kennt sie nicht, die Geschichten aus dem Bekanntenkreis von stundenlangem Schrauben, Hämmern, Aufbauen – und manchmal wieder Abbauen, weil die entscheidende Platte dann doch mit der falschen Seite nach oben in den Schrank oder das Regal gezimmert wurde. Frei nach einem hinlänglich bekannten Sprichwort: Jeder ist seines Glückes Schreiner. Als ich kürzlich nach langer Abstinenz die „heiligen Möbelhallen“ wieder einmal selbst betrat, war ich verblüfft, dass ich den nächsten Schritt auf dem Weg zur einsamen Verheimwerkerung noch gar nicht bemerkt hatte. Zum selber Zusammenschrauben kommt nun auch die Möglichkeit, an einigen Kassen selbst die Produkte abzuscannen und zu bezahlen. Der Mitarbeiter des Unternehmens ist „nur“ noch dazu da, das Schlimmste abzuwenden, sprich Fragen zu erklären, wie „ist das hier ein Barcode-Sanner oder ein anderes Modell?“ Was folgt als Nächstes? Wahrscheinlich ein Workshop in Unternehmens-eigenen Wäldern zum korrekten Holzernten und einer für die Weiterverarbeitung des Gehölzes zum eigenen Möbel. Ich bin gespannt!

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