Freitag, 30. Juni 2017 von Klaus Irion

Ein Paket des Grauens

Viele moderne Maschinen haben eine so genannte Sollbruchstelle. Schließlich ist jeder Hersteller ja erpicht darauf, dass er über kurz oder lang seinem Kunden ein neues Modell verkaufen kann. Oder doch zumindest ein Ersatzteil für das defekte Gerät. Letzteres wurde dieser Tage auch bei mir fällig, als der Griff eines Staubsaugers das Zeitliche segnete. Problemlos ließ sich das Ersatzteil im Internet finden. Zwei Tage später erreichte mich ein Paket. Dessen Größe hätte durchaus ausgereicht, um einen Handstaubsauger darin zu transportieren. Im ersten Moment dachte ich, es sei eine falsche Lieferung. Beim Blick auf den Absender und angesichts der Leichtigkeit des Pakets wurde mir aber schnell klar. Darin befindet sich mein klitzekleiner Staubsaugergriff. Dazu die notwendige Rechnung und viel, nein ganz viel Packpapier um die „riesige“ Last sicher zu transportieren. Nun wusste ich auch, warum das Porto so teuer war wie der Ersatzgriff.

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Donnerstag, 1. Juni 2017 von Klaus Irion

Vorgeschichte ergründen

Ist das Böse in einem Menschen von Natur aus angelegt oder entwickelt sich das Böse in ihm aufgrund seiner Lebensumstände, seiner Sozialisation? Über diese Frage diskutieren Gelehrte seit Jahrtausenden. Dieselbe Diskussion wird auch über andere Säugetiere geführt. Zum Beispiel über Hunde. Es ist wohl unbestritten, dass der Hund von Natur aus ein Raubtier ist. Domestizierung hin oder her. Und dennoch: Der Grad der Gefährlichkeit oder eben Ungefährlichkeit eines einzelnen Hundes ist immer auch der Grad an Erziehung und an Zuneigung, die ihm vom ersten Lebenstag an zuteil wird. Die Fakten sprechen im Fall der tödlichen Hundeattacke in Frohnstetten auf den ersten Blick eine eindeutige Sprache. Ein offensichtlich aggressiver Hund wurde nicht artgerecht gehalten. Sein Stresslevel war wohl bei weitem überreizt. Das kaum in Worte zu fassende Ende dieser Geschichte hat aber den ersten Erkenntnissen zufolge nicht erst an der Kette im Garten des Frohnstettener Hauses begonnen. Vorverurteilungen in jeglicher Richtung sind daher fehl am Platz. Die Vorgeschichte zu ergründen und daraus auch für die Zukunft auf allen Ebenen die richtigen Schlüsse zu ziehen, das sollte die vordringliche Aufgabe aller (Ermittlungs-)Behörden sein. Zuvor aber sollten wir alle angesichts des unsagbaren Leids wenigstens einen Moment innehalten und verbal abrüsten – beim Gespräch auf der Straße gerade so wie in den Diskussionsforen der sozialen Medien.

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Freitag, 19. Mai 2017 von Klaus Irion

Unvernebelte Zufriedenheit

Ich weiß noch genau, wie es war, in den 1970er-Jahren auf dem Rücksitz des elterlichen Autos von Zigarettenqualm eingeräuchert zu werden. Wahrscheinlich hat diese Gruselepisode mich davon abgehalten – abgesehen von an einer Hand abzuzählenden jugendlichen Ausflügen ins Reich der Raucher – zu Glimmstängeln zu greifen. Auch den sagenumwoben rauchgeschwängerten Seminaren in meinem Uni-Institut auf dem Tübinger Schloss musste ich glücklicherweise nicht mehr beiwohnen. Im historischen, holzgetäfelten Raum galt damals schon absolutes Rauchverbot. Ganz zu schweigen von meiner Freude darüber, dass ich seit Jahren unvernebelt in Restaurants mein Essen zu mir nehmen kann. Bleibt noch ein Wunsch: Der Bundestag möge endlich das von Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) auf den Weg gebrachte Gesetz zum Verbot von Tabakaußenwerbung (Plakatwerbung) erlassen. Lobbyisten verhindern dies bislang erfolgreich. Dabei ist Deutschland seit wenigen Tagen das letzte Land in der EU, das diese Form der Tabakwerbung noch erlaubt.

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Freitag, 21. April 2017 von Klaus Irion

Beim nächsten Mal nur schwarz

Eigentlich ist es doch ganz einfach. Man folgt den Anweisungen des Druckers, wechselt die leeren Patronen und hat am Ende wieder eine intakte Maschine. Das Problem aber beginnt schon viel früher. Zumindest, wenn es sich um einen Farbtintenstrahldrucker handelt. Im Fachhandel die richtigen Farbpatronen zu finden, ist durchaus noch machbar. Dann aber stellt sich die Frage, was ist nun die günstigste Variante? Da gibt es zum einen die Kombipackung. Verzeihung, die Kombipackungen. Denn der Hersteller befüllt die gleich großen Patronen mal mit mehr, mal mit weniger Tinte. Und das im Zehntelmilliliterbereich. Und als ob die Kommastellen-Füllmengen beim direkten Vergleich nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten, sind auch die jeweiligen Preise für die verschiedenen Kombipackungen so herrlich unterschiedlich. Wer es noch komplizierter will, der vergleiche die Füllmengen und Preise der Einzelpatronen mit denen ihrer Kombipackung-Pendants. Dann wird es endgültig irrwitzig, und man schwört sich, der nächste Drucker wird kein farbiger mehr sein.

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Dienstag, 4. April 2017 von Klaus Irion

Die Geschichte macht's aus

Vielleicht kennt ja der eine oder andere die wunderbare „Spiegel“-Rubrik „Eine Meldung und ihre Geschichte“. Wie wichtig sie ist, habe ich heute wieder einmal erfahren dürfen. Bei der morgendlichen Zeitungslektüre ist mir eine Meldung aufgefallen. Schlagzeile: Antisemitismus. Überschrift: Junge verlässt Berliner Schule. Viel mehr, als dass ein 14-Jähriger von Mitschülern wiederholt antisemitisch beleidigt worden sei, war daraus nicht zu entnehmen. Dabei gibt es durchaus mehr über diesen Vorfall zu berichten, wie ein ausführlicher Artikel im Berliner „Tagesspiegel“ zeigt. Zum Beispiel darüber, dass sich Juden in Deutschland nicht mehr nur vor Neonazis, sondern auch vor radikalen Muslimen fürchten müssen. Darüber, dass die betroffene Schule längst präventiv die verschiedenen Kulturen und Religionen, die dort täglich zusammenkommen, zum friedlichen Miteinander anzuleiten versucht. Darüber, dass es (nicht nur in Berlin) ermutigende interreligiöse Dialoge gibt. Eine Meldung und ihre Geschichte: Davon brauchen wir noch viel mehr. Denn unsere Problemlagen sind häufig viel zu komplex, als dass man sie stets in Twitter-Kürze deuten könnte.

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