Dienstag, 8. August 2017 von Klaus Irion

Fluch und Segen der Sensorik

Die Elektronik in Autos ist immer Fluch und Segen zugleich. Keine Bange, ich werde an dieser Stelle jetzt nicht auch noch meine Meinung zum Dieselskandal kundtun. Das haben viele Kollegen an anderer Stelle bereits ausführlich und gut gemacht. Mir geht es stattdessen um die Sensorik, die in neuesten Modellen fröhliche Urständ feiert. So auch beim Rückwärtsfahren. Ich gebe zu, ich möchte auf das Piepsen, wenn sich das Heck meines Wagens einem Gegenstand oder einem Lebewesen nähert, nicht mehr missen. Schnell habe ich die Segnungen des unüberhörbaren, ich könnte auch sagen des unglaublich nervigen Alarmsignals schätzen gelernt. Und mich so sehr daran gewöhnt, dass ich unlängst beim Rückwärtsfahren mit einem Auto ohne diese Sensoren ziemlich sorglos unterwegs war und automatisch auf den warnenden Ton gewartet habe – natürlich vergebens. Passiert ist glücklicherweise nichts. Wie heißt es doch oft voreilig, wenn die von Menschenhand erschaffene Technik den Menschen schlicht überfordert oder leichtsinnig werden lässt: Es war menschliches Versagen. Da haben wir es dann, der Segen wird zum Fluch. Ergo muss ich mehr denn je den gesunden Menschenverstand walten lassen.

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Dienstag, 18. Juli 2017 von Klaus Irion

Warum nicht Heavy Metal?

Hörst Du Dir das wirklich aus privatem Antrieb an oder doch nur aus dienstlichem Interesse? Ungläubigkeit klang aus der Stimme eines Kollegen, als ich ihm sagte, dass ich jetzt noch einmal zum Bang-Your-Head-Festival rausfahre. Früher, meinte er, habe er nicht einmal AC/DC hören wollen, aber wenn heute in SWR 1 Hells Bells erklinge, das habe schon was. Ich selbst bin nun äußerlich wahrlich kein Metaller. Mein Haare endeten noch nie weit unterhalb meines Nackens. Dafür war ich schon in meiner Jugend genauso offen für Accepts „Balls to the wall“ wie für jedes andere Musikstück, das handwerklich gut gemacht war – U-Musik wie E-Musik. Und so habe ich vergangenen Samstag auch die Power-Metal-Klänge von Hammerfall in mich aufgesogen und am Ende gedacht: Schade, dass Balingen nicht häufiger rockmusikalisch aus seiner Ruhe gerissen wird. Die lärmgeplagten Anwohner mögen mir diesen Gedanken verzeihen. Ich jedenfalls freue mich, dass die Heavy-Metal-Gemeinde unsere Kreisstadt auch im nächsten Jahr wieder für drei Tage in schwarz hüllt.

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Freitag, 30. Juni 2017 von Klaus Irion

Ein Paket des Grauens

Viele moderne Maschinen haben eine so genannte Sollbruchstelle. Schließlich ist jeder Hersteller ja erpicht darauf, dass er über kurz oder lang seinem Kunden ein neues Modell verkaufen kann. Oder doch zumindest ein Ersatzteil für das defekte Gerät. Letzteres wurde dieser Tage auch bei mir fällig, als der Griff eines Staubsaugers das Zeitliche segnete. Problemlos ließ sich das Ersatzteil im Internet finden. Zwei Tage später erreichte mich ein Paket. Dessen Größe hätte durchaus ausgereicht, um einen Handstaubsauger darin zu transportieren. Im ersten Moment dachte ich, es sei eine falsche Lieferung. Beim Blick auf den Absender und angesichts der Leichtigkeit des Pakets wurde mir aber schnell klar. Darin befindet sich mein klitzekleiner Staubsaugergriff. Dazu die notwendige Rechnung und viel, nein ganz viel Packpapier um die „riesige“ Last sicher zu transportieren. Nun wusste ich auch, warum das Porto so teuer war wie der Ersatzgriff.

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Donnerstag, 1. Juni 2017 von Klaus Irion

Vorgeschichte ergründen

Ist das Böse in einem Menschen von Natur aus angelegt oder entwickelt sich das Böse in ihm aufgrund seiner Lebensumstände, seiner Sozialisation? Über diese Frage diskutieren Gelehrte seit Jahrtausenden. Dieselbe Diskussion wird auch über andere Säugetiere geführt. Zum Beispiel über Hunde. Es ist wohl unbestritten, dass der Hund von Natur aus ein Raubtier ist. Domestizierung hin oder her. Und dennoch: Der Grad der Gefährlichkeit oder eben Ungefährlichkeit eines einzelnen Hundes ist immer auch der Grad an Erziehung und an Zuneigung, die ihm vom ersten Lebenstag an zuteil wird. Die Fakten sprechen im Fall der tödlichen Hundeattacke in Frohnstetten auf den ersten Blick eine eindeutige Sprache. Ein offensichtlich aggressiver Hund wurde nicht artgerecht gehalten. Sein Stresslevel war wohl bei weitem überreizt. Das kaum in Worte zu fassende Ende dieser Geschichte hat aber den ersten Erkenntnissen zufolge nicht erst an der Kette im Garten des Frohnstettener Hauses begonnen. Vorverurteilungen in jeglicher Richtung sind daher fehl am Platz. Die Vorgeschichte zu ergründen und daraus auch für die Zukunft auf allen Ebenen die richtigen Schlüsse zu ziehen, das sollte die vordringliche Aufgabe aller (Ermittlungs-)Behörden sein. Zuvor aber sollten wir alle angesichts des unsagbaren Leids wenigstens einen Moment innehalten und verbal abrüsten – beim Gespräch auf der Straße gerade so wie in den Diskussionsforen der sozialen Medien.

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Freitag, 19. Mai 2017 von Klaus Irion

Unvernebelte Zufriedenheit

Ich weiß noch genau, wie es war, in den 1970er-Jahren auf dem Rücksitz des elterlichen Autos von Zigarettenqualm eingeräuchert zu werden. Wahrscheinlich hat diese Gruselepisode mich davon abgehalten – abgesehen von an einer Hand abzuzählenden jugendlichen Ausflügen ins Reich der Raucher – zu Glimmstängeln zu greifen. Auch den sagenumwoben rauchgeschwängerten Seminaren in meinem Uni-Institut auf dem Tübinger Schloss musste ich glücklicherweise nicht mehr beiwohnen. Im historischen, holzgetäfelten Raum galt damals schon absolutes Rauchverbot. Ganz zu schweigen von meiner Freude darüber, dass ich seit Jahren unvernebelt in Restaurants mein Essen zu mir nehmen kann. Bleibt noch ein Wunsch: Der Bundestag möge endlich das von Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) auf den Weg gebrachte Gesetz zum Verbot von Tabakaußenwerbung (Plakatwerbung) erlassen. Lobbyisten verhindern dies bislang erfolgreich. Dabei ist Deutschland seit wenigen Tagen das letzte Land in der EU, das diese Form der Tabakwerbung noch erlaubt.

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