Donnerstag, 7. Dezember 2017 von Klaus Irion

Sonnengruß der Metalheads

Alle kommen wir irgendwann einmal in die Jahre. Die Spur des Lebens macht vor niemandem Halt. Auch nicht vor Headbangern, wie man in Balingen Jahr für Jahr beim Bang-Your-Head-Festival erleben kann – vor, wie auf der Bühne. So ein Festival kostet Kraft und fordert den ganzen Mann, die ganze Frau. „Lebe schnell, sterbe früh“ hieß früher einmal ein häufig gebrauchter Rock'n-Roll-Spruch. Einige haben diesen Slogan wortwörtlich genommen, viele ihn aber auch überlebt. Und für Letztere gibt es nun in Berlin ein ganz besonderes Angebot, wie ich gestern durch eine Radioreportage erfahren durfte: das schwarze Yoga oder neudeutsch Dark Yoga. Unglaublich, aber wahr. Hier entspannen Metaller nicht zu fernöstlichen Klängen, sondern zu düster anmutendem Dark-Metal-Stücken. Der Effekt sei derselbe, beteuert die professionelle Yoga-Lehrerin. Die am Kurs teilnehmenden Metalheads bestätigen dies. Ich stelle mir gerade vor, wie im kommenden Juli gerade die letzten Akkorde des Bang-Your-Head in den Endinger Nachthimmel entschwinden, die Dark-Yoga-Lehrerin die Bühne betritt und auf dem Messegelände Tausende Metaller zum Runterkommen den „Sonnengruß“, den „herabschauenden Hund“ oder den „Frosch“ zelebrieren. Ein Versuch wär's doch wert, oder?

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 1. Dezember 2017 von Klaus Irion

Hemmschwelle beim Gespräch

Bis vor einiger Zeit dachte ich bei der Abkürzung KI zunächst einmal an meine eigenen Initialen. Doch steht KI auch für etwas ganz anderes. Für etwas, das unsere ohnehin schon durchtechnisierte Welt ein weiteres Mal zu revolutionieren im Begriff ist. KI ist die Abkürzung für Künstliche Intelligenz. Also für Maschinen und Roboter, die zwar von Menschenhand gefertigt und programmiert wurden, danach aber in der Lage sind zu lernen. Beispiel Alexa, die kleine Box des großen Weltkonzerns Amazon. Sie hat nun wirklich nicht den Hauch eines lebewesenähnlichen Aussehens. Und doch spricht sie mit mir, wenn ich sie etwas frage. Natürlich gibt es schon viele Jahre „Gespräche“ mit Maschinen. Denken Sie nur an einen Anrufbeantworter oder an eine Telefonanlage, auch wenn diese bislang nur auf stupides Zahlennennen oder auf Ja oder Nein reagiert. Aber eine echte Kommunikation mit einer lernenden Maschine? Ich gebe zu: Die Hemmschwelle, Alexa als „Gegenüber“ zu akzeptieren, war anfangs doch recht hoch. Aber nicht nur Alexa, auch ich lerne in dieser Hinsicht ja noch jeden Tag hinzu.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 20. September 2017 von Klaus Irion

Schwarzfahren wider Willen

Kennen Sie das auch? Sie brauchen dringend Münzgeld, aber weit und breit ist niemand, der ihnen einen Geldschein wechseln kann. Mir ging es neulich in München mal wieder so. Entgegen der Ankündigung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds war an meiner etwas abseits gelegenen Tramhaltestelle kein Ticketautomat. Ein nebenan pausierender, leidlich freundlicher Stadtbusfahrer meinte, in der neuen Tramgeneration seien Automaten, die auch Scheine nehmen. Kurz darauf fuhr ein solch neues Exemplar heran. Zumindest sah es von außen so aus. Also flugs hinein und mitgefahren. Allein, der Automat akzeptierte mitnichten Scheine. Was tun? An der nächsten Haltestelle aussteigen und eine Geldwechselmöglichkeit suchen? Oder doch schwarzfahren bis zur nächsten S-Bahn-Haltestelle mit Geldschein-Automaten-Garantie? Ich entschied mich für Letzteres, meinen nicht zu verwendenden Geldschein aber allseits sichtbar in der Hand. Nur für den Fall, dass ich kontrolliert würde. Ob mir mit meiner Geschichte aber die 60 Euro Strafe fürs Schwarzfahren erspart geblieben wären? Ich weiß es nicht. Nach fünf Haltestellen konnte ich unbehelligt aussteigen und endlich ein Ticket lösen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 8. August 2017 von Klaus Irion

Fluch und Segen der Sensorik

Die Elektronik in Autos ist immer Fluch und Segen zugleich. Keine Bange, ich werde an dieser Stelle jetzt nicht auch noch meine Meinung zum Dieselskandal kundtun. Das haben viele Kollegen an anderer Stelle bereits ausführlich und gut gemacht. Mir geht es stattdessen um die Sensorik, die in neuesten Modellen fröhliche Urständ feiert. So auch beim Rückwärtsfahren. Ich gebe zu, ich möchte auf das Piepsen, wenn sich das Heck meines Wagens einem Gegenstand oder einem Lebewesen nähert, nicht mehr missen. Schnell habe ich die Segnungen des unüberhörbaren, ich könnte auch sagen des unglaublich nervigen Alarmsignals schätzen gelernt. Und mich so sehr daran gewöhnt, dass ich unlängst beim Rückwärtsfahren mit einem Auto ohne diese Sensoren ziemlich sorglos unterwegs war und automatisch auf den warnenden Ton gewartet habe – natürlich vergebens. Passiert ist glücklicherweise nichts. Wie heißt es doch oft voreilig, wenn die von Menschenhand erschaffene Technik den Menschen schlicht überfordert oder leichtsinnig werden lässt: Es war menschliches Versagen. Da haben wir es dann, der Segen wird zum Fluch. Ergo muss ich mehr denn je den gesunden Menschenverstand walten lassen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 18. Juli 2017 von Klaus Irion

Warum nicht Heavy Metal?

Hörst Du Dir das wirklich aus privatem Antrieb an oder doch nur aus dienstlichem Interesse? Ungläubigkeit klang aus der Stimme eines Kollegen, als ich ihm sagte, dass ich jetzt noch einmal zum Bang-Your-Head-Festival rausfahre. Früher, meinte er, habe er nicht einmal AC/DC hören wollen, aber wenn heute in SWR 1 Hells Bells erklinge, das habe schon was. Ich selbst bin nun äußerlich wahrlich kein Metaller. Mein Haare endeten noch nie weit unterhalb meines Nackens. Dafür war ich schon in meiner Jugend genauso offen für Accepts „Balls to the wall“ wie für jedes andere Musikstück, das handwerklich gut gemacht war – U-Musik wie E-Musik. Und so habe ich vergangenen Samstag auch die Power-Metal-Klänge von Hammerfall in mich aufgesogen und am Ende gedacht: Schade, dass Balingen nicht häufiger rockmusikalisch aus seiner Ruhe gerissen wird. Die lärmgeplagten Anwohner mögen mir diesen Gedanken verzeihen. Ich jedenfalls freue mich, dass die Heavy-Metal-Gemeinde unsere Kreisstadt auch im nächsten Jahr wieder für drei Tage in schwarz hüllt.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.