Dienstag, 26. Juni 2018 von Klaus Irion

Es ist nicht nur ein Spiel

Es ist doch nur ein Spiel. Gemeint ist das Treiben auf den großen Fußballbühnen dieser Welt. Dieser Satz hat eigentlich noch nie die Realität abgebildet. Seit Anbeginn internationaler Kickvergleiche waren die Stadien immer wieder mal auch ein Nebenkriegsschauplatz mit – wohlwollend betrachtet – patriotischem oder – negativ betrachtet – nationalistischem Hintergrund. Man denke nur an die „Folter-WM“ 1978 im damals diktatorisch regierten Argentinien. Was sich jedoch dieses Jahr bei der Weltmeisterschaft in Russland abspielt, sprengt meiner Ansicht nach alles bisher Dagewesene. Und ich meine jetzt nicht zuvorderst die Frage, ob diese WM ausgerechnet in Putins Reich hätte stattfinden müssen? Und auch nicht mehr die Diskussion um das Erdogan-Treffen von Özil und Gündogan oder das des ägyptischen Starspielers Mo Salah mit dem Tschetschenenführer Kadyrow. Was ich erlebe, ist ein serbischer Trainer, der den deutschen Schiri vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag sehen möchte. Sind serbische „Fans“, die albanischstämmige Schweizer auspfeifen, die wiederum mit dem albanischen Doppeladler-Jubel die Serben provozieren. Sind Spieler aus Kolumbien und Schweden, die nach einem Handspiel beziehungsweise einem Foul Morddrohungen aus den eigenen Reihen erhalten und im Fall des Schweden massiv rassistisch beleidigt werden. Da muss man ja fast schon froh sein, dass es die beiden Offiziellen des DFB-Trosses beim völlig sinnentleerten Beschimpfen der schwedischen Offiziellen und Ersatzspieler belassen haben. Ja, die Welt wird zunehmend unübersichtlicher und nationalistischer. Das färbt leider auch auf den Fußball ab. Es ist eben leider doch nicht nur ein Spiel.

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Dienstag, 24. April 2018 von Klaus Irion

Bitte weiterhin familiär bleiben

Zu wenig, das ist alles zu wenig.“ Der Besucher des Fußball-Oberliga-Derbys zwischen der TSG Balingen und dem SSV Reutlingen war nicht zu bremsen. Er meinte damit aber nicht die Leistung der Reutlinger, die vergangenen Freitag anerkennen mussten, dass die TSG derzeit das fußballerische Maß aller Dinge in der Region ist. Er beschimpfte eine TSG-Helferin, die an der Bonkasse für Speis und Trank ihren Dienst verrichtete und auf den nicht alltäglichen Ansturm – statt der üblichen 600 Zuschauer waren viermal so viel vor Ort – mit Gelassenheit reagiert hatte. Zumindest bis der völlig unflätige Stadionbesucher kam. Nach einer Schrecksekunde wies sie ihn zurecht in die Schranken. Liebe TSG-Verantwortliche: Bleibt bitte auch im Falle des Regionalligaaufstiegs so familiär wie bisher. Und wem das nicht passt, der soll auf seine Stadionwurst verzichten oder besser gleich ganz zu Hause bleiben.

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Donnerstag, 7. Dezember 2017 von Klaus Irion

Sonnengruß der Metalheads

Alle kommen wir irgendwann einmal in die Jahre. Die Spur des Lebens macht vor niemandem Halt. Auch nicht vor Headbangern, wie man in Balingen Jahr für Jahr beim Bang-Your-Head-Festival erleben kann – vor, wie auf der Bühne. So ein Festival kostet Kraft und fordert den ganzen Mann, die ganze Frau. „Lebe schnell, sterbe früh“ hieß früher einmal ein häufig gebrauchter Rock'n-Roll-Spruch. Einige haben diesen Slogan wortwörtlich genommen, viele ihn aber auch überlebt. Und für Letztere gibt es nun in Berlin ein ganz besonderes Angebot, wie ich gestern durch eine Radioreportage erfahren durfte: das schwarze Yoga oder neudeutsch Dark Yoga. Unglaublich, aber wahr. Hier entspannen Metaller nicht zu fernöstlichen Klängen, sondern zu düster anmutendem Dark-Metal-Stücken. Der Effekt sei derselbe, beteuert die professionelle Yoga-Lehrerin. Die am Kurs teilnehmenden Metalheads bestätigen dies. Ich stelle mir gerade vor, wie im kommenden Juli gerade die letzten Akkorde des Bang-Your-Head in den Endinger Nachthimmel entschwinden, die Dark-Yoga-Lehrerin die Bühne betritt und auf dem Messegelände Tausende Metaller zum Runterkommen den „Sonnengruß“, den „herabschauenden Hund“ oder den „Frosch“ zelebrieren. Ein Versuch wär's doch wert, oder?

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Freitag, 1. Dezember 2017 von Klaus Irion

Hemmschwelle beim Gespräch

Bis vor einiger Zeit dachte ich bei der Abkürzung KI zunächst einmal an meine eigenen Initialen. Doch steht KI auch für etwas ganz anderes. Für etwas, das unsere ohnehin schon durchtechnisierte Welt ein weiteres Mal zu revolutionieren im Begriff ist. KI ist die Abkürzung für Künstliche Intelligenz. Also für Maschinen und Roboter, die zwar von Menschenhand gefertigt und programmiert wurden, danach aber in der Lage sind zu lernen. Beispiel Alexa, die kleine Box des großen Weltkonzerns Amazon. Sie hat nun wirklich nicht den Hauch eines lebewesenähnlichen Aussehens. Und doch spricht sie mit mir, wenn ich sie etwas frage. Natürlich gibt es schon viele Jahre „Gespräche“ mit Maschinen. Denken Sie nur an einen Anrufbeantworter oder an eine Telefonanlage, auch wenn diese bislang nur auf stupides Zahlennennen oder auf Ja oder Nein reagiert. Aber eine echte Kommunikation mit einer lernenden Maschine? Ich gebe zu: Die Hemmschwelle, Alexa als „Gegenüber“ zu akzeptieren, war anfangs doch recht hoch. Aber nicht nur Alexa, auch ich lerne in dieser Hinsicht ja noch jeden Tag hinzu.

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Mittwoch, 20. September 2017 von Klaus Irion

Schwarzfahren wider Willen

Kennen Sie das auch? Sie brauchen dringend Münzgeld, aber weit und breit ist niemand, der ihnen einen Geldschein wechseln kann. Mir ging es neulich in München mal wieder so. Entgegen der Ankündigung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds war an meiner etwas abseits gelegenen Tramhaltestelle kein Ticketautomat. Ein nebenan pausierender, leidlich freundlicher Stadtbusfahrer meinte, in der neuen Tramgeneration seien Automaten, die auch Scheine nehmen. Kurz darauf fuhr ein solch neues Exemplar heran. Zumindest sah es von außen so aus. Also flugs hinein und mitgefahren. Allein, der Automat akzeptierte mitnichten Scheine. Was tun? An der nächsten Haltestelle aussteigen und eine Geldwechselmöglichkeit suchen? Oder doch schwarzfahren bis zur nächsten S-Bahn-Haltestelle mit Geldschein-Automaten-Garantie? Ich entschied mich für Letzteres, meinen nicht zu verwendenden Geldschein aber allseits sichtbar in der Hand. Nur für den Fall, dass ich kontrolliert würde. Ob mir mit meiner Geschichte aber die 60 Euro Strafe fürs Schwarzfahren erspart geblieben wären? Ich weiß es nicht. Nach fünf Haltestellen konnte ich unbehelligt aussteigen und endlich ein Ticket lösen.

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