Freitag, 10. Februar 2017 von Volker Schweizer

Ein schöner und leckerer Brauch

Sie sind süß und schön fett: Überall lachen einen wieder Fasnetsküchle an. Wer die Teile mag, sollte am „Schmotziga“ nach Obernheim gehen. Dort gibt es sie im Pfarrhaus in großer Zahl. Hinter dieser Tradition steckt eine jahrhundertealte Absprache – allerdings mit einer tiefschneidenden Zäsur. Die Narren sind der Mitfeier der Gottesdienste nicht in ausreichendem Maße nachgekommen, wird als möglicher Grund in der Chronik für die Aufhebung der Vereinbarung durch Vogt und Pfarrherr im Jahr 1834 genannt. 2014, als die Hexenzunft 75. Geburtstag feierte, belebte die Kirche wieder den Brauch unter der Maßgabe, dass das Gefolge von Ritter Konradin wenigstens einmal jährlich, bevorzugt am Aschermittwoch, an der Messe teilnimmt. Bei der Aschenbestreuung muss die Kirche in den letzten drei Jahren gut besucht gewesen sein, denn im Amtsblatt ruft Kirchengemeinderat Günter Moser die Gläubigen wieder zum Küchle-Backen auf. Er bindet aber auch das Rathaus ein. Bürgermeister Josef Ungermann, ein Freund der Fasnet, nimmt den Auftrag, Mehlbestellungen entgegenzunehmen, sicherlich gerne an. Weil's einfach ein schöner und leckerer Brauch ist.

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Donnerstag, 26. Januar 2017 von Volker Schweizer

Ernüchterung statt Euphorie

Vor über einem Jahr gab es einen besonderen Brückenschlag. Zum ersten Mal wurden in großem Stil die Landkreise Tuttlingen und Zollernalb miteinander verbunden – dank eines gemeinsamen ÖPNV-Systems. Seither gelangt man von Nusplingen, Obernheim, Schömberg und Balingen problemlos bis Wehingen und Gosheim. Die Bilanz ist ernüchternd: Die Busse sind meist leer, das Angebot wird so gut wie gar nicht angenommen, nicht einmal von Schülern und Berufspendlern. In absehbarer Zeit stellen die Verantwortlichen die Buslinie wohl ein. Dies sei sehr schade, denn die Bürgermeister und Unternehmen der Heuberggemeinden hätten sich intensiv für das Angebot eingesetzt, klagt Josef Ungermann. Das Verhalten, und da hat der Obernheimer Schultes Recht, entspricht dem neuen Zeitgeist. Es wird oft viel gefordert, vehement und lautstark. Und hinterher interessiert sich niemand mehr dafür. Leider.

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Freitag, 30. Dezember 2016 von Volker Schweizer

Lieber jetzt als im April

Achtung, Achtung: Die Kältepeitsche kommt! Ob wir’s überleben? Die Meteorologen überschlagen sich jedenfalls mit Horrorszenarien für die nächste Wetterwoche. Viel Schnee und sibirische Temperaturen sind angekündigt. Zumindest wird niemand sagen können, man sei vom plötzlichen Wintereinbruch überrascht worden. Demjenigen, der dann noch mit Sommerreifen Auto fährt, ist wirklich nicht mehr zu helfen. Schnee schippen, Autoscheiben freikratzen und kalte Füße – das ist nichts für mich, ich oute mich als Winterhasser. Aber lieber soll sich Frau Holle jetzt so richtig austoben als im Februar oder gar bei der Ostereiersuche im April. Meine Kinder freuen sich dagegen auf die weiße Pracht: Sie können ihr „Christkindle“, einen aufblasbaren Schlitten, auf dem Buckel gegenüber unserem Haus ausgiebig testen. Und ab und zu eine Schneewanderung bei Sonnenschein auf stillen, weiten Wiesen hat ja auch einen gewissen Reiz.

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Freitag, 25. November 2016 von Volker Schweizer

Problemlos nach Tanneck

Es sind zwar schon einige Jahre her, aber der Bürgerstammtisch in Tanneck bleibt den Obernheimer Gemeinderäten im Gedächtnis haften. Nicht, weil es große Diskussionen oder gar Streitereien gab, sondern wegen der Wetterkapriolen. „‘S wird au it wieder so schneia“, heißt es immer wieder bei der Bekanntgabe des neues Termins. Auch ich erinnere mich nur ungern an diesen Dienstag im November. Der Winter kam quasi über den Abend. Um Halbsechs verließ ich in strömendem Regen die Redaktion. Zwei Stunden später goss es in Balingen noch in Strömen. Auf dem Lochenpass fielen dann die ersten kleinen Flöckchen. Ein paar Kilometer weiter, in Oberdigisheim , war die Fahrbahn schon schneebedeckt. Obernheim präsentierte sich zu diesem Zeitpunkt bereits als (Alp-)Traum in Weiß. Selbst die eigentlich schneeerprobten Obernheimer hatten ihre liebe Not, den kleinen Weiler zu erreichen. Der Schultes musste sogar die Straßenmeisterei anrufen, um einen „Bahner“ zu ordern. Dieses Mal gab es keine Probleme. Der Winter lässt noch auf sich warten. Ich könnte getrost auf ihn verzichten. Wenn überhaupt etwas Schnee, dann an Weihnachten. Aber dieser Wunsch wird wohl wieder unerfüllt bleiben.

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Dienstag, 25. Oktober 2016 von Volker Schweizer

Kehraus im Garten

Vor zwei Wochen hat mich diese Whats-App-Nachricht einer guten Bekannten erreicht: „Ist immer so ein komisches Gefühl, wenn alles weggeräumt ist. So trostlos , weil man weiß, dass Schmuddelwetter oder gar Schnee kommt.“ Am Samstag machte auch ich Tabula rasa im Garten. Das Trampolin und andere Spielgeräte wurden abgebaut, der Grill geputzt, die Gartenmöbel in den Keller verfrachtet. Die Biotonne ist voll mit verblühten Stauden, und der Rasenschnitt wird diese Woche zum letzten Mal ins Wertstoffzentrum gekarrt. So langsam stellt sich auch bei mir der Herbst-Blues ein. Dazu „passt“ die Zeitumstellung am Wochenende, denn dann wird es abends noch früher dunkler. Tiere haben’s gut, die verschlafen den Winter einfach. Und doch gibt es auch Dinge, auf die man sich freuen kann, bis der nächste Sommer kommt. Man kann die häusliche Gemütlichkeit genießen, sich aufs Sofa fläzen und ein Buch lesen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, draußen etwas zu verpassen. Außerdem locken lecker duftender Tee, Gutsle und bald auch schon wieder Lebkuchen und Glühwein. Und wenn’s richtig windet, geht’s mit der Familie raus zum Drachen steigen lassen. Das macht Riesenspaß. So lässt sich die kalte Jahreszeit ein Stück weit ertragen.

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