Samstag, 19. Mai 2012 von Dagmar Stuhrmann

Öfters mal abschalten

Handys machen das Leben in vielerlei Hinsicht leichter. Man kann von jedem Punkt auf dieser Welt aus telefonieren und kann umgekehrt jederzeit angerufen werden, egal, wo man ist und was man gerade macht. Das Handy muss nur eingeschaltet sein. Genau diese Dauererreichbarkeit macht aber immer mehr Menschen zu schaffen. Sie können nicht mehr abschalten – im übertragenen Sinne –, wenn der Alltag sie beliebig einholen kann. Vielleicht sollte man ja einfach öfters mal – und nun ist's wörtlich gemeint – abschalten. Dann passiert einem zumindest nicht das, was ich vor kurzem in der Warteschlange an einer Supermarktkasse beobachten durfte. Just in dem Moment, als die Kassiererin begann, den Einkauf einer Kundin über den Scanner zu schieben, legte deren Handy los. Welche Macht diese Dinger doch über ihre Besitzer haben: Statt es einfach klingeln zu lassen, fing die Frau an, hektisch in ihrer Tasche zu kramen. Bis sie den kleinen Störenfried gefunden hatte, das Gespräch angenommen und sich mit dem Anrufer ausgetauscht hatte, türmten sich die Waren auf der schmalen Fläche zwischen Scanner und „Abgrund“ bereits zu einem beachtlichen Berg – und in der Schlange wuchs die Spannung. Wann würde das Ganze umkippen? Nun ja: Soweit kam es dann doch nicht. Denn als die Kundin keine Anstalten machte, ihr Gespräch zu beenden, stand die Kassiererin – ganz Herrin der Lage – auf und packte kurzerhand, wenn auch unter Verrenkungen, sorgfältig Dose um Dose und Päckchen um Päckchen in den Einkaufswagen der Kundin. Die sich dann für diesen Extra-Service immerhin herzlich bedankte.

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Samstag, 7. April 2012 von Dagmar Stuhrmann

Wie sich die Zeiten ändern

Was waren das noch für Zeiten, früher, im zu Ende gehenden 20. Jahrhundert. Sobald das entsprechende Symbol im Armaturenbrett zu leuchten begann, steuerte man die nächste Tankstelle an – und tankte. Einfach so. Ohne groß darüber nachzudenken. Damit ist's aber wohl endgültig vorbei. Tanken ist komplizierter geworden, und wenn man die Zeit dazu hätte, könnte man auch sein Tagwerk damit verbringen, den jeweils besten Zeitpunkt und den momentan billigsten Anbieter ausfindig zu machen. Heute, habe ich mir sagen lassen, tankt keiner mehr erst dann, wenn der Tankinhalt sich dem Ende zuneigt. Nein, man füllt nach, wenn der Preis mal wieder um zwei, drei Cent gefallen ist – auch wenn dann nur fünf Liter hineinpassen. Tanken ist eben keine Nebensache mehr. Dabei zeigt sich aber auch sehr schnell, wie relativ doch alles im Leben ist. Noch vor ein paar Monaten hätte sich kein Mensch bei einem Benzinpreis von 1,64 Euro in die Schlange gestellt. Inzwischen ist das sogar schon ein „Schnäppchenpreis“.

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Freitag, 16. März 2012 von Dagmar Stuhrmann

Vorbei mit dem Winterschlaf

Wenn ich's mir recht überlege, ist eigentlich der Herbst meine Lieblingsjahreszeit. Doch auch der Lenz, der nun mit großen Schritten naht, hat seine Vorzüge. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen. Eigenartig, wie die Natur die Menschen beeinflusst. Kaum sind die ersten wärmenden Sonnenstrahlen da, werden die Lebensgeister neu geweckt. Bewegung an der frischen Luft ist angesagt: Wohin man schaut, sind sie wieder unterwegs, die Jogger, die Walker, die Inline-Skater. Auch ich genieße natürlich die Frühlingsgefühle, doch ich muss zugeben, dass sich in die Freude über den Abschied vom Winter auch ein wenig Bedauern mischt. Denn nun ist's eben auch vorbei mit den langen dunklen Abenden, die man, eingekuschelt in eine Decke und mit einer Tasse Tee in der Hand, genüsslich lesend auf dem Sofa verbringen kann. Jetzt heißt es, aktiv sein, in die Gänge kommen, raus aus den Puschen. Das kann, mit Verlaub, ganz schön anstrengend werden. Das Gute ist: Der nächste Winter kommt bestimmt. Und mit ihm auch die „Kuscheltage“.

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Freitag, 20. Januar 2012 von Dagmar Stuhrmann

Falsches Versprechen

Nachdem sie mir mindestens zehn Jahre lang treue Dienste geleistet hatte, fiel meine alte Pfeffermühle aus Holz buchstäblich auseinander und ließ sich nicht mehr reparieren. Was tut man in einem solchen Fall? Man sorgt für Ersatz. Doch diesmal sollte es eine elektrische Mühle aus glitzernd-silbernem Material sein. Ein Designwunder. Hypermodern mit Keramikmahlwerk und batteriebetrieben. Und genau das erweist sich jetzt als Problem. Um an das Batteriefach heranzukommen, verspricht die Gebrauchsanweisung, müsse man lediglich den unteren Teil der Mühle festhalten und gleichzeitig den oben aufgesetzten Behälter „bis zum Anschlag nach links drehen“. Dann lasse sich der Behälter „ganz leicht nach oben schieben“. Hört sich unproblematisch an, oder? Ist es aber nicht. Der Behälter bewegt sich keinen Millimeter, ganz egal, was ich mache. Drehen geht überhaupt nicht, weder nach links noch nach rechts, und „nach oben schieben“ lässt sich auch nichts. Aber ich gebe nicht auf. Ich werde es weiter versuchen und irgendwann, bin ich mir sicher, werde ich diese Mühle besiegen. Oder künftig auf frisch gemahlenen Pfeffer verzichten.

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Donnerstag, 12. Januar 2012 von Dagmar Stuhrmann

Guter Zeitpunkt für neues Ich

Kaum sind die Weihnachtskugeln weggeräumt und die Silvesterknaller verschossen, treten auch schon die Narren auf den Plan. Pünktlich zum Start in die fünfte Jahreszeit finden wir überall Kostümierungstipps für den Fasnetball. Ob zum Selbernähen oder von der Stange – es gibt nichts, was es nicht gibt. Hexen, Göttinnen, Vampire, Pinguine, die Vielfalt ist immens. Viele machen sich richtig Mühe, wenn es darum geht, für ein paar Stunden die eigene Identität abzulegen, zerbrechen sich wochenlang den Kopf darüber, als was sie sich verkleiden wollen, so als ob sie das ganze Jahr darauf gewartet hätten, endlich wieder in eine andere Rolle zu schlüpfen. Da verwandelt sich der schmächtige junge Mann in Superman, die ältere Dame wird zu Pippi Langstrumpf, aus dem seriösen Geschäftsmann wird der lustige Clown. Sich zu verwandeln und Seiten auszuleben, die man sonst nicht unbedingt zeigt – das macht den Reiz des Rollenspiels aus. Doch das ist es nicht allein: Noch spannender, als in eine „neues Ich“ zu schlüpfen, ist die Reaktion der anderen auf das Kostüm. Schließlich ist „Sehen und gesehen werden“ das Motto bei der Fasnet. Probieren Sie's doch mal aus...

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