Dienstag, 4. November 2014 von Dagmar Stuhrmann

Warten tut gut

Wir erwarten, dass es schnell geht. Ob an der Supermarktkasse, am Bankschalter, im Café oder beim Arzt – langes Warten ist öde. Wer schon mal in einer Telefonschleife festhing, kann ein Lied davon singen, steigt doch mit jedem „Bleiben Sie dran, Sie werden verbunden...“ die Ungeduld. Warten nervt. Es sei – ein Nietzsche-Zitat – ein sicheres Mittel, dem Wartenden „böse Gedanken in den Kopf zu setzen“. Wie wahr...

Wer etwas gegen böse Gedanken im Kopf hat, der kann sich an Tolstoi halten, der gesagt hat: „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann“. So gesehen ist Warten ja vielleicht gar nichts so schlimm. Ich werde, wenn ich wieder mal in einem Wartezimmer sitze oder sich, wie immer, die kürzeste Schlange an der Kasse am langsamsten bewegt, jedenfalls an einen Spruch denken, den ich vor kurzem auf einem Kalenderblatt gelesen habe: „Warten zu müssen ist eine freundliche Einladung zu einer kleinen Meditation.“ Stimmt eigentlich: Man kann die aufgezwungene Pause nutzen – zum Abschalten, zum Durchatmen, zum Entspannen. Und man kann sich darüber freuen, dass man für ein paar Minuten nichts anderes tun kann als einfach nur warten.

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Warten?

Aber wir sind doch hier nicht in der "DDR", "wir öffnen Kasse 4 für Sie". Das ist echter Service.

Lisa Witsch am 04.11.2014 13:04:55

Warten?


Wartenschlangen sind authentischer als die Rekonstruktion ex Film oder TV.

Lothar Gerstenecker am 04.11.2014 18:05:11

Samstag, 26. Juli 2014 von Dagmar Stuhrmann

Glückszwang im Urlaub

Waren Sie schon im Urlaub? Oder gehören Sie, wie ich, zu den Glücklichen, die „die schönsten Wochen des Jahres“ in diesem Sommer noch vor sich haben? Apropos schönste Wochen: Die Einschätzung eines Psychologen, die ich kürzlich gelesen habe, hat meine Vorfreude auf die freien Tage – ich gebe es zu – ein wenig getrübt. Urlaub sei oftmals mehr Stress als Erholung, sagt er und formuliert überspitzt: „Urlaub bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein.“ Tatsache ist, dass der selbstgesteckte Erwartungsdruck hinsichtlich Entspannung und Glücksseligkeit (auf Knopfdruck) ganz schön an den Nerven zerren und, sofern man den Urlaub zu zweit verbringt, leicht zum „Beziehungskiller“ werden kann. Jede dritte Scheidung wird offenbar nach dem Urlaub eingereicht. Ist doch auch der „Glückszwang“ immens: Alles soll harmonisch sein, das Wetter super, die Stimmung unbeschwert, das Urlaubsziel paradiesisch... An den Urlaub werden so hohe Wunschvorstellungen geknüpft – da muss die Realität notwendigerweise dahinter zurückbleiben. Wer die „Sommerfrische“ (warum benutzt eigentlich niemand mehr dieses schöne Wort?) so richtig genießen will, der sollte also am besten nichts erwarten und es einfach so nehmen wie es kommt. In diesem Sinne: Erholen Sie sich gut!

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"Sommerfrische"



Sehr geehrte Frau Stuhrmann,

geschäumte Milch ins hohe schlanke Glas und rein mit dem starken Espresso. Den trinkt man gerne draußen im Straßencafé – bei entsprechenden Temperaturen auch unter den orangefarbenen Sonnenschirmen.

Bei der „Sommerfrische“ schmeckt der Espresso drinnen natürlich genauso gut!
Lesetipps: Madleine Bourdouxhe – „Auf der Suche nach Marie“ und „Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine“.
Und für ganz kühle Sommertage: Sándor Márai – „Die Glut“.

Lassen Sie uns aber zunächst auf einen Wandel beim Wetter hoffen.


Lothar Gerstenecker am 30.07.2014 11:21:13

Samstag, 24. Mai 2014 von Dagmar Stuhrmann

Ausgesetzt

Sein roter Mantel hat einen Riss und weiße Flecken, auch an seiner Mütze ist der Lack ab. Das Weiß seiner Augen schimmert gelblich, der Blick ist trüb, sein Gesicht fahl. Als er noch makellos war, wurde er geliebt – jetzt sitzt er da, traurig, ausgesondert, auf einem Altglascontainer und wirkt so deplatziert, dass es einen anrührt. Das war nicht immer so: Einst war er ein stolzer Weihnachtsmann aus Ton, von imposanter Statur, auf jeden Fall viel zu groß, um durch die Öffnung des Containers zu passen – wo er, nebenbei gesagt, ja auch gar nicht hingehört. Er schmückte vielleicht eine Fensterbank oder saß in einem Vorgarten. Doch dann war Schluss: Er wurde ausgesetzt und auf diese Art zum Sinnbild für unsere Wegwerfgesellschaft.

Sie meinen, ich hätte ihn mitnehmen sollen? ... Genau das hab ich getan. Ich werde den tönernen Gesellen wieder „aufpäppeln“. Ein bisschen Farbe wirkt da sicher Wunder. Und sollte mein „neuer“ Weihnachtsmann dann irgendwann doch wieder Alterserscheinungen zeigen, dann darf er trotzdem bei mir bleiben.

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Danke!

Ein anschauliches Beispiel dafür, dass es auch Redaktionsblog-Beiträge mit Esprit gibt. Kommt leider viel zu selten vor.

Lisa Witsch am 24.05.2014 22:54:01

Ein herzliches Dankeschön, Frau Stuhrmann!

Nicht in jedem Kommentar lässt sich bei einem Kaffee über das Leben sinnieren. Es gibt genügend "Zeilen" in Zeitungen, deren Lesebesuch sich weniger lohnt.

Wie schrieb Frau Witsch: Esprit. Vollkommen richtig.

Lisa ganz unter uns: Leider haben viele Frauen Esprit nur als Schriftzug auf dem T-Shirt oder der Sonnenbrille. Im Kopf einer Frau ist er mir aber viel wichtiger und auch lieber.

Lothar Gerstenecker am 24.05.2014 12:29:50

Antwort auf Ein herzliches Dankeschön, Frau Stuhrmann!

Ich wollte keine Schleichwerbung machen. Dass du als Textilfachmann natürlich Hintergedanken hast, ist mir schon klar.

Lisa Witsch am 24.05.2014 22:46:32

Danke!

Ein anschauliches Beispiel dafür, dass es auch Redaktionsblog-Beiträge mit Esprit gibt. Kommt leider viel zu selten vor.

Lisa Witsch am 24.05.2014 10:59:26

Antwort auf Danke!

Anderes Thema: Kommst heute zur Eröffnung der Kunstausstellung ins Rathaus?

16 Uhr! Ob BM Mennig auch Sekt ausgibt ist mir allerdings nicht bekannt.

Lothar Gerstenecker am 24.05.2014 12:45:00

Antwort auf Antwort auf Danke!

Lothar, du machst mir Angst, wenn man zu schnell liest, könnte man auf den Gedanken kommen, Menning sei am Ende gar "Oberbürgermeister" ("Ob BM Mennig"...).

Lisa Witsch am 24.05.2014 22:51:47

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Danke!

Auch hier noch mal:

Auszug aus unseren Nutzungsbedingungen: "Wir schließen Diskussionen, wenn diese sich zu weit vom ursprünglichen Thema des Artikels fortbewegt haben."

Freundliche Grüße

Michael Würz
ZAK-Onlineredaktion

Michael Würz am 25.05.2014 10:17:23

Antwort auf Antwort auf Danke!

Von dem will ich keinen Sekt.

Lisa Witsch am 24.05.2014 22:44:30

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Danke!

He Lisa - hast schon gewählt?

Übrigens: Der gute Mann hat mich gestern nicht begrüßt und auch nicht gegrüßt.
Na ja - ich habe es überlebt.


Lothar Gerstenecker am 25.05.2014 10:06:00

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Auch hier noch mal:

Auszug aus unseren Nutzungsbedingungen: "Wir schließen Diskussionen, wenn diese sich zu weit vom ursprünglichen Thema des Artikels fortbewegt haben."

Freundliche Grüße

Michael Würz
ZAK-Onlineredaktion

Michael Würz am 25.05.2014 10:16:19

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Sehr geehrter Herr Würz,

wie war das Thema: Ach ja - Weihnachtsmann! Mit etwas Fantasie und Esprit könnte man ...

Schönen Wahlsonntag aus der Heuberg-Metropole!

Lothar Gerstenecker am 25.05.2014 10:46:33

Freitag, 4. April 2014 von Dagmar Stuhrmann

Getrübte Frühlingssonne

Wir können uns nicht beklagen: Das Wetter beschert uns derzeit wahrlich Sommergefühle – und das im April. Allerdings bringt die Wetterlage auch einen ungebetenen Gast mit: Saharastaub. Zuletzt hatte er im Februar Autodächer und Fenster mit einer Schmutzschicht überzogen. Jetzt schaufelt die warme Luft aus Afrika erneut Wüstensand in unsere Gefilde. Hinter schützenden Mauern verstecken müssen wir uns deshalb aber wohl nicht: Sich bei Saharastaub im Freien aufzuhalten, sagen die Wetterexperten, sei nicht gefährlicher als im Sommer einen staubigen Feldweg entlang zu laufen. Die feinen Schwebteilchen in der Luft, zu denen auch der Saharastaub gehört, sind obendrein ein bedeutsamer Faktor im weltweiten Wettersystem. So gäbe es ohne diese Staubteilchen keine Wolken, da der Wasserdampf umgehend verdunsten würde. Nicht zuletzt beschert Saharastaub Naturbeobachtern dort, wo er auftaucht, sogar besonders schöne Sonnenauf- und untergänge – und das ist doch auf jeden Fall etwas, worauf man sich freuen kann.

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Donnerstag, 20. März 2014 von Dagmar Stuhrmann

Hören Sie doch mal genau hin

Ich habe mir vorgenommen, künftig genauer hinzuhören. Das lohnt sich nämlich, weil die deutsche Sprache über so viele spannende Redewendungen verfügt, die wir alle gerne benutzen, über deren Ursprung wir uns aber – geben wir's doch zu – nur selten Gedanken machen. Oder haben Sie schon mal überlegt, warum „alles für die Katz“ ist, wenn es vergeblich oder fehlgeschlagen ist? Oder warum Verlorenes „flöten gegangen“ ist? Oder warum wir manchmal „alle Felle davonschwimmen sehen“? Und wieso sind wir ausgerechnet „auf 180“, wenn wir uns so richtig ärgern?

Oft ist die Erklärung einfach. Wie etwa im Falle der davonschwimmenden Felle. Dieser Ausdruck geht auf die Gerber zurück, die in früheren Zeiten Tierhäute im Fluss wuschen und, wenn sie unachtsam waren, dem Fell nur noch hinterherschauen konnten, wie es vom Wasser fortgetragen wurde. Was mir aber gar nicht einleuchtet: Wieso zieht es, wenn es stark zieht, wie Hechtsuppe? Ich habe nachgeforscht und herausgefunden, dass hier wohl ein Missverständnis zugrunde liegt. Aus „Hech supha“, was aus dem Jiddischen kommt und „wie ein Sturm“ bedeutet, wurde, weil sich's ähnlich anhört, „Hechtsuppe“. Aha – das also ist „des Pudels Kern“. Oder sollte ich vielleicht besser sagen: Jetzt weiß ich, „wo der Hase im Pfeffer liegt“?

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Bravo!

Endlich ein Kommentar mit Esprit zum Schmunzeln. Bitte mehr davon!

Lisa Witsch am 20.03.2014 10:16:42