Samstag, 7. Mai 2016 von Dagmar Stuhrmann

Schleimer haben's schwer

Kaum haben die ersten schönen Tage Einzug gehalten, höre ich sie schon: die Klagen der Hobbygärtner. Alles weg, sagen sie. Die Kohlrabi- und Karottenpflänzchen im Gemüsebeet – ratzeputz vernichtet. Der Salat – bis auf die Wurzeln abgenagt. Vertilgt von Nacktschnecken, die den schönen Namen „Arion vulgaris“ tragen und sich mit Begeisterung über zartes Grün hermachen. Die Kollegen von der „Süddeutschen“ widmeten den gefräßigen Schleimern unlängst einen zweiseitigen Artikel, in dem sie auch Tipps für die Schneckenabwehr unter die Lupe nehmen. Aussichtsreich scheint mir die Bitterstoff-Variante zu sein. Da Schnecken beispielsweise Ringelblumen überhaupt nicht mögen, kann man seine liebevoll gezogenen Gemüsesetzlinge hinter einem Bannstreifen aus Ringelblumen verbergen und sie so vor Kahlschlag schützen. Nicht ratsam dagegen ist der Schneckenweitwurf. Englische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Weichtiere offenbar so etwas wie einem Heimatinstinkt haben. Sie schleuderten für ihr skurriles Experiment mit einem farbigen Punkt gekennzeichnete Schnecken etwa fünf Meter weit über Hecke, Straße und Zaun in eine benachbarte Brachfläche. Und siehe da: Nach 17 Tagen tauchte die erste markierte bereits wieder in ihrem Heimatgarten auf. Die anderen folgten. Erst ab einer Entfernung von 20 Metern verlieren Schnecken die Orientierung und die Chancen stehen gut, dass sie den Heimweg nicht mehr finden.

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Dienstag, 5. April 2016 von Dagmar Stuhrmann

Der Mond lässt grüßen

Eigentlich bin ich nicht der Typ, der Veränderungen liebt. Ich hab's gern vertraut um mich herum. Nur im Frühjahr geht es mir wie vielen anderen auch: Dann brauche ich Tapetenwechsel. Dieses Jahr sogar im ganz wörtlichen Sinne. Seit drei Tagen ist mein einst so gemütliches Wohnzimmer eine triste, von aller Heimeligkeit befreite Baustelle. Ich hätte nicht gedacht, dass beim Abschleifen von Wandunebenheiten so viel Staub aufgewirbelt wird, dass vom Bücherregal bis zur Yuccapalme alles unter einer millimeterdicken weißen Schicht verschwindet. Das wieder sauber zu bekommen, wird mich Tage kosten. Klar: Abdecken hätte die bedrückende „Mondlandschaft“ verhindert. Aber wer denkt schon im Renovierungseifer an solche Kleinigkeiten?

Ich jedenfalls nicht. Mit dem Ergebnis, dass meine Vorfreude auf den neuen Anstrich einen gewaltigen Dämpfer bekommen hat und ich mich schon wieder frage: Hätte nicht alles bleiben können, wie es war? Die alte Farbe war doch eigentlich noch ganz schön... Nein, sagt jetzt meine innere Stimme. Ab und zu müssen Veränderungen sein. Auch wenn der Weg dahin manchmal steinig, respektive staubig, ist. Schon bald jedoch werde ich die Unterbrechung des Gewohnten und den Schmutz vergessen haben und mich über frisch gestrichene Wohnzimmerwände und ein neu gewonnenes Raumgefühl freuen. Auch wenn ich mir das im Moment noch nicht so ganz vorstellen kann.

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Mittwoch, 24. Februar 2016 von Dagmar Stuhrmann

Vergessene Wörter

Man kann vom Internet halten, was man will: Ab und zu findet man in seinen unergründlichen Weiten durchaus auch mal etwas richtig Spannendes. Wie etwa das „Lexikon der Archaismen“. Archaismen – das sind alte Wörter, die immer mehr in Vergessenheit geraten, die kaum noch gebraucht werden und deshalb vom Aussterben bedroht sind. „Habenichts“ beispielsweise, „Blaustrumpf“, „Dauerlauf“ oder „Schutzmann“. Diese veralteten Substantive gehören zwar weiterhin zum Wortschatz, den ganz jungen Menschen sind sie jedoch vermutlich völlig unbekannt. Manches, für das es einst Wörter gab, ist mittlerweile verschwunden: Der „Walkman“ – dieses tragbare Gerät, mit dem man Kassetten abspielen konnte – gehört in diese Kategorie. Oder die „Wählscheibe“. Wer die noch kennt, vielleicht auch noch weiß, was mit „Bandsalat“ gemeint ist, und zu „Feten“ ging statt zu Partys, den kann man wohl kaum noch zu den „Backfischen“ zählen. Aber kein Grund zum Grübeln: Manch Totgesagtes kommt wieder in Mode. „Schallplatten“ zum Beispiel. Sie erinnern sich: Die schwarzen Dinger mit den Rillen und dem kleinen Loch in der Mitte...

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Donnerstag, 3. Dezember 2015 von Dagmar Stuhrmann

Gleiche Chance mit Handicap?

Wie steht's in der Arbeitswelt mit der Chancengleichheit für Menschen mit einem Handicap? Zum heutigen Welttag der Menschen mit Behinderung stimmt das aktuelle „Inklusionsbarometer“ der Aktion Mensch nachdenklich. Zeigt die Studie doch: Menschen mit geistiger Behinderung sind das Schlusslicht auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie sind stattdessen überproportional in Werkstätten tätig. Dabei beweisen sie tagtäglich in den unterschiedlichsten Sparten, sagt die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmid, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt durchaus bestehen können und – auch das zeigt das Inklusionsbarometer – sie erfahren große Wertschätzung von Arbeitgebern und Kollegen. Vielfalt führt zu mehr Offenheit und einem besseren Arbeitsklima. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe, deren Vorsitzende Schmid ist, fordert ein Bundesteilhabegesetz mit einem umfassenden Budget für Arbeit. Um Menschen mit geistiger Behinderung den Übergang zu ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern, müssten vorhandene Instrumente wie Betriebspraktika und Unterstützte Beschäftigung ausgebaut werden. Eine gute Idee. Wichtiger ist jedoch wohl zunächst, dass sich die positiven Erfahrungen in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft herumsprechen.

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Samstag, 17. Oktober 2015 von Dagmar Stuhrmann

Durststrecke liegt vor uns

Wenn die Nächte länger und die Tage kürzer werden, ist klar: der Herbst kommt. Spätestens wenn sich in den Supermärkten Lebkuchenherzen und Marzipankartoffeln zu stapeln beginnen, wird auch dem Letzten bewusst, dass der Sommer endgültig vorbei ist. Jetzt liegt eine lange Durststrecke vor uns, in der der Himmel grau und nahezu alles Grün aus der Natur verschwunden ist. Mindestens sechs Monate wird es dauern, bis wir nicht mehr Extrazeit fürs warme Einpacken mit dicker Jacke, Stiefeln, Schal und Mütze einplanen müssen, bevor wir uns ins Freie wagen. Es gibt allerdings auch gute Gründe, den Herbst schön zu finden. Die bunten Blätter, das ganz besondere Licht an sonnigen Tagen, die frische Luft und (nicht zuletzt) die Abwesenheit von Stechmücken. Endlich gibt es auch wieder Kürbisse in allen Formen und Farben. Angesichts der nun hervorgekramten Kuschelpullis rückt obendrein die Sorge um den Hüftspeck in den Hintergrund. Mein Tipp für nasses Schmuddelwetter: Machen Sie sich's mit einem Buch und einer Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich und freuen sie sich über die Ruhe, die mit dem Herbst zumindest teilweise ins Leben der Menschen einzieht.

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