Donnerstag, 19. November 2009 von Dagmar Stuhrmann

Falsche Versprechungen

Seit Tagen warte ich auf ein Päckchen. Und ich hatte es geahnt. Beim abendlichen Blick in den Briefkasten bestätigt sich meine Befürchtung: Auch der zweite Zustellversuch war erfolglos. Aber ein weißes Zettelchen tröstet mich. Ich könne den nächsten Zustelltermin direkt mit dem Paketdienst abstimmen, wird mir versprochen. Zwischen 7 und 18 Uhr. Also wähle ich am nächsten Morgen hoffnungsfroh die angegebene Nummer. Eine freundliche Stimme vom Band informiert mich, dass mich der Anruf ab dem Pieps 49 Cent pro Minute kostet. Dann kommt der Pieps – worauf mir erklärt wird, dass ich die Terminvereinbarung auch übers Internet vornehmen könne. Ansonsten würde man mich aber gern mit einem Mitarbeiter verbinden... Super, denke ich, und warte. Die Sekunden ticken vor sich hin. Fast genau nach einer Minute macht ein Tut-tut-tut meine Hoffnungen zunichte.

Ich versuche es nochmal. Alles von vorn, wieder die freundliche Stimme, wieder der Hinweis aufs Internet, wieder das Versprechen, mich zu verbinden. Zwei weitere Male – und insgesamt rund zwei Euro Gesprächskosten später – bin ich keinen Schritt weiter, bin frustriert und erst mal bedient für diesen Tag.

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Dienstag, 22. September 2009 von Dagmar Stuhrmann

Ein Berater mit Flügeln

Wenn Sie wissen wollen, was es heute in der Bundestagskantine gibt oder welche Sockenfarbe ihr Lieblingspolitiker bevorzugt, dann fragen Sie doch einfach den Adler. Den Adler? Ja! Das animierte Federvieh taucht auf der Internetseite des deutschen Bundestags als „virtueller Berater“ auf, bereit, alle Fragen rund um Wahl und Bundestag zu beantworten. Nun ja, nicht alle. Denn der kleine „Luftikus“ ist sehr diskret. Auf obige Fragen wird er einfach die Antwort verweigern. Aber ansonsten weiß er wirklich sehr viel und wenn er eine Frage beantworten kann, legt er zufrieden die Flügel übereinander und freut sich. Man sollte ihn jedoch auch nicht nach seiner Meinung fragen. Denn dann kommt er in die Bredouille und gibt nur sehr ausweichend Antwort. Probieren Sie's doch mal selbst mit einer Frage wie: „Wie findest Du Angela Merkel?“ ... Na? ... Eben! Der Berater-Adler ist auf der Hut und gibt sich ganz neutral. Zu einer „Parteinahme“ lässt er sich nicht verleiten.

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Freitag, 4. September 2009 von Dagmar Stuhrmann

Die Tücken der Verpackung

Es ist zum Verzweifeln: „Bitte hier öffnen“ steht auf der Verpackung, doch man kann an der gekennzeichneten Stelle zerren und zupfen wie man will, es tut sich nichts. Die Ecke geht nicht ab. „Hier hochziehen“ weisen uns die Dosenhersteller an – beim Versuch, den Deckel an dem kleinen Ring abzuziehen, bin ich jedoch schon so oft gescheitert, dass ich um Dosen, so gut es geht, inzwischen einen großen Bogen mache. Ganz fies ist Frischhaltefolie: All die kleinen Zacken, die fürs Abreißen vorgesehen sind – alle umsonst, denn wenn die Folie überhaupt abreißt, dann ganz woanders und so, dass sofort ein unentflechtbares Folienknäuel entsteht, das einem den letzten Nerv raubt. Da hilft nur eins: Man muss sie überlisten, die Verpackungshersteller. Nach vielen, vielen vergeblichen Versuchen, Behältnisse gemäß aufgedruckter Anweisung zu öffnen, bin ich auf eine andere Strategie verfallen. Steht auf der rechten Käsepäckchen-Ecke „Bitte hier öffnen“, dann versuche ich es generell gleich mit der linken. Wo „Hier drücken“ steht, ziehe ich. Wo ich „nach oben knicken“ soll, knicke ich nach unten. Und siehe da: Es funktioniert.

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Samstag, 22. August 2009 von Dagmar Stuhrmann

Urlaub auf „Balkonien“

Ein neuer Trend: „Balkonien“ boomt. In Zeiten der Wirtschaftskrise, heißt es, bleibt immerhin ein Drittel der Deutschen im Urlaub zuhause. Aber: Urlaubs-Feeling auf dem eigenen Balkon – geht das überhaupt? Es geht. Wenn man's schafft, nicht in den gewohnten Alltagstrott zu verfallen. Hilfreich ist es, das Handy auszuschalten, die Post ungeöffnet und die Wäsche ungebügelt liegen zu lassen. Wäre man „weg“, wäre es schließlich auch nicht anders. Balkonien hat im Vergleich zu entfernten Urlaubszielen viele Vorteile: Balkonien ist vom Tourismus noch völlig unberührt. Nirgendwo sonst auf der Welt ist der Cappuccino so billig und auf dem Liegestuhl liegt morgens um sechs noch kein fremdes Handtuch. Wer sich trotzdem schwer tut, sich mit Balkonien anzufreunden, dem hilft – man will's kaum glauben – ein neuer Marco-Polo-Reiseführer mit dem Titel „Balkonien“. Das ist kein Witz, den gibt es wirklich. Und wenn man die Tipps darin nicht ganz so ernst nimmt, ist das Büchlein sogar eine recht amüsante Urlaubslektüre. Also dann: Auf nach Balkonien!

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Freitag, 26. Juni 2009 von Dagmar Stuhrmann

Öfters mal wörtlich nehmen

Aus früheren Englischstunden weiß ich noch: Die Engländer unterhalten sich gern übers Wetter und wenn sie „How are you?“ sagen, erwarten sie keine Antwort. Insofern hat sich das „Englische“ auch bei uns weit verbreitet: Wo immer ich hinkomme, ist das (miese) Wetter ein beliebtes Thema. Und wie das englische „How are you?“ ist auch das deutsche „Wie geht's?“ im Normalfall nur eine Floskel, auf die man nicht mit einer ausführlichen Beschreibung seiner Gefühlswelt reagieren sollte, wenn man sein Gegenüber nicht irritieren will. So „konditioniert“, fiel meine Antwort, als ich zufällig eine alte Freundin wiedertraf, auf ihr „Wie geht's Dir?“ entsprechend nichtssagend aus. Woraufhin sie prompt nachhakte: „Und wie geht's Dir jetzt?“ Das hat mir klar gemacht, dass mit der vermeintlichen Floskel manchmal eben auch ein tatsächliches Interesse an der Befindlichkeit des anderen bekundet wird, dass ein „Wie geht's?“ als wirkliche Frage gemeint sein kann, auf die man dann auch nicht nur mit einem knappen „Danke, gut“ antworten sollte bzw. antworten darf. Will man also nicht in die „Small-Talk-Falle“ tappen, dann bleibt wohl nur: Öfter mal Gesagtes wörtlich nehmen.

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