Mittwoch, 15. August 2018 von Holger Much

Ein Plädoyer für Vogelhäuschen

Wir füttern in unserem Garten das ganze Jahr über die Vögel. So wie es der bekannte Vogelkundler Peter Berthold fordert. „Es ist unsere moralische Pflicht, Vögel zu füttern“, sagt er sogar. Ich finde, er hat recht. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen kam bereits 2016 zu dem katastrophalen Ergebnis, dass dort bis zu 80 Prozent weniger Fliegen, Mücken und Käfer leben. Die Vögel finden daher immer weniger Nahrung. Landwirtschaftliche Monokulturen sowie verarmte Gärten mit englischem Rasen und den offenbar immer beliebter werdenden Schotterflächen tragen mit dazu bei.

Nach der aktuellen Nabu-Vogelzählung wurden pro Garten im Schnitt nur 33,3 Vögel gemeldet. Das ist die niedrigste Vogelzahl seit Beginn der Aktion vor 14 Jahren und ein erneutes Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der European Bird Census Council meldet, dass in den letzten drei Jahrzehnten die Zahl der Vögel in der Agrarlandschaft in 28 Staaten Europas um mehr als die Hälfte zurück ging. All das bedrückt mich mittlerweile immer mehr und ich versuche, quasi als Tropfen auf dem heißen Stein, wenigstens im privaten Rahmen zu tun, was ich kann. Und füttere Vögel, das ganze Jahr.

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Dienstag, 14. August 2018 von Andreas Westerhausen

Kräuterbuschen gegen Unheil

Morgen ist es wieder soweit: In katholisch geprägten Gegenden wird an Maria Himmelfahrt (15. August) der Kräuterbuschen in der Kirche geweiht. Unterschiedlich ist die Anzahl der Kräuter, die in einen Kräuterbuschen gehören. Immer handelt es sich jedoch um eine symbolträchtige Zahl, sei es sieben, neun, zwölf oder ein Vielfaches davon.

In früheren Zeiten kam der Kräuterbuschen getrocknet in den Herrgottswinkel und sollte dort vor Unheil und Krankheit schützen. Im Stall angebracht soll er das Vieh vor Krankheit schützen. Bei herannahendem Gewitter oder Sturm wurden Teile davon verbrannt, um vor Blitz und Unglück zu schützen.

Die Zeit zum Stecken der Kräuter ist gut gewählt, gilt die Zeit zwischen Maria Himmelfahrt und dem 15. September seit alters her als „Frauendreißiger“. In diesem Zeitraum besitzen die Kräuter die meisten Inhaltstoffe und sind somit am wirksamsten. Die gesammelten Kräuter halfen den Familien, um gut über den Winter zukommen.

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Samstag, 11. August 2018 von Klaus Irion

Woher stammt der Name Irion?

Ich trage einen großen Namen, heißt eine beliebte Ratesendung des SWR, bei der Nachfahren von Persönlichkeiten nach erratenem Nachnamen aus dem eigenen Leben, aber vor allem aus dem Leben des nachnamensgleichen berühmten Vorfahren berichten. Nun kann ich nicht behaupten, dass ich einen berühmten Vorfahren namens Irion habe. Dafür kann ich sagen: Es ist ein außergewöhnlicher, weil eher seltener Nachname. So zumindest sehen es viele Zeitgenossen. Zwei Fragen, die mir in meinem Leben mit Sicherheit am meisten gestellt werden: „Woher kommt dieser Name?“ Und seit ich in Balingen lebe auch: „Sind Sie mit den Irions aus Geislingen oder denen aus Rosenfeld verwandt?“ Zu Frage eins: Die Herkunft meines Namens ist nach wie vor ungewiss. Es gibt die katholische Variante, wonach Irion dem Kölner Ortsheiligen Gereon geschuldet ist. Es gibt die evangelisch-französische Variante, wonach es ursprünglich ein Hugenottenname gewesen sein soll. Und es gibt die religiös neutrale Variante, wonach Irion aus dem alemannischen Sprachraum entstammt. Was die zweite Frage betrifft: Nein, ich habe – zumindest meines Wissens nach – keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zu den wenigen Irions in Geislingen oder Rosenfeld. Ich bin ein vor vielen Jahren aus dem Südschwarzwald zugereister Irion, und meine Irion-Vorfahren stammen aus Flözlingen bei Rottweil. Diese Nicht-Verwandtschaft gilt auch zu unserer derzeitigen Redaktionspraktikantin Lea Irion aus Ratshausen. Auch wenn in der Öffentlichkeit – wieder einmal wohl unserem gemeinsamen seltenen Nachnamen geschuldet – bereits Verwandtschaftsgerüchte die Runde machen.

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Freitag, 10. August 2018 von Daniel Seeburger

Die Magie eines echten Buches

Die Magie, die ein Buch ausströmen kann, ist unbeschreiblich. Das heißt, ich kann versuchen, mein Gefühl zu beschreiben, das mich durchflutet, wenn ich den Buchdeckel öffne, den Geruch inhaliere, die ersten Zeilen lese – aber wer dieses Gefühl nicht kennt, wird mich nicht verstehen. Meist habe ich im Hinterkopf, welchen Autor ich als nächstes lesen will. Manchmal aber gibt es unvorhergesehene Ausnahmen. So verschenkte kürzlich jemand Hunderte von Romanen – und ich kam zufällig an seinem Stand vorbei. Antiquarische Bücher ziehen mich sowieso magnetisch an. Klar, dass ich stöbern musste – und eine Perle fand: den amerikanischen Literaten Thomas Wolfe. Wolfe starb 1938 mit 37 Jahren an Gehirntuberkulose. Mit „Schau heimwärts, Engel“ hat er Literaturgeschichte geschrieben. Sein 1940 posthum erschienener 700-seitiger Wälzer „Es führt kein Weg zurück“ ist in Deutschland fast unbekannt geblieben – und heute nur noch antiquarisch zu bekommen. Jetzt steckt meine Nase in diesem Buch mit den vergilbten Seiten, das man im Buchhandel nicht mehr bekommt. Mein Exemplar wurde vor 25 Jahren aus einer öffentlichen Bücherei aussortiert. Und bei jeder Zeile denke ich darüber nach, wer da schon vor mir drin gestöbert hat. Mit Wolfe, von einem Kritiker als „Homer des modernen Amerika“ bezeichnet, werde ich zukünftig immer den leicht modrigen, aber keinesfalls angestaubten, sondern ehrwürdigen Geruch assoziieren. So gerne und intensiv ich Computer, soziale Medien oder die moderne Art der Kommunikation nutze, so sehr möchte ich die alte Form der Literaturvermittlung nicht missen. Ein iPhone ist einfach nicht so sexy wie ein echtes Buch.

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Donnerstag, 9. August 2018 von Pascal Tonnemacher

Warum denn nicht beides?

Ja, ja, die Jugend von morgen wird nur noch am Smartphone kleben und Bücher schon gar nicht mehr kennen. Diese landläufige Kritik am Medienwandel rund um Handys, smarte Lautsprecher und Co. entkräftet mein Großer schon mit drei Jahren. Fürs Wohnzimmer hatten wir uns bereits vor Weihnachten eine Alexa angeschafft. In den letzten Monaten freundeten sich die Kids immer mehr mit ihr an. Ist natürlich unterhaltsam, wenn das kleine schwarze Ding auf Sprachbefehl miaut oder das Intro von Feuerwehrmann Sam abspielt. Auch aus dem anfänglichen „Letza“ wurde ein „Aletza“ – reagieren will sie darauf immer noch nicht, aber es ist ein Schritt nach vorne. Nun bekam der Große in sein Kinderzimmer auch eine Alexa. Die Bibi-Blocksberg-Kassetten-Sammlerei hat damit (irgendwie auch leider) ein Ende. Spotify hat sie alle und noch viel mehr. Doch selbstverständlich bekommen er und sein kleiner Bruder tagsüber von Mama und abends von Papa Bücher vorgelesen – wenn sie denn wollen. Das ist der Knackpunkt meines Erachtens. Denn die Kinder wissen sehr wohl die Vorzüge klassischer als auch neuer Medien zu unterscheiden. So ist der Große beinahe durchgedreht, als „Aletza“ seinen Lieblingssong nicht stoppen wollte, weil er genug hatte und lieber in Ruhe mit Mama reden wollte. Aber auch da wächst er noch rein!

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