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Handwerkstradition geht zu Ende

Handschuhmacher Manfred Faul schließt Betrieb Ende des Jahres

Balingen, 25.11.1999 von
Sibylle Link

Einst war Balingen eine Hochburg der Handschuhmacher und Gerber. Die uralte Handwerkstradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Der letzte Balinger Handschuhmacher schließt seinen Betrieb bis zum Ende des Jahres - es lohnt sich nicht mehr, lautet seine Begründung. Zugeschnittenes Leder liegt auf dem Arbeitstisch neben Schere und Messer. Die Stanzmaschine ist noch in Betrieb, doch das wird sich bald ändern. Manfred Faul, letzter Handschuhmacher in Balingen, kann schon einige Zeit mit den billig Angeboten aus China und Taiwan nicht mehr mithalten, jetzt gibt er sein Handwerk auf. Sein Vater Alfred Faul hat das Handwerksunternehmen 1953 im Sichelweg in Balingen gegründet. Zu dieser Zeit war das Handschuhmachen noch ein florierendes Geschäft. Allein 400 Menschen waren in Balingen in der Produktion beschäftigt. 1965 baute die Familie Faul in der Balinger Grünewaldstraße und Ende der 70er Jahre übernahm Manfred Faul das Handwerk von seinem Vater. Der heute 60-jährige Manfred Faul lernte im elterlichen Betrieb und legte 1966 die Meisterprüfung ab. Hatten die Fauls anfangs noch sechs Handschuhmacher dazu Näherinnen und Heimarbeiterinnen beschäftigt, so mußte der Betrieb in den 60er Jahren reduziert werden. "Durch die Importe aus Italien verzeichneten wir einen starken Rückgang", berichtet Manfred Faul. 1973 entschloss sich der Handwerker eine Stelle beim Arbeitsamt anzutreten. Der bisherige Brotwerwerb, das Handschuhmachen, wurde zum Nebenerwerb. Da bis heute bei der Herstellung von Handschuhen viel Handarbeit gefragt ist - von Ehefrau Brigitte werden die Handschuhe genäht, umsäumt, gebügelt - lohnt sich aufgrund der Lohnkosten das Handwerk nicht mehr. Billig Importe vor allem aus China und Taiwan überschwemmen den Markt. Auch Reithandschuhe, auf die sich Manfred Faul zuletzt spezialisiert hat, werden nun in Billiglohn-Ländern hergestellt. Mit der Aufgabe des letzten Handschuhmacherbetriebs geht in Balingen eine lange Handwerkstradition zu Ende. Bereits im Jahr 1715 haben Kürschner und Säckler in Balingen Fäustlinge aus Pelz und Leder hergestellt.

Manfred Faul, der letzte Balinger Handschuhmacher, gibt bis zum Jahresende seinen Betrieb auf.

Foto:Sibylle Link